Samstag, 16. Dezember 2017

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Abwrackprämien von BMW, Ford, Toyota So kämpfen die Autobauer in der Diesel-Krise um die Kunden

BMW-Produktion in Dingolfing: Der Hersteller kämpft mit der Konkutrrenz um seine Marktanteile

Die Dieselkrise macht die Autobauer erfinderisch: Den Unternehmen ist offenbar klar, dass angesichts der Probleme der Dieselfahrzeuge gegenwärtig zahlreiche Autofahrer vor dem Kauf eines neuen Fahrzeugs stehen. Für die Hersteller bedeutet das: Es besteht einerseits das Risiko, Kunden an die Konkurrenz zu verlieren, und andererseits die Chance, Käufer, die zuvor andere Marken fuhren, vom hauseigenen Angebot zu überzeugen.

Kein Wunder also, dass die Firmen derzeit alle Register ziehen, um Kunden anzulocken. Der Autobauer BMW machte am Mittwoch eine besondere Marketingmaßnahme publik: Das Unternehmen bietet seinen Kunden, die sich von einem Diesel-Pkw der Abgasnorm Euro 4 oder älter trennen, beim Kauf eines Neuwagens einen Preisnachlass von bis zu 2000 Euro an. Der PR-taugliche Name, den sich BMW für diesen Rabatt ausgedacht hat, lautet "Umweltprämie".

Die Aktion solle noch in diesem Monat beginnen und bis Ende des Jahres dauern, kündigte BMW am Mittwoch an. Die Prämie werde nicht mit staatlichen Kaufanreizen wie etwa dem Umweltbonus beim Kauf eines Elektroautos verrechnet.

Die BMW-"Umweltprämie" wird modellabhängig gewährt, wie der Autohersteller mitteilte. Kunden müssen demnach ihren alten BMW beim Händler in Zahlung geben und einen Elektro-, Hybrid- oder Diesel-Neuwagen der Marke BMW oder Mini kaufen.

BMW will 225.000 Diesel-Autos "optimieren"

Ähnliche Lockmittel hatten zuvor bereits Ford und Toyota publik gemacht. Bei Ford gibt es bis zu 8000 Euro für alte Diesel-Autos, Toyota offeriert einen Bonus von 2000 Euro für alle, die von einem Diesel auf einen Toyota-Hybrid-Wagen umsteigen.

Ganz nebenbei kündigt BMW auch an, bei rund 225.000 BMW-Diesel mit der Abgasnorm Euro 5 die Abgasreinigung verbessern zu wollen. Die Maßnahme sei für die Kunden kostenlos, so das Unternehmen.

Hintergrund: Die deutschen Autohersteller haben auf dem Diesel-Gipfel in Berlin zugesagt, insgesamt rund fünf Millionen Dieselautos mit den Abgasgrenzwerten Euro 5 und Euro 6 mit einem kostenlosen Software-Update auszustatten, um den Schadstoffausstoß zu senken. Allerdings spiegeln die Zusagen der Unternehmen größtenteils bereits angekündigte Nachrüstungen wider.

BMW-Chef Harald Krüger kritisierte am Mittwoch, dass die "hochmoderne, effiziente und bei den Kunden beliebte Diesel-Technologie seit fast zwei Jahren gezielt öffentlich diskreditiert" werde. Millionen Autofahrer würden verunsichert. Die von BMW eingesetzte Technologie zur Abgasreinigung unterscheide sich "deutlich" von anderen im Markt, betonte Krüger. Fahrzeuge von BMW seien nicht manipuliert worden.

cr/dpa/rtr

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