Freitag, 28. April 2017

Streik-Drohung bei deutscher Tochter ärgert Tesla-Chef Kulturschock für Elon Musk in der Eifel

Elon Musk, ehemaliges Kloster in Prüm

Es ist ein kleiner Kulturschock für Tesla: Der Elektroautobauer aus dem Silicon Valley muss sich erstmals mit einer deutschen Gewerkschaft auseinandersetzen, nachdem das Unternehmen den rheinland-pfälzischen Zulieferer Grohmann übernommen hat. Im Streit mit der IG Metall geht es um Tariflöhne, Jobgarantien und nicht zuletzt darum, ob die Arbeitnehmervertreter die industrielle Vision von Tesla-Chef Elon Musk teilen.

Die Firma spiele eine wichtige Rolle für die Zukunft des Elektroauto-Herstellers, schrieb Musk in einem Brief an die Mitarbeiter, der die Wogen eigentlich glätten sollte. Sowohl die Belegschaft als auch die Produktion am Grohmann-Sitz in Prüm in Rheinland-Pfalz sollen demnach ausgebaut werden. Auch gibt Musk eine fünfjährige Jobgarantie für die Mitarbeiter des übernommenen Autozulieferers.

Doch Musk ist offenbar der Überzeugung, dass die deutsche Gewerkschaft ihm prinzipiell im Weg steht. Alles bei Tesla diene der Mission, den Übergang zu nachhaltiger Energie zu beschleunigen, "und ich glaube nicht, dass die IG Metall unsere Mission teilt", griff er die Arbeitnehmervertreter in seinem Schreiben an.

Der Konflikt ist voller Sprengkraft und geht in seiner Dimension womöglich über das Städtchen Prüm in der Eifel, wo Grohmann seinen Sitz hat, hinaus. Denn derzeit sucht Tesla nach eigenen Angaben einen Standort für eine weitere so genannte Gigafactory in Europa. Allzu negative Erfahrungen mit Gewerkschaften könnten den Kandidaten Deutschland zurückwerfen.

IG Metall droht mit Streik

Grohmann baut automatisierte Maschinen für die Fahrzeugproduktion. Für Tesla sind die Anlagen unter anderem bei der Fertigung des Volumen-Modells Model 3 wichtig, die im Sommer anlaufen soll.

Die IG Metall fordert einen Tarifvertrag und drohte zuletzt mit Streik. Tesla erklärte dazu, man spreche direkt mit den Mitarbeitern und sei bereit für einen Streik. "Wir erwarten keine Folgen für den Zeitplan beim Model 3." Grohmann soll unter dem Dach von Tesla nur noch die eigene Produktion beliefern. Verträge mit anderen Herstellern wie Daimler laufen aus.

Geprägt war Musks Brief allerdings auch von vielen versöhnlichen Tönen an die Belegschaft der deutschen Tochter. Musk wolle "unmissverständlich jedermann bei Tesla Grohmann versichern, dass wir nicht auf absehbare Zeit, und ganz sicher nicht in den nächsten fünf Jahren einen Personalabbau durchführen oder betriebsbedingte Kündigungen aussprechen werden", versprach Musk. "Auch nach diesen fünf Jahren erwarten wir weiteres Wachstum bei Tesla Grohmann und keinen Personalabbau."

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