Freitag, 28. Juli 2017

Zulieferer senkt Prognose Schaeffler schockiert die Autobranche

Raue Zeiten: Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg
picture alliance / Sven Simon
Raue Zeiten: Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg

Der Autozulieferer Schaeffler Börsen-Chart zeigen hat mit der Senkung seiner Gewinnprognose Sorgen bei Anlegern über die Lage der Branche ausgelöst. Der von Schaeffler angeführte Preisdruck werde sicherlich Bedenken hinsichtlich der Bewertung von Unternehmen aus der Zulieferindustrie aufwerfen, schrieben die Analysten des Bankhauses Jefferies am Dienstag in einem Kommentar. Während die Aktien von Schaeffler zweistellig einbrachen, gerieten auch die Aktien von Continental Börsen-Chart zeigen und Leoni unter Druck - obwohl diese ihre Gewinnprognosen bestätigten.

Andere Experten sehen die Probleme eher bei Schaeffler selbst. Sie vermuten, dass der Familienkonzern Schwierigkeiten bei der Umstellung auf die Elektromobilität hat.

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Schaeffler hatte überraschend sein Renditeziel für 2017 gesenkt und dies unter anderem mit einem gestiegenen Preisdruck großer Autobauer begründet. Statt der angepeilten operativen Umsatzrendite von zwölf bis 13 Prozent erwartet der fränkische Konzern nun eine Marge von nur elf bis zwölf Prozent.

Schaeffler-Chef Rosenfeld erklärt Preisdruck zum Branchenproblem

Die Aktien von Schaeffler brachen zeitweise um mehr als zwölf Prozent ein und rissen die Titel andere Autozulieferer mit in die Tiefe. In einer Telefonkonferenz erklärte Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld, der Preisdruck betreffe die gesamte Branche. Neu sei, dass es dem Unternehmen aus Herzogenaurach im zweiten Quartal nicht gelungen sei, dies durch eine weitere Senkung der Produktionskosten wettzumachen. Neben dem Preisdruck führte der Konzern höhere Entwicklungskosten im Bereich der Elektromobilität an.

Auch andere Zulieferer ächzen unter dieser Last. Alle großen Unternehmen der Branche investieren derzeit viel Geld in die Elektromobilität. Sie gehen dabei ein Risiko ein, denn die Verkaufszahlen von Elektroautos sind nach wie vor niedrig.

Conti und Leoni bestätigen Gewinnziele

Auch Continental, an dem Schaeffler maßgeblich beteiligt ist, investiert hohe Summen in die Zukunft. Der Dax-Konzern erklärte, der Preisdruck in der Branche sei unverändert hoch.

Im Gegensatz zu Schaeffler bestätigte Conti sein Gewinnziel. Der Reifenhersteller aus Hannover erwartet für dieses Jahr eine Ebit-Marge von mehr als 10,5 (Vorjahr 10,8) Prozent. Ein Sprecher des Kabelspezialisten Leoni sagte, der Preisdruck sei wie immer. "Wir haben gelernt, damit umzugehen." Das Unternehmen aus Nürnberg hält ebenfalls an seinen Zielen fest. "Unser Geschäft ist voll im Plan. Wir haben einen sehr dynamischen Auftragseingang."

Die Analysten von Morgan Stanley vermuten, dass Schaeffler stärker unter Druck steht als andere. Der Anteil der Verbrennungstechnologie am Geschäft sei bei Schaeffler besonders hoch, deshalb habe das Unternehmen wahrscheinlich mehr damit zu tun, sich auf die Veränderungen einzustellen. Der Investmentberater Evercore ISI warnte davor, die gesamte Branche in Zweifel zu ziehen. Schaeffler habe vermutlich Probleme bei der Neuausrichtung und greife deshalb zu jeder Entschuldigung.

Schaeffler Börsen-Chart zeigen sieht sich beim Preisdruck durch seine Abnehmer nicht als Einzelfall. Die gesamte Industrie durchlaufe derzeit diese Entwicklung, sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld am Dienstag bei einer Telefonkonferenz.

Schaeffler hatte erst vor wenigen Wochen einen Wechsel im Vorstand mitgeteilt und muss schon wieder einen neuen Finanzchef suchen. Der erst seit April 2015 amtierende ehemalige Bayer-Manager Ulrich Hauck habe gebeten, seinen bis 2018 laufenden Vertrag nicht zu verlängern.

la/dpa/reuters

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