Freitag, 15. Dezember 2017

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"Defeat Device" auf einen Blick So funktioniert Volkswagens Betrugssoftware

Ist der Wagen auf dem Prüfstand oder fährt er auf der Straße? Die so genannte Defeat Device erkennt den Unterschied und schaltet die Abgasreinigung entsprechend ein oder aus. Bitte auf das Bild klicken, damit die ganze Grafik angezeigt wird!
Reuters; manager magazin online
Ist der Wagen auf dem Prüfstand oder fährt er auf der Straße? Die so genannte Defeat Device erkennt den Unterschied und schaltet die Abgasreinigung entsprechend ein oder aus. Bitte auf das Bild klicken, damit die ganze Grafik angezeigt wird!
Lange hat Volkswagen den Einsatz einer so genannte "Defeat Device" geleugnet. Nun ist klar, weshalb: Der Wolfsburger Autokonzern hat die Betrugs-Software millionenfach in seinen Autos verbaut, und entsprechend groß ist nun der Schaden, nachdem die Manipulation aufgeflogen ist.

Die Software erkennt, ob sich das Fahrzeug gerade auf dem Prüfstand befindet oder im richtigen Einsatz auf der Straße (siehe Grafik). Dazu nutzt der Algorithmus unter anderem Informationen darüber, wie der Wagen gerade gesteuert wird, wie lange der Motor läuft und wie hoch der atmosphärische Druck ist.

Wenn der Wagen offensichtlich auf Abgasemissionen getestet wird, schaltet die Software die Abgasreinigung ein. Das senkt unter Umständen zwar die Motorleistung oder erhöht den Spritverbrauch, bringt aber die gewünschten Emissionswerte. Stellt die Software fest, dass der Wagen gerade auf der Straße fährt, schaltet die Software die Abgasreinigung aus.

Im Ergebnis kann das dazu führen, dass der Wagen ausgerechnet dann am meisten Schadstoffe wie Stickoxide (NOx) in die Luft pustet, wenn er gerade im Stadtverkehr unterwegs ist. Dort ist die Luftbelastung ohnehin oftmals groß.

Welche dramatischen Folgen dies haben kann, zeigt eine Zahl aus Großbritannien. Dort sterben nach Angaben der Regierung pro Jahr 23.500 Menschen durch Stickoxide in der Luft. Als eine der Hauptursachen gelten Emissionen von Diesel-Fahrzeugen. Schon spekulieren Zeitungen wie der "Guardian" darüber, wie viele Menschenleben die Volkswagen-Manager und ihre betrügerische Software davon rechnerisch auf dem Gewissen haben könnten.

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