Donnerstag, 26. April 2018

Zeitenwende auf deutschem Automarkt SUV und Geländewagen erstmals beliebter als Golf-Klasse

Zulassungs-Ranking: Das sind die beliebtesten SUV und Geländewagen in Deutschland
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Daimler

Die Lust der Deutschen auf SUV und Geländewagen hat einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Erstmals sind in einem Jahr mehr Fahrzeuge dieser Segmente auf die Straßen gekommen als Wagen der Kompaktklasse, zu der der VW Golf zählt. Das geht aus Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes hervor.

Demnach ließen die Behörden 2017 genau 820.552 SUV und Geländewagen zu. Das entsprach einem Marktanteil von 23,8 Prozent. Auf die Kompaktklasse entfielen 802.999 Autos oder 23,3 Prozent aller neuen Autos. Zuvor lagen die schweren Wagen in Summe noch nie vorn, wie Industriekreise gegenüber manager-magazin.de bestätigten.

Für die Automobilindustrie ist die Entwicklung einerseits von Vorteil: Kräftige Autos mit höher liegendem Einstieg wie Porsche Cayenne, Volvo XC 60 oder BMW X3 lassen sich in der Regel mit großer Gewinnspanne verkaufen. Der Abgasskandal hat dieses Segment offenbar nicht negativ beeinflusst - obwohl der Dieselantrieb darin traditionell wichtig ist.

"Die deutschen Autofahrer haben sich in SUV 'verliebt'", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Die Zahl der angebotenen Modelle sei auf 101 gestiegen. "Die Gewinne der deutschen Autobauer sprudeln durch SUV."

Anteil von SUV und Kompaktklasse-Wagen in Deutschland (zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)
manager magazin online; Foto: Daimler
Anteil von SUV und Kompaktklasse-Wagen in Deutschland (zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)

Auf der anderen Seite belastet der SUV-Boom den Druck die Hersteller: Da diese Fahrzeuge viel klimaschädliches Kohlendioxid ausstoßen, verschlechtern hohe Verkaufszahlen die CO2-Flottenbilanz.

Bis zum Jahr 2021 müssen Autobauer in Europa den Grenzwert von durchschnittlich 95 Gramm CO2 pro Kilometer einhalten. Viele SUV und Geländewagen kommen aber noch auf mehr als 150 Gramm.

Der SUV-Boom ist auch ein Grund, weshalb Deutschland seine Klimaziele für 2020 höchstwahrscheinlich nicht einhalten wird. Der positive Effekt sparsamerer Motoren wird durch den Trend zu größeren Fahrzeugen überkompensiert. Auch deshalb stieg der Verbrauch von Diesel und Benzin in Deutschland zuletzt an.

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