Sonntag, 24. September 2017

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Startup Cargonexx will Lkw-Frachten effizienter organisieren "Es geht nicht mehr wie auf einem Basar zu"

Ein Drittel aller Lkws in Deutschland fahren ohne Fracht - das will Cargonexx ändern

Er wagte den ungewöhnlichen Sprung vom Unternehmensberater für Medienhäuser zum Straßentransport-Optimierer: Rolf Dieter Lafrenz will mit seinem Startup Cargonexx die Organisation von Lkw-Frachten deutlich vereinfachen. Wie das funktionieren soll, warum bei ihm nicht gefeilscht wird - und wofür er künstliche Intelligenz braucht.

manager-magazin.de: Herr Lafrenz, Ihr Startup Cargonexx wirbt damit, den Lkw-Transport in eine neue Ära zu bringen. Was geht aus Ihrer Sicht aktuell so schief in der Logistik, dass wir gleich ein neues Zeitalter benötigen?

Rolf-Dieter Lafrenz: Heute ist es noch sehr aufwändig, einen LKW-Transport zu organisieren. Ein Auftrag läuft durch sehr viele Hände, wird mehrfach in unterschiedlichen Systemen erfasst, Papier wird hin- und hergeschickt. Unser erstes Ziel ist es, die Organisation eines LKW-Transportes deutlich zu vereinfachen. Ähnlich wie im E-Commerce reicht bei uns ein Klick, wir nennen es daher auch One-Click-Trucking. Ein genauso großes Problem sind die Leerkapazitäten. Täglich sind über 500.000 schwere LKW über unseren Autobahnen unterwegs. Experten schätzen, dass rechnerisch jeder dritte davon leer fährt. Dieses Problem wollen wir angehen. Wir wollen mit Datenintelligenz Ladeströme vorhersagen. Wenn wir diese korrekt prognostizieren, können wir Kapazitäten viel besser einplanen und Leerfahrten verhindern.

mm.de: Wie genau soll das funktionieren?

Rolf-Dieter Lafrenz
  • Copyright: Cargonexx
    Cargonexx
    Rolf-Dieter Lafrenz gründete im Januar 2016 gemeinsam mit Andreas Karanas Cargonexx, beide leiten das Unternehmen als CEO. Zuvor war Lafrenz zwei Jahrzehnte lang Unternehmensberater bei Schickler Media Consultants. Lafrenz ist Absolvent der WHU ¿ Otto Beisheim School of Management in Koblenz.

Lafrenz: Viele Transporte werden erst am Tag vor der Beladung organisiert, weil erst dann Lademengen und Zeiten feststehen. Unser Algorithmus prognostiziert zukünftige Aufträge weiter im Voraus. So können wir Frachtführer in die richtige Richtung schicken, bevor der Auftrag feststeht. Gleichzeitig können wir den Verladern alternative Ladezeiten vorschlagen, bei denen er Geld spart, weil ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stehen.

mm.de: Wenn Lkw-Fahrer Waren von einer Fabrik abholen und etwa zu einem weit entfernten Lager zustellen, dürften sie nur wenig Leerkapazitäten haben. Eignet sich ihr Ansatz deshalb nur für Rückfahrten, wo Lkws des öfteren ohne Ladung fahren?

Lafrenz: Nein. Viele Lkws sind ja nur teilweise beladen. Unser Ziel ist es, diese Teilladungen zu Komplettladungen zu kombinieren, damit der LKW voll fährt. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, da Zeiten, Ladungen und Strecke zueinander passen müssen. Heute machen das Disponenten, die den Markt sehr gut kennen. Zukünftig setzen wir Algorithmen ein, die Wahrscheinlichkeiten hochrechnen, dass sich mehrere Teilladungen zu einer Komplettladung kombinieren lassen.

mm.de: Online-Frachtenbörsen, über die Speditionen ihre leeren Lkw-Flächen füllen können, gibt es seit mehreren Jahren. Wie unterscheidet sich ihr Unternehmen von den etablierten Mitbewerbern?

Lafrenz: Die aktuellen Frachtenbörsen erfüllen die Funktion eines digitalen schwarzen Bretts. Sie schaffen Transparenz, doch die Vertragsparteien müssen weiterhin miteinander telefonieren, verhandeln, einen Vertrag abschließen und sicherstellen, dass alles ordnungsgemäß abläuft. Dafür brauchen sie langjährige Erfahrung im Transportgeschäft, sonst werden Sie über den Tisch gezogen. Bei Cargonexx reicht ein Klick für einen solchen Auftrag. Die Verantwortungen sind klar geregelt, genauso wie der Preis, der vom Algorithmus festgelegt wird. Es geht nicht mehr wie auf einem Basar zu.

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