Freitag, 21. Juli 2017

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Studie: Autonome Autos senken Verkaufszahlen Werden Roboterautos zum Absatzkiller für die Autobranche?

Autos, die selbst fahren: Wie weit die Hersteller beim autonomen Fahren sind
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Daimler

Daimler Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen, Volkswagen Börsen-Chart zeigen, aber auch Renault-Nissan Börsen-Chart zeigen oder General Motors Börsen-Chart zeigen arbeiten mit Hochdruck an Autos, die über weite Strecken ohne Zutun eines menschlichen Fahrers auskommen sollen. Doch die autonom fahrenden Fahrzeuge dürften die Hersteller langfristig vor einige Absatzprobleme stellen, meint ein angesehener Branchenanalyst.

In einer Studie mit dem schönen Titel "Disruptive Mobility" prognostiziert Brian Johnson ein deutliches Schrumpfen der traditionellen Autoindustrie durch die Ausbreitung selbstfahrender Wagen. Innerhalb der kommenden 25 Jahre könnte der Autoabsatz in den USA um 40 Prozent auf 9,5 Millionen Fahrzeuge im Jahr fallen, prognostizierte Branchenexperte Johnson von der Barclays-Bank in einer am Dienstag veröffentlichten Studie.

Auslöser dafür sei, dass mit selbstfahrenden Autos insgesamt viel weniger Fahrzeuge gebraucht würden, argumentierte Johnson. So könnten viele Familien dadurch auf einen Zweitwagen verzichten. Einen noch stärkeren Effekt dürften aber Roboter-Taxis haben: Ein solches gemeinsam genutztes Fahrzeug könne neun herkömmliche Autos ersetzen, schätzte er. Die Massen-Produzenten müssten dann "dramatisch schrumpfen, um zu überleben", zitierte der Finanzdienst Bloomberg aus der Studie. So werde etwa General Motors die US-Produktion um gut zwei Drittel kappen müssen, erwartet der Analyst.

US-Autoabsatz bricht auf 9,5 Millionen Autos pro Jahr ein

Die Studie wartet noch mit einigen weiteren aufsehenerregenden Vorhersagen auf. So prognostiziert Johnson, dass die Zahl der Fahrzeuge auf amerikanischen Straßen auf 100 Millionen Pkw sinken dürfte. Aktuell sind 250 Millionen Fahrzeuge in den USA unterwegs.

In einigen Jahrzehnten werden in den USA wohl nur mehr 9,5 Millionen Autos pro Jahr verkauft, schlussfolgert Johnson - aktuell sind es noch mehr als 16 Millionen. Selbst in der großen US-Absatzkrise des Jahres 2009 wurden noch 10,4 Millionen Autos verkauft.

Johnson ist nicht allein mit seinen Prognosen. Forscher der Universität Michigan kamen in einer Studie, die im Februar publiziert wurde, zu ähnlichen Schlussfolgerungen - manager magazin berichtete online darüber. Selbstfahrende Autos könnten den Fahrzeugbestand um 43 Prozent reduzieren, meinen die Forscher Brandon Schoettle und Michael Sivak. Denn Roboterautos lassen sich deutlich effizienter und häufiger nutzen als herkömmliche Autos, die täglich viele Stunden ungenutzt auf Parkplätzen stehen.

Völlig neue Auto-Nutzungsszenarien möglich

Mit selbstfahrenden Autos lassen sich ganz neue Arten der Fahrzeugnutzung umsetzen, wie unsere Bildergalerie zeigt: So könnte ein solches Auto etwa in der Früh ein Haushaltsmitglied zur Arbeit bringen, danach zum Haus zurückkehren und mit einer anderen Person Einkaufsfahrten oder Arztbesuche machen - und am Abend wieder für die Rückfahrt von der Arbeit zur Verfügung stehen.

Noch sind solche Szenarien Zukunftsmusik. Autos, die sich auch im Stadtverkehr völlig ohne Überwachung eines menschlichen Fahrers bewegen können, dürfte es wohl erst in ein bis zwei Jahrzehnten zu kaufen geben.

Doch dass sich hierfür ein Markt entwickelt, glauben nicht nur die traditionellen Autohersteller, sondern auch IT-Unternehmen: Google, Uber und auch Apple arbeiten an selbstfahrenden Autos oder neuen Mitfahrkonzepten - wohl auch, weil dies einen Milliardenmarkt verspricht. Die Analysefirma Boston Consulting Group hatte in einem Bericht im April bereits vorhergesagt, dass selbstfahrende Autos zum Jahr 2035 ein Viertel der globalen Autoverkäufe ausmachen könnten.

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mit Material von dpa-afx

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