Donnerstag, 8. Dezember 2016

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Studie Jede zweite Autofabrik in Europa verbrennt Geld

Audi-Werk in Ingolstadt: In Deutschland sind die Autofabriken gut ausgelastet - in Italien, Frankreich und Spanien sieht es anders aus

In Europa steigen die Pkw-Neuzulassungen zwar wieder an. Doch zahlreiche Autohersteller sind nicht über den Berg, zeigt eine Studie. Noch immer ist die Auslastung in Europas Autowerken zu gering - und die Ukraine-Krise sorgt für ein weiteres dürres Jahr bei den Autoverkäufen in Europa.

Hamburg - Einige Monate lang konnten Europas Autohersteller ein wenig durchatmen in ihren Stammmärkten. Die Neuzulassungen im EU-Raum stiegen ein dreiviertel Jahr lang an und es wirkte schon so, als sei das Gröbste vorüber.

Allerdings schwächte sich im Mai das Wachstum schon wieder ab. Zwar wurden laut dem Branchenverband Acea EU-weit 1,09 Millionen Pkw neu zugelassen, um 4,5 Prozent mehr als in Vorjahr. Dennoch war es der zweitschwächste Mai seit mehr als 20 Jahren, und der Anstieg war geringer als in den Monaten davor.

Die Absatzkrise will aus Gesamteuropa noch immer nicht weichen. Wie schwierig die Lage für viele Autohersteller in Europa nach wie vor ist, zeigt eine Studie des Beratungsunternehmens AlixPartners, die manager magazin online vorliegt. Im Boomjahr 2007 wurden in West- und Osteuropa zusammengenommen 22,3 Millionen Pkw verkauft. Im vergangenen Jahr waren es nur 18 Millionen - das ist ein Rückgang von fast einem Fünftel.

Schwäche in Osteuropa überlagert Wachstum in Westeuropa

Und auch in diesem Jahr wird sich an dieser Zahl nichts ändern. Denn laut der Studie steigt der Neuwagenabsatz in Westeuropa zwar in diesem Jahr leicht auf 13,3 Millionen von zuletzt 12,9 Millionen Fahrzeugen an. In Zentral- und Osteuropa gehen die Pkw-Verkäufe jedoch 2014 um 0,4 auf 4,7 Millionen zurück.

"Westeuropa stabilisiert sich, einige Märkte werden 2014 sogar deutlich wachsen", sagt Studienautor Jens Wiese, Mitglied der Geschäftsleitung bei AlixPartners. Doch in Osteuropa gebe es einen gegenläufigen Effekt. "In Russland wird der Autoabsatz durch die Ukrainekrise vermutlich um bis zu 10 Prozent zurückgehen", meint Wiese.

Dadurch werden der Gesamtregion Europa auch in diesem Jahr nur rund 18 Millionen Fahrzeuge abgesetzt - und auch in den kommenden Jahren bewegen sich die Verkaufszahlen nur langsam nach oben. Das Niveau des Boomjahres 2007 wird wohl erst 2020 wieder erreicht.

Zwar sei die Bodenbildung in Europa damit schön langsam erreicht, doch kräftig zulegen können Europas Autohersteller nur außerhalb ihres Heimatkontinents. Wenig überraschend bleibt China in den kommenden Jahren der Wachstumsmotor für die Autobranche, heißt es in der Studie.

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