Montag, 11. Dezember 2017

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Susanne Klatten über ihr Leben als Top-Managerin Deutschlands reichste Unternehmerin: "Es gibt dringliche Probleme"

Unternehmerin Susanne Klatten, hier Mitte Juli 2015 bei der Grundsteinlegung für den künftigen 110 Meter hohen "WINX"-Wolkenkratzer in Frankfurt am Main.

Susanne Klatten, Deutschlands einflussreichste Unternehmerin, hat in einem ihrer extrem raren Interviews Machtanspruch und Führungsstil definiert. Klattens Vermögen wird derzeit auf rund 17 Milliarden Euro geschätzt, ihre wertvollste Beteiligung ist der Anteil von 21 Prozent an BMW.

Zu ihrem Selbstverständnis als Unternehmerin hat sie sich bislang meist nur in Allgemeinplätzen geäußert. In einer Reflexion zu ihrem Probleminvestment, dem Kohlenstoff-Spezialisten SGL Carbon Group Börsen-Chart zeigen, wird sie nun erstmals sehr konkret und deutlich: "Es gibt viel zu tun, es gibt dringliche Probleme, aber an denen wird nun auch gearbeitet", sagte Klatten dem am Donnerstag erscheinenden "stern". Das Unternehmen, an dem Klatten 27,46 Prozent hält, hatte 2014 einen Verlust von 247 Millionen Euro eingefahren.

Auf die Frage, ob sie ihr millionenschweres Investment inzwischen bereue, sagte sie: "Noch nicht." Den Aufsichtsratsvorsitz bei SGL Carbon habe sie übernommen, um Macht auszuüben: "Ich wollte gern sicherstellen, dass in dem Unternehmen ein neues Denken und eine neue Führungskultur Einzug halten."

Dabei verlangt sie von dem Vorstand, dass er dem Aufsichtsrat als Kontrolleur und Aufpasser folgt: "Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich nicht in das operative Geschäft funken will. Aber ich will auch, dass die Rolle des Aufsichtsrats respektiert wird", sagte sie.

Bei ihren drei Kindern ist die 53-Jährige, deren Mutter Johanna Quandt vor wenigen Wochen verstarb, dagegen nachsichtiger. Auf die Frage, wie sie ihre zwei Söhne und ihre Tochter auf ein Leben als Erben und möglicherweise Unternehmer vorbereitet, sagte sie: "Ich habe begonnen, sie ganz sachte an die Hand zu nehmen. Dabei mache ich Angebote und richte mich danach, ob sie selbst Fragen stellen und welche Fragen sie haben. Es sind ja junge Erwachsene. Wenn sie von sich aus Interesse zeigen, dann weiß ich, dass meine Antworten bei ihnen auch ankommen. Das scheint mir besser, als wenn ich sage: Komm, jetzt setzen wir uns mal hin, und ich erkläre euch etwas. Wenn die Tür aufgeht, bin ich da."

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