Mittwoch, 24. Januar 2018

Verbrauchsangaben und Realität Studie: Autohersteller tricksen bei Spritverbrauchstests immer dreister

Trickserei gegen Verbraucher: Wie Autohersteller offizielle Spritverbrauchstests manipulieren
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DPA

Limousinen, die mit nur sechs Liter Sprit je hundert Kilometer auskommen - damit umwerben Autohersteller gerne ihre Kunden. Doch die offiziellen Verbrauchsangaben fahren immer weiter an der Realität vorbei, behauptet eine Studie. Mercedes soll die Tests am gekonntesten manipulieren.

Hamburg - Deutschland, einig Spritsparerland - dieser Eindruck drängt sich bei einer Broschüre des Automobilverbands VDA auf. Zwischen 1991 und 2012 ist der Durchschnittsverbrauch der gesamten deutschen Pkw-Flotte von 9,2 auf 7,3 Liter je 100 Kilometer gesunken, rechnet der Verband vor. Bei den neuzugelassenen Fahrzeugen fiel der durchschnittliche Spritverbrauch im selben Zeitraum sogar 35 Prozent. Anfang des Jahres wurden laut VDA in Deutschland bereits 1600 Neuwagen-Modelle angeboten, die weniger als 130 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft pusten.

Laut VDA ist die Automobilindustrie auf gutem Weg, die strengen EU-Vorgaben zur schrittweisen Verbrauchsreduzierung bei sämtlichen angebotenen Neuwagen umzusetzen. Diese Ansicht teilen längst nicht alle. Denn die offiziellen Verbrauchs- und CO2-Angaben der Autohersteller sind im Alltag selbst von gemächlichen Fahrern nicht zu erreichen. Und die Kritik an den unrealistischen Werten wächst.

Die Organisation Transport & Environment (T&E) hat nun eine Studie veröffentlicht, die dem Lager der Zweifler neue Munition verschafft. Laut der Studie der in Brüssel ansässigen Umwelt-Lobbyorganisation, zu deren Mitgliedern auch der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland zählt, wird die Kluft zwischen den Verbrauchsdaten der Hersteller und normalen Alltagsfahrten immer größer.

Im Alltagseinsatz verbrauchen Privat-Pkw aller Marken derzeit im Schnitt um 31 Prozent mehr als offiziell von den Herstellern angegeben, heißt es in der T&E-Studie "Mind The Gap 2014". Im Jahr 2001 lag die Abweichung zwischen Wirklichkeit und Herstellerangaben nur bei 8 Prozent, zeigt die Untersuchung, die sich in großen Teilen auf Datenmaterial der Nonprofit-Organisation International Council of Clean Transportation stützt.

Mercedes war 2013 der stärkste Verbrauchs-Trickser

Ein durchschnittlicher Autobesitzer muss dadurch 500 Euro pro Jahr mehr für Treibstoff ausgeben als von den Herstellern laut Datenblatt vorgesehen, rechnet T&E vor. In der Studie greift T&E auch Autohersteller und EU-Regularien scharf an. Die Hersteller manipulieren das aktuell gültige Testverfahren für die Ermittlung von Verbrauch und CO2-Ausstoß immer gekonnter, meint T&E. Die EU wiederum verabsäume es, Schlupflöcher bei dem Testverfahren zu schließen.

Im Jahr 2008 hat sich die EU auf einen Fahrplan zur Reduzierung des Treibstoffverbrauchs und der CO2-Emissionen von Neuwagen geeinigt. Doch die Hälfte der in den vergangenen fünf Jahren von den Herstellern angegebenen Verbrauchseinsparungen sei "heiße Luft", meint T&E. Bei Fahrzeugen von General Motors und Opel schlagen sogar nur weniger als 30 Prozent der angegebenen Sprit- und CO2-Einfahrungen im Alltagsverkehr durch, zeigt die Studie. Bei den Autoherstellern Fiat und BMW sind es immerhin über 80 Prozent.

Mercedes-Benz war im vergangenen Jahr laut T&E der stärkste Verbrauchstrickser. Die Studienautoren haben den offiziell angegebenen Verbrauch von Mercedes-Neuwagen mit realen Fahrdaten verglichen, die Nutzer der Online-Plattform Spritmonitor.de im Jahr 2013 ermittelt haben. Mercedes-Fahrzeuge verbrauchten dabei unter realen Fahrbedingungen fast 40 Prozent mehr als offiziell angegeben. Details dazu finden Sie in der Bildergalerie. Aber auch BMW und Ford-Neuwagen lagen im Schnitt um 33 Prozent über dem Normverbrauch laut Datenblatt.

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