Sonntag, 22. Juli 2018

Diskussion um mögliche Fehlfunktion nach Tesla-Unfall Tödlich verunglückter Apple-Ingenieur soll sich zuvor über Tesla-Autopiloten beschwert haben

Tod trotz eingeschaltetem Autopilot: Auf seinem Arbeitsweg verunglückte ein Apple-Ingenieur vor gut einer Woche mit seinem Model X auf gerader Strecke in Kalifornien

Wie sicher sind die Assistenzsysteme von Tesla wirklich? Mögliche Fehlfunktionen beim "Autopiloten" rücken nach dem tödlichen Unfall mit einem Tesla Model X in den Fokus. Der Bruder des getöteten Fahrers und Apple-Ingenieurs berichtet von angeblichen Problemen mit dem Autopiloten, der eingeschaltet war. Tesla hingegen macht indirekt den Fahrer für den Unfall verantwortlich.

Der Elektroautobauer Tesla hat in einem Blogbeitrag bestätigt, dass bei dem tödlichen Unfall in Kalifornien der "Autopilot" eingeschaltet und der adaptive Tempomat auf minimalen Abstand eingestellt gewesen war. Nach einer Auswertung der Aufzeichnungen habe der Fahrer seine Hände trotz mehrerer visueller und einer akustischen Warnung während der sechs Sekunden vor dem Aufprall nicht am Lenkrad gehabt, schreibt Tesla.

Ohne es expressis verbis zu formulieren, suggeriert das Unternehmen, der Fahrer hätte den Unfall bei sachgemäßem Verhalten verhindern können: "Der Fahrer hatte ungefähr fünf Sekunden und 150 Meter freie Sicht auf die Betontrennwand mit dem gebrochenen Aufpralldämpfer, aber die Fahrzeugprotokolle zeigen, dass keine Maßnahmen ergriffen wurden."

Warum in diesen letzten Sekunden vor dem Unfall das Assistenzsystem offenbar trotzdem nicht eingriff und den Wagen nicht automatisch abbremste, lässt Tesla in der Mitteilung offen.

Bruder des Fahrers berichtet von angeblichen Problemen mit Autopiloten

Der TV-Sender ABC berichtet, der Fahrer habe sich nach Angaben seines Bruders mehrfach darüber beschwert, dass das Autopilotsystem ihn an dieser Stelle auf seinem Weg zur Arbeit schon öfter in Richtung des Betonpollers gelenkt habe. Er sei mit der Beschwerde auch bei einem Tesla-Händler gewesen, "aber sie konnten es dort nicht nachvollziehen", zitiert ABC den Bruder.

Tesla betonte seinerseits, dass die Betonbarriere nach einem vorherigen Unfall nicht ausgetauscht worden sei und deshalb das Auto besonders stark beschädigt wurde. "Wir haben noch bei keinem anderen Unfall so einen großen Schaden an einem Model X gesehen."

Der Unfall ereignete sich am 23. März um 9.27 Uhr Ortszeit. Nach Polizeiangaben fuhr das Model X in eine Fahrbahnbegrenzung aus Beton. Anschließend wurde es von einem Mazda erfasst und stieß dann mit einem Audi zusammen. Der 38-jährige Fahrer und Apple-Ingenieur, der auf dem Weg zu seiner Arbeit war, kam bei dem Unfall ums Leben. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.


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Bundesbehörden der USA untersuchen den Fall, der die Aktie von Tesla zwischenzeitlich stark gedrückt hatte. Die Sicherheit der Fahrassistenzsysteme ist entscheidend für den Ruf des Unternehmens. Tesla selbst versucht in dem Blogeintrag durch viele Zahlen zu untermauern, dass die eingebauten Assistenzsysteme das Autofahren sicherer machten.

Kalifornien: Uber verlängert Erlaubnis für Test-Roboterautos nicht

Zuletzt hatte ein Unfall eines autonom gelenkten Uber-Wagens in Arizona die Protagonisten (teil)autonom fahrender Autos geschockt. Bei dem Unfall war eine Fußgängerin überfahren worden. Das Taxi-Unternehmen und der Chiphersteller Nvidia setzten daraufhin die Tests mit Roboterautos auf unbestimmte Zeit aus.

Uber habe seine Erlaubnis, in Kalifornien Roboterautos zu testen, nicht verlängert, berichtete der "San Francisco Chronicle". Die Erlaubnis lief am 31. März aus.

mit Material von Nachrichtenagenturen

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