Dienstag, 19. März 2019

Anteilsverkauf Wie sich Daimler gegen Tesla in Stellung bringt

Tesla-Chef Elon Musk hat Daimler nun nicht mehr als Großaktionär an Bord - dennoch will Daimler weiter mit den Kaliforniern zusammenarbeiten.

Daimler hat seine Anteile am US-Elektroautohersteller Tesla verkauft. Die Kooperation zwischen beiden Herstellern bleibe bestehen, beteuert Daimler. Aus den Partnern dürften jedoch bald Rivalen werden - schließlich soll künftig ein Elektro-Mercedes Teslas Model S Marktanteile abjagen.

Hamburg - Die Verlautbarung trug eine unverfängliche Überschrift: "Daimler strukturiert die Zusammenarbeit mit Tesla neu", schrieb der Autohersteller in einer Pressemitteilung. Tatsächlich ist es keine Restrukturierung, sondern ein Ausstieg.

Denn der Autohersteller trennt sich komplett von seinen Anteilen am US-amerikanischen Elektroauto-Pionier Tesla. Rund 4 Prozent an Tesla hatte Daimler zuletzt besessen, der Verkauf bringt den Stuttgartern rund 613 Millionen Euro ein.

Betriebsratschef Michael Brecht ist darüber erfreut: "Es hilft uns, dass wir genügend Kapital für das weitere organische Wachstum haben", sagte er heute. "Es tut uns gut für unsere Eigenkapitalstruktur." Brecht hatte die Entscheidung als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender mitgetragen.

Abgegeben hat Daimler die Anteile an private Investoren, wie ein Daimler-Pressesprecher gegenüber manager magazin online erklärte. Doch gleichzeitig betonte er auch, dass die Kooperation bei Fahrzeugprojekten weiter bestehen bleibe. Für Lieferbeziehungen und Kooperation brauche man keine Kapitalunterlegung. Diese sei auch bei anderen Lieferanten nicht üblich, erklärte der Sprecher.

Zusammenarbeit bei der elektrischen Mercedes B-Klasse

Dabei arbeitet Daimler aktuell nur bei einem einzigen Projekt mit den Kaliforniern zusammen: Tesla liefert den Antriebsstrang für Mercedes B-Klasse-Version mit Elektroantrieb. Die wird seit kurzem in den USA verkauft und soll bald auch in Europa erhältlich sein. Die vertraglichen Vereinbarungen mit Tesla Börsen-Chart zeigen werden laut Daimler weiter erfüllt, über weitere Kooperationen halten sich die Stuttgarter jedoch bedeckt.

"Wir sprechen mit Tesla wie mit anderen Zulieferern auch über Möglichkeiten der Zusammenarbeit", erklärte der Sprecher. Doch aktuell seien keine weiteren Vereinbarungen bekannt. "Wir schließen aber nicht aus, dass in weiteren Gesprächen neue Verträge vereinbart werden".

"Unterschied zwischen Zusammenarbeit und Partnerschaft"

Analysten lesen den Anteilsverkauf aber als ein Zeichen, dass die einstigen Partner sich zunehmend als Rivalen betrachten. Denn der Markt für Elektroautos wächst, der Wettbewerb wird schärfer. "Es gibt einen Unterschied zwischen Zusammenarbeit und Partnerschaft. Wir meinen, dass sich die Verbindungen zwischen beiden Unternehmen gelockert haben", schreiben die Analysten von ISI Research in einem Bericht.

Daimler hatte 2009 für rund 50 Millionen Dollar einen 9,1 Prozent-Anteil an Tesla erworben. Tesla-Chef Elon Musk bezeichnete den Einstieg der Schwaben einst in einem Interview als Rettung für sein Unternehmen. Als die Schwaben bei Tesla einstiegen, war der Elektroautobauer noch ein Nischenhersteller. Der Anteilskauf sicherte Daimler einen Platz im Tesla-Aufsichtsrat - und Zugang zur Technologie der Kalifornier.

Wenige Monate nach dem Einstieg verhökerten die Schwaben aber 40 Prozent ihrer Anteils an den Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi. Das war noch vor dem Börsengang der Firma des schillernden Tech-Milliardärs Elon Musk Mitte 2010. Bei einer Kapitalerhöhung in diesem Jahr machten die Schwaben nicht mit.

Vor wenigen Monaten äußerte sich Daimler-Chef Dieter Zetsche zudem kritisch über die geplante riesige Batteriefabrik, die Tesla in der Wüste von Nevada hochziehen will. Wie manager magazin berichtet, arbeiten die Schwaben bereits an einem Luxus-Elektroauto, dass es mit Teslas Fahrzeugen aufnehmen soll. Vor 2021 wird der Elektro-Mercedes allerdings nicht auf den Markt kommen.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung