Sonntag, 20. Januar 2019

US-Steuervorteil halbiert sich mit Jahresbeginn 2019 Tesla blieb 2018 auf 3000 Model 3 sitzen

Tausende Tesla Model 3 standen bei dem Elektroautobauer zum Jahresende auf Halde

Elon Musk hatte kräftig die Werbetrommel geschlagen. Wer bis zum 20. Dezember ein Elektroauto bestelle, bekomme die volle Steuererleichterung von rund 7500 Dollar notfalls von Tesla ersetzt, sollte der Autobauer das Gefährt nicht mehr 2018 ausliefern. Tatsächlich blieb Tesla zum Jahresende auf 3000 Model 3 sitzen. Das ist kein Beinbruch, aber eine spannende Frage bleibt offen.

Der Elektroauto-Hersteller Tesla saß zum Jahresende noch auf Tausenden Fahrzeugen seines Hoffnungsträgers Model 3. Mehr als 3000 Autos hatten am vergangenen Sonntag noch im Lager gestanden, berichtete die Auto-Nachrichtenseite Electrek am Montag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Zwar könne Tesla am letzten Tag des Jahres noch einige Autos ausliefern, aber nicht alle.

Am Markt kam der Bericht nicht gut an. Die Aktie von Tesla Börsen-Chart zeigen fiel im Silvesterhandel fast 2 Prozent. Eine Stellungnahme von Tesla war zunächst nicht zu erhalten.

Konzernchef Elon Musk hatte potenzielle Autokäufer noch am Samstag dazu aufgerufen, sich die Steuervorteile von 7500 Dollar nicht entgehen zu lassen. Diese werden Anfang dieses Jahres halbiert.


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Zuvor hatte der Autobauer versichert, alles in Bewegung zu setzen, Autos, die bis zum 20. Dezember bestellt würden, noch in diesem Jahr auszuliefern. Sollten Lieferschwierigkeiten dies verhindern, springe Tesla für die entgangenen Steuererleichterungen ein, versprach Musk.

Zur Einordnung: Tatsächlich entsprechen 3000 Model 3 auf Halde nicht einmal dem wöchentlichen Ausstoß dieses Models, wie der "Tesla Model 3 Tracker" der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg zeigt. Im dritten Quartal vergangenen Jahres lieferte Tesla 55.840 Model-3-Fahrzeuge aus, wie der Konzern mit dem letzten Geschäftsberichtet verkündete. Das Problem war lange Zeit, dass Tesla die versprochenen Produktionsziele für seinen Hoffnungsträgers nicht erfüllte und die Nachfrage nicht befriedigen konnte.

Doch bleibt gleichwohl die Frage offen, wie sich Teslas Absatz in den USA bei halbierter Förderung oder bei gänzlichem Wegfall der Subventionen entwickeln wird. Schließlich hatte US-Präsident Donald Trump Anfang Dezember angekündigt, er werde die staatliche Förderung für Elektroautos in den USA "in naher Zukunft" ganz streichen. Wann genau dies passieren soll, ließ Trump offen. Die Erfahrungen in anderen Ländern wie Dänemark und Hongkong zeigten in der Vergangenheit, dass mit rückläufiger oder ohne Subvention der Absatz von Elektroautos deutlich abfällt.

Vor allem Tesla profitierte in der Vergangenheit stark von den Subventionen, denn kein Hersteller verkauft mehr Elektroautos in den USA als die Kalifornier. Auch wirbt Tesla intensiv mit der Unterstützung - so zieht Tesla die staatliche Förderung bei den auf seiner US-Website angeführten Preisen für das Model 3 automatisch vom Basispreis ab.

Der Förderung ist in den USA je Hersteller bei 200.000 verkauften Elektroautos gedeckelt, danach halbiert sich der Betrag von Halbjahr zu Halbjahr. Tesla hat diese Marke bereits überschritten. Kein Wunder also, dass Lobbyisten von Tesla und GM laut Medienberichten monatelang versuchten hatten, diesen Deckel ganz abzuschaffen.

Wie stark der Absatz von Elektroautos in den USA tatsächlich von der nicht unerheblichen staatlichen Förderung abhängt, wird sich wohl im Verlauf dieses Jahres erweisen. Dann wird sich zeigen, ob Tesla seine Model-3-Verkäufe in den USA auch mit weniger oder gar ohne Subvention aufrechterhalten kann.

Klar ist: Tesla muss sich auf das komplette Auslaufen der Steuergutschriften einstellen. Nach Lage der Dinge werden die Kalifornier im Verlauf dieses Jahres ihren Käufern ohnehin keine staatlichen Förderungen mehr anbieten können.

rei mit Reuters

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