Donnerstag, 8. Dezember 2016

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Autoindustrie Jaguar Land Rover ist Zulieferers Liebling

Neuer Jaguar F-Type: Der Autohersteller bindet Zulieferer besonders früh und gut in Projekte ein, zeigt eine Studie.

Deutschlands Zulieferer entwickeln für Autohersteller Innovationen wie etwa Neunganggetriebe. Doch die deutschen Nobelmarken erhöhen den Kostendruck. Das birgt Risiken, zeigt eine Studie. Denn nun werden die Briten zum Darling der Lieferanten.

Hamburg - Die Zeiten, in denen Daimler bahnbrechende Innovationen wie den Airbag quasi im Alleingang zur Serienreife brachte, sind wohl ein für alle Mal vorüber. Zulieferer wie Bosch, ZF Friedrichshafen oder Magna Börsen-Chart zeigen versorgen Autohersteller nicht nur mit schnöden Sensoren oder Einzelteilen - sondern entwickeln selbst Neuerungen wie Radar-Abstandwarner, besonders weich schaltende Automatikgetriebe oder selbstschließende Cabriodächer.

Diese Art der Auslagerung gibt es bereits seit Jahrzehnten,und sie hat ihren hohen Anteil am hervorragenden Ruf von Deutschlands Autoindustrie. Doch die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Zulieferern und Premiumautoherstellern könnte langfristig in Gefahr geraten, warnt eine Studie, die manager magazin online exklusiv vorliegt.

Denn auch Nobelmarken wie BMW Börsen-Chart zeigen, Mercedes Börsen-Chart zeigen oder Audi Börsen-Chart zeigen kaufen mehr Teile zu - und bauen die selben Teile in mehreren Modellen ein. Bis zu 80 Prozent der Wertschöpfung eines Fahrzeugs stammen heute von Zulieferern. Das bringt den Lieferanten der Bauteile zwar höhere Umsätze. Doch gleichzeitig wollen die Autohersteller die Kosten niedrig halten - und verstärken den Druck auf ihre Zulieferer.

Kurzfristige Margenvorteile könnten aber auf lange Sicht der falsche Weg sein. Denn das gemeinsame Vorantreiben von Neuerungen bei entsprechender Vergütung wird so schwieriger, heißt es in der Studie "GEAR - General Enhancements in Automotive Supplier Relationships" der Unternehmensberatung Goetzpartners.

Zulieferer vertrauen Mercedes am meisten...

Die Studie untersucht das aktuelle Verhältnis zwischen Zulieferern und Autoherstellern. Zwar sind die Lieferanten der Autohersteller großteils zufrieden mit der derzeitigen Zusammenarbeit. Doch sie beklagen auch, dass ihre Vorschläge von einigen namhaften Unternehmen zu wenig berücksichtigt und entsprechend honoriert werden. Und das birgt Gefahren gerade für Deutschlands Nobelmarken-Trio BMW, Mercedes und Audi.

"Es ist ein durchaus realistisches Szenario, dass Zulieferer mit ihren Neuerungen künftig häufiger zu den Massenherstellern gehen", heißt es in der Studie. Für deutsche Luxusautobauer könnte das brandgefährlich werden. Denn gerade Nobelmarken sind auf echte Neuerungen angewiesen, um die höheren Preise für ihre Fahrzeuge zu rechtfertigen.

Für die Studie hat Goetzepartners insgesamt 117 Teilnehmer aus der Autozuliefererindustrie in ausführlichen Interviews befragt, knapp ein Drittel davon waren Manager der obersten Führungsebene.

Auf den ersten Blick schneiden vor allem die deutschen Nobelmarken dabei gut ab. So gaben 79 Prozent der Befragten an, dass ihre Geschäftsbeziehung mit Mercedes-Benz auf gegenseitigem Vertrauen basiere. Für BMW lag der Wert bei 74 Prozent. Bei der Frage nach der insgesamten Zufriedenheit lagen BMW und Mercedes-Benz gleichauf bei einem Wert von 3 - wobei die Note 1 für "sehr zufrieden" und 10 für überhaupt nicht zufrieden" stand. Dahinter Stelle lag bei dieser Frage überraschend Ford of Europe mit einem Wert von 3,3. Audi, Jaguar Land Rover, und Opel folgten mit einem Wert von 3,5.

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