Freitag, 24. Juni 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Fehlerhafte Produktion BMW-Zulieferer Takata kämpft um seinen Ruf - weil Airbags zu Splitterbomben werden können

Airbag-Produktion in rumänischem Takata-Werk: Für BMW produziert Takata nun vor allem im sächsischen Freiberg

Der japanische Autozulieferer Takata steht vor einem gewaltigen Problem: Das Unternehmen hat defekte Airbags produziert, die zahlreiche Menschen töteten, statt sie zu schützen. Nun muss sich Takata vor dem US-Senat verantworten - und verlagert einen Teil der Produktion nach Deutschland.

Hamburg - Es ist ein hehre Vision, die der japanische Autozulieferer Takata auf seiner Website beschreibt. Im Unternehmen träume man von einer Welt ohne tödliche Verkehrsunfälle, heißt es da - und tatsächlich dreht sich für das Unternehmen fast alles um die Vermeidung von Crash-Folgen. Sicherheitsgurte und Airbags stellen die Japaner her, bei letzteren hat das Unternehmen einen Weltmarktanteil von etwas über 20 Prozent. Zahlreiche Autohersteller aus Japan und den USA, aber auch BMW zählen zu Takatas Kunden.

Doch momentan geht es bei Takata vor allem darum, die Folgen einer eigenen Totalschadens abzufedern. Takata hat offenbar jahrelang Airbags hergestellt, die unter bestimmten Bedingungen einen katastrophalen Fehler aufweisen konnten. Beim Auslösen explodierten die Zünder, ihre Metallsplitter schossen unkontrolliert durch den Innenraum. Die schützenden Prallkissen wurde so zur Splitterbombe. Mindestens fünf Menschen kamen dadurch in den vergangenen Jahren ums Leben, rund 30 wurden verletzt. Elf Autokonzerne beorderten deshalb in den vergangenen Jahren 17 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten.

Mit 36.000 Mitarbeitern weltweit sind die Japaner zwar kein Zulieferer-Riese - aber auch kein kleiner Fisch. Dennoch verhält sich Takata in der wohl größten Krise der Unternehmensgeschichte nicht gerade vorbildlich. Statt Kunden und Betroffenen das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln, bleibt die Takata-Führung lieber auf Tauchstation.

Mehrere Hersteller wollen Takata den Rücken kehren

In den USA werden wegen der defekten Airbags bereits Sammelklagen vorbereitet, eine Kommission des US-Senats hat Unternehmensvertreter deshalb vorgeladen. Laut einem Bericht der New York Times erkannten Takata-Ingenieure offenbar bereits im Jahr 2004 das Zünderkapsel-Problem. Doch das Management ließ Testprotokolle vernichten und unterließ es, die US-Verkehrsbehörden oder die Kunden davon zu informieren.

In der Senatsanhörung erklärte ein Vertreter von Honda, dass Takata vor zehn Jahren versichert hatte, die offensichtliche Explosion eines Airbags sei kein größeres Problem. Die an Honda gelieferten Airbags seien anders konstruiert, argumentierte das Unternehmen damals.

Solche Anschuldigungen machen aus dem Produktionsfehler schön langsam einen Skandal. Denn nun steht der Verdacht im Raum, dass die Japaner über ein Jahrzehnt lang Mängel verheimlicht und vertuscht haben. Zwar hat sich Takatas weltweiter Qualitätschef vor dem US-Senat entschuldigt - die volle Verantwortung für die Todesfälle will das Unternehmen aber wohl auch aus juristischen Gründen nicht übernehmen.

Takata gerät deshalb mmer stärker unter Druck - und das nicht mehr nur in den USA. Takata-Großkunde Honda, mit dessen Wagen fünf Menschen wegen der defekten Airbags in den USA und Malaysia tödlich verunglückten, prüft ebenso einen Umstieg auf einen anderen Zulieferer wie Toyota und Ford. Aber auch in Modellen von BMW, Nissan, Mazda, Mitsubishi, Subaru und Chrysler stecken die explosiven Zünder.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH