Freitag, 19. Oktober 2018

Daimler-Großaktionär Geely will Sportwagen-Ikone aufpäppeln Lotus soll sich mit China-Milliarden neu erfinden

Lotus Evora: Der britische Sportwagenhersteller kann nun auf einen Geldregen aus China hoffen

Ihre Modelle trugen so klingende Namen wie Elan, Esprit oder Elise. Doch in den vergangenen Jahren verblasste der Glanz der britischen Sportwagenmarke Lotus fast vollständig. Statt Dienstwagen für James-Bond-Filme zu liefern, fuhr Lotus im Kriechgang und fast unterhalb der Wahrnehmungsschwelle durch die weltweiten Automärkte. Ehrgeizige Wiederbelebungspläne floppten, nicht zuletzt weil das Geld des malayischen Eigentümers Proton ausblieb.

Vor vier Jahren übernahm dann der ehemalige PSA-Chef Jean-Marc Gales das Steuer von Lotus Cars und baute erst mal kräftig Stellen ab. Immerhin erreichte er mit viel Disziplin im Jahr 2016 einen kleinen Vorsteuergewinn - den ersten seit 20 Jahren. Doch große Sprünge waren für den britischen Leichtbauspezialisten mangels Kapital dennoch lange nicht drinnen.

Das könnte sich bald ändern: Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eingeweihte Kreise berichtet, erwägt der chinesische Autohersteller Geely eine milliardenschwere Investition in die britische Sportwagen-Marke. Die Chinesen könnten mindestens 1,5 Milliarden britische Pfund (1,7 Milliarden Euro) in das britische Unternehmen stecken und damit Werke und Entwicklungszentren ausbauen. Zudem soll Geely über eine Aufstockung seines Anteils an der britischen Sportwagen-Ikone verhandeln - mit seinem malaysischen Partner Etika Automotive, der aktuell 49 Prozent an Lotus hält.

Seit Herbst 2017 hält Geely eine 51-prozentige Mehrheit an Lotus. Zu Geelys Reich gehört zudem seit 2010 auch die schwedische Automarke Volvo, die unter den Fittichen ihres chinesischen Eigners ein vielbeachtetes Comeback hingelegt hat. Und Geely-Gründer Li Shufu scheint entschlossen zu sein, nun auch Lotus zu neuer Blüte zu bringen.

Geelys Li Shufu arbeitet sich Richtung Weltgeltung vor

Gegenüber Bloomberg gaben sich beide Seiten zugeknöpft über ihre Pläne. "Geely bekennt sich uneingeschränkt dazu, Lotus als führende globale Luxusmarke wiederherzustellen", erklärte der chinesische Autohersteller gegenüber der Nachrichtenagentur immerhin. Etika antwortete jedoch nicht auf Anrufe von Bloomberg.

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Die mögliche Milliarden-Geldspritze für die Briten würde zumindest gut in Lis Plan passen, mit seiner Geely Holding den ersten chinesischen Autohersteller von Weltrang zu zimmern. Neben Volvo und Lotus gehört auch die London Taxi Company zu Lis Markenreich - Li übernahm 2013 die Reste des insolventen Herstellers, der nun London EV Company heißt. Das Unternehmen stellt die schwarzen Taxis her, die in der britischen Metropole fast schon zum Stadtbild gehören. Und auch an einem der größten deutschen Autohersteller ist Li beteiligt: Ende Februar stieg Li im großen Stil bei Daimler ein und avancierte mit 9,7 Prozent der Daimler-Anteile zum größten Einzelaktionär der Schwaben.

Mit Volvo hat Li nun bereits eine profitable Nobelmarke in seinem Reich, in China ist Geely im Massenmarkt erfolgreich. Die Lücke dazwischen soll Geelys neue Marke Lynk & Co schließen, die stark auf Vernetzung und Teilmöglichkeiten setzt - und gemeinsam von Geely- und Volvo-Ingenieuren entwickelt wurde. London Taxi hat Geely komplett auf Elektroantrieb umgestellt, und auch bei Volvo und Geely selbst gibt es ehrgeizige Pläne für die Elektrifizierung der ganzen Flotte.

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