Sonntag, 22. Juli 2018

12 Prozent Gehaltsplus bei Skoda Fachkräftemangel zwingt VW und Co. zu extremen Lohnerhöhungen in Osteuropa

Arbeitskosten-Länderranking: Was Autokonzerne für ihre Mitarbeiter zahlen
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Skoda

Das satte Gehaltsplus bei der Volkswagen Börsen-Chart zeigen-Tochter Skoda ist beschlossen: Die Löhne der rund 25.000 Tarifangestellten in Tschechien steigen rückwirkend zum 1. April um 12 Prozent. Zudem ist eine Einmalzahlung von umgerechnet rund 2600 Euro vorgesehen. Der neue Tarifvertrag ist bis Ende März 2019 gültig. Darauf einigte sich der Konzern mit den Gewerkschaften.

Der heftige Aufschlag spiegelt einen generellen Trend in Osteuropa. Angesichts der guten Konjunktur wächst jedoch die Nachfrage nach Autos. In Ländern wie Tschechien - Hochburgen der Branche - müssen die Konzerne die Produktion ausweiten. Doch in vielen Ländern sind Fachkräfte inzwischen knapp.

"Generell steigt das Lohnniveau in Osteuropa", sagt Autoindustrie-Experte Jens Haas vom global tätigen Beratungsunternehmen AlixPartners. "Die Wachstumsraten dort sind höher als in Westeuropa, kommen allerdings von einer zum Teil deutlich niedrigeren Basis."

Zudem verstärke sich an zahlreichen Standorten in Osteuropa der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter zwischen Zulieferern und Automobilherstellern, so Haas. "Ein Wettbewerb, der sich natürlich auch auf das Lohnniveau auswirkt."

Skoda erwirtschaftet satten Gewinn

Das außergewöhnlich hohe Ergebnis spiegele die wirtschaftliche Situation und das Konkurrenzumfeld in Tschechien wider, bestätigte Skoda-Vorstandschef Bernhard Maier. In dem EU-Land herrscht fast Vollbeschäftigung. Mit etwa 10 Prozent Marge fiel auch der Gewinn bei Skoda zuletzt hoch aus.

Das Durchschnittsgehalt eines Skoda-Tarifangestellten lag im vorigen Jahr bei rund 1700 Euro und damit etwa doppelt so hoch wie das allgemeine Lohnniveau. In Deutschland verdienen VW-Mitarbeiter im Schnitt mehr als 4200 Euro.

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Ihren Arbeitskostenvorteil verlieren die osteuropäischen Standorte mit aktuellen Lohnerhöhungen wie in Tschechien oder der Slowakei also noch nicht. Doch die Gewichte verschieben sich langsam etwas. So ist das Kostenniveau in Portugal bereits niedriger als in Slowenien. Tschechien dürfte bald ebenfalls aufschließen.

Mit der Einigung bei Skoda konnte in letzter Minute ein Streik abgewendet werden. Die Gewerkschaften hatten sich entschieden gegen eine Ausweitung der Arbeitszeiten im Stammwerk Mlada Boleslav auf das Wochenende ausgesprochen und sich damit letztlich durchgesetzt.

Skoda lieferte 2017 die Rekordzahl von mehr als 1,2 Millionen Fahrzeugen aus. Meistverkauftes Modell ist das Mittelklasse-Auto Octavia. Die VW-Tochter verfügt in Tschechien neben dem Stammwerk über zwei weitere Fertigungsstätten und produziert auch in Russland und China für die dortigen Märkte.

mit dpa-afx

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