Donnerstag, 28. Juli 2016

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Tesla-Chefentwickler Jerome Guillen "Wir wollen 500.000 Autos im Jahr verkaufen"

Tesla Model "D": Auch für das neue Modell wird es keinen Range-Extender und keine Plugin-Variante geben, Tesla bleibt dem reinen Elektroantrieb treu. "Wir konzentrieren uns auf die Technik, die wir für die beste halten. Keine Kompromisse", sagt Jerome Guillen.

Jerome Guillen brachte bei Daimler das Carsharing-Konzept Car2Go auf den Weg - und wechselte anschließend zu Tesla. Im Interview erzählt Guillen, wie ihn Tesla-Chef Elon Musk überzeugte, wie Tesla seine "Giga-Factory" auslasten will - und welche Wettbewerber ihn beeindrucken.

mm: Herr Guillen, Ihr langjähriger Kooperationspartner Daimler Börsen-Chart zeigen hat gerade seinen verbliebenen Tesla-Anteil verkauft. Waren Sie überrascht, als Sie davon gehört haben?

Jerome Guillen: Verstehen Sie bitte, dass ich mich zu dem Thema nicht äußern kann.

mm: Tesla hat den Antrieb für die Elektroversion der Mercedes-B-Klasse geliefert, die gerade in den USA auf den Markt gekommen ist. Daimler Börsen-Chart zeigen hätte diese Kooperation gerne auch in der nächsten Generation fortgesetzt. Tesla hat abgelehnt. Warum wollen Sie den Auftrag nicht?

Guillen: Hinter der Entscheidung, ob Sie ein gemeinsames Projekt ausbauen oder nicht, steht ein komplexer Prozess. Das Geschäftsmodell bietet immer etliche Optionen. Tesla und Mercedes haben bei der B-Klasse bislang eng zusammen gearbeitet, wir sind mit der Marktreaktion sehr zufrieden. Aber vergessen Sie nicht: Tesla ist immer noch ein kleines Unternehmen, wir haben ein gewaltiges Programm vor der Brust.

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    Florian Renner für manager magazin
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mm: Herr Guillen, Sie haben selbst lange für Daimler gearbeitet. Sie haben die Projektgruppe Business Innovations geleitet, in der Funktion direkt an Vorstandschef Dieter Zetsche berichtet. Und dann sind Sie von einem der Top-Konzerne der Branche zum kalifornischen Niemand Tesla Börsen-Chart zeigen gewechselt. Warum?

Guillen: Die Zeit bei Daimler war großartig. Dieter Zetsche hat mir eine tolle Aufgabe gegeben; das von mir damals entwickelte und auf den Weg gebrachte Smart-Projekt Car2Go hat sich inzwischen zu einem großen Erfolg entwickelt. Das befriedigt natürlich, auch im Nachhinein. Aber Tesla war für mich damals die größere Herausforderung.

mm: Und das größere Risiko.

Guillen: Risiken können reizvoll sein. Elon Musk bot mir an, das Model S marktreif zu machen und die Produktion aufzubauen. Er hatte damals kein anderes Auto in der Pipeline, und das erste Projekt, der Roadster war ausgelaufen. Hätte das Model S nicht funktioniert, gäbe es Tesla heute nicht mehr. Viel mehr Verantwortung geht nicht.

mm: Es gab damals viele Zweifler, auch am Model S, ...

Guillen: ..., die gibt es heute auch wieder: an unserem nächsten Modell, dem SUV Model X, an unserer Batterie-Fertigung. Wir werden die Zweifler überzeugen. Elon Musk hat damals von uns gefordert, das Model S zum besten Auto der Welt zu machen. Elon sagte nicht "das beste Elektroauto", er sagte "das beste Auto, keine Kompromisse". Ich denke, wir haben es geliefert.

mm: Sie setzen bei Tesla auf rein batterie-elektrisch angetriebene Autos. Toyota bringt 2015 das erste Serienmodell mit Brennstoffzellenantrieb auf den Markt. Viele deutsche Konkurrenten vertrauen vor allem auf Mischformen, Verbrennungsmotoren gekoppelt mit steckdosentauglichen Elektroaggregaten. Solche Modelle kommen zum Teil auf mehr als doppelt so große Reichweiten wie der Tesla S. Ist das nicht ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für Plugin oder auch Range Extender?

Guillen: Wir glauben an unsere Strategie, und die Verkaufszahlen geben uns Recht. 2014 werden wir unseren Absatz nahezu verdoppeln. Nur die begrenzte Kapazität unseres Werks verhindert, dass wir noch mehr Autos verkaufen.

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