Samstag, 3. Dezember 2016

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Autoindustrie Schaeffler zahlt seinem Beinahe-Chef Deller elf Millionen Euro Entschädigung

Wäre fast der mächtigste Autozulieferer der Welt geworden, bekommt jetzt aber immerhin rund elf Millionen Euro: Klaus Deller.
C. Vohler / Knorr-Bremse / DPA
Wäre fast der mächtigste Autozulieferer der Welt geworden, bekommt jetzt aber immerhin rund elf Millionen Euro: Klaus Deller.

Klaus Deller sollte Herr über den größten Automobilzulieferer der Welt werden. Dann wollten ihn Mutter und Sohn Schaeffler doch nicht. Jetzt bekommt er immerhin seinen Vertrag ausbezahlt.

Hamburg - Der Automobilzulieferer Schaeffler zahlt Klaus Deller rund elf Millionen Euro, ohne dass der 52-Jährige auch nur einen Tag für das Familienunternehmen gearbeitet hat. Die Summe entspricht grob den garantierten Bezügen aus dem dreijährigen Vertrag als operativer Schaeffler-Chef, den Deller mit den Eigentümern Georg Schaeffler und dessen Mutter Maria-Elisabeth erst vor wenigen Monaten abgeschlossen hatte. Eigentlich hatte er seinen Job am 1. Juli antreten sollen.Im Juni war der Vertrag dann aber auf Betreiben der Schaeffler-Familie aufgelöst worden.

Mit der Einigung versuchen die Schaefflers ihren Reputationsschaden auf dem internationalen Markt für Top-Führungskräfte zu begrenzen. Schaeffler ist Spezialist für Wälzlager, kommt damit auf einem Umsatz von gut 11 Milliarden Euro und hält zudem rund 45 Prozent am Dax-Konzern Continental Börsen-Chart zeigen. Zusammen kommen die Unternehmen auf einen Umsatz von 45 Milliarden Euro, beschäftigen etwa 260 000 Menschen und sind als kombinierter Konzern der größte Auto-Zulieferer der Welt.

Auf der Suche nach einem neuen Konzernchef hatten Mutter und Sohn Schaeffler sich nach langen Diskussionen auf Deller festgelegt, ihn vom kleineren Auto-Zulieferer Knorr-Bremse abgeworben und im Februar als neuen Konzernchef ausgerufen.

Für das Interregnum hatten sie allerdings Rosenfeld als Interims-Chef eingesetzt. Der 48-Jährige, im Hauptjob eigentlich Finanzvorstand, nutzte die Zeit, um die Schaefflers doch noch von sich zu überzeugen. Mit der Abberufung Dellers noch vor Amtsantritt bekam Rosenfeld ab dem 1. Juli 2014 einen Fünfjahresvertrag als Vorstandsvorsitzender. Eckard Cordes, langjähriger Mercedes- und Metro-Chef, legte daraufhin sein Amt als Aufsichtsratsmitglied bei Schaeffler nieder.

Ein Schaeffler-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren.

Die exklusive Hintergrundgeschichte zu Mutter und Sohn Schaeffler lesen Sie hier.

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