Dienstag, 18. September 2018

Produktionszahlen gefälscht, Schrott verbaut? Ex-Mitarbeiter zeigt Tesla bei US-Börsenaufsicht an

Tesla-Fabrik in Fremont

Elon Musk bezeichnete ihn als "Saboteur", feuerte und verklagte dann den Techniker. Der selbsternannte Whistleblower schlägt zurück und zeigt Tesla nun bei der US-Börsenaufsicht SEC an. Die Vorwürfe wiegen schwer: Tesla soll als Schrott eingestufte Teile sowie defekte Batterien verbaut haben. Auch habe Tesla wöchentliche Produktionszahlen des Model 3 zeitweise geschönt.

Datenklau, Geheimnisverrat, mutwillige Geschäftsschädigung - Tesla-Chef Elon Musk wirft seinem zunächst gefeuerten und dann verklagten Verfahrenstechniker Martin Tripp so ziemlich alles vor, was einem Menschen den Berufsweg für immer verbauen kann. Doch war Teslas Klage gegen Tripp womöglich Teil einer Medienkampagne, die ihn diffamieren und zum Schweigen bringen sollte?

Das jedenfalls behauptet sein New Yorker Anwalt Stuart Meissner, ehemals stellvertretender Bezirksstaatsanwalt in Manhattan und New York. Sein Klient geht in die Offensive und hat Tesla jetzt bei der US-Börsenaufsicht SEC angezeigt, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Demzufolge soll Tesla die wöchentlichen Produktionszahlen für den Hoffnungsträger Modell 3 zeitweise um bis zu 44 Prozent höher ausgewiesen haben als sie tatsächlich waren. Auch soll der Elektroautopionier fehlerhafte und schlecht verarbeitete Batterien in zahlreiche Fahrzeuge eingebaut haben, die die Brandgefahr erhöhten. Weder Tesla noch die SEC wollten sich laut Bloomberg dazu äußern.

Tripp behauptet dem Bericht zufolge auch, dass Tesla systematisch Teile wiederverwendet habe, die in Fahrzeugen als Schrott oder Abfall eingestuft worden seien. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB untersucht seit geraumer Zeit die Entflammbarkeit von Lithium-Ionen-Akkupacks für Elektroautos - Ausgangspunkt der Untersuchungen sind mehrere Brände mit verunglückten Tesla-Fahrzeugen.

SEC entlohnt Whistleblower teils mit zweistelligen Millionenzahlungen

Tripp, der mehrere Monate in der "Gigafactory" im US-Bundesstaat Nevada gearbeitet und Zugang zu sensiblen Daten hatte, sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Elon Musk habe ihn gefeuert, weil er Investoren und die Öffentlichkeit habe warnen wollen. Tesla hingegen sieht den Mann als "Saboteur", der aus Frust über eine versagte Beförderung gehandelt habe.

Tripp dagegen bezeichnete sich unlängst gegenüber CNN als Whistleblower. Die SEC belohnt diese Hinweisgeber teils mit zweistelligen Millionenzahlungen, wenn sie der Börsenaufsicht freiwillig eindeutige Informationen zur Verfügung stellen, die dann zu einer Bestrafung des angezeigten Unternehmens führen. Die SEC hat seit der Einführung ihres Whistleblower-Programms im Jahr 2011 mehr als 266 Millionen US-Dollar an diese Tippgeber ausgezahlt.

In einem spektakulären Fall hat die Kanzlei Meissner Associates schon einmal einen Whistleblower vertreten: So zahlte die SEC einem ehemaligen Angestellten des Saatgutriesen Monsanto 22 Millionen Dollar für Hinweise auf eine falsche Buchführung des Konzerns.

Tatsächlich hatte Tesla in der Vergangenheit bei der Batterieproduktion immer wieder mit Problemen zu kämpfen. Arbeiter mussten sie teils per Hand herstellen. Ingenieure berichteten laut CNBC, Tesla sei von einer qualitativ hochwertigen Massenproduktion noch weit entfernt. Sie sprachen zugleich von unerfahrenen Kollegen in der Qualitätskontrolle. Mit angeblich gravierenden Folgen: So sollen defekte Batterien das Werk verlassen haben. Tesla hatte diese Aussagen energisch dementiert.

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