Dienstag, 20. November 2018

Diesel-Abgasskandal Früherer Audi-Chef Stadler kommt frei

Rupert Stadler kommt aus Untersuchungshaft frei

Der frühere Audi-Chef Rupert Stadler wird aus der Untersuchungshaft entlassen. Das Oberlandesgericht München teilte am Dienstag mit, der Haftbefehl vom Juni sei gegen Auflagen außer Kraft gesetzt worden. Der Senat gehe in seiner Entscheidung davon aus, dass gegen den Beschuldigten weiterhin ein dringender Tatverdacht bestehe, heißt es in der Pressemitteilung des Gerichts.

Der Senat machte zudem deutlich, dass der Haftgrund der Verdunkelungsgefahr fortbestehe. Stadler dürfe mit keinem der im Ermittlungsverfahren relevanten Personen Kontakt aufnehmen und müsse eine Kaution hinterlegen, da die Verdunkelungsgefahr weiter bestehe. Auch der dringende Betrugsverdacht gegen Stadler dauere an. Es sei jedoch vertret- und verantwortbar, die Untersuchungshaft unter Auflagen außer Vollzug zu setzen.

Zur Höhe der Kaution, die Stadler hinterlegen muss, machten Gericht und Staatsanwaltschaft keine Angaben. Auch wann Stadler das Untersuchungsgefängnis verlassen kann, blieb zunächst offen. Denn eine Kaution muss stets erst auf dem Bankkonto der Justiz eingegangen sein, bevor ein Untersuchungshäftling auf freien Fuß kommt. In Bayern ist am Donnerstag Feiertag.

Die Staatsanwaltschaft München II hatte Stadler Mitte Juni als bislang einzigen Manager aus der obersten Führungsriege des Volkswagen-Konzerns in Untersuchungshaft genommen. Gegen ihn und weitere Beschuldigte wird wegen des Verdachts des illegalen Verkaufs von Fahrzeugen mit gefälschten Abgaswerten ermittelt. 800 Millionen Euro muss der Hersteller aus Ingolstadt für Verfehlungen im Abgas-Skandal zahlen. Stadler soll versucht haben, während der Ermittlungen wegen des Dieselskandals bei Audi Zeugen oder Beschuldigte zu beeinflussen.

Stadler hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Im Untersuchungsgefängnis in Augsburg hatte er sich in Vernehmungen mit den Staatsanwälten ausführlich geäußert, wie Reuters berichtete. Eine formelle Beschwerde Stadlers gegen die Untersuchungshaft scheiterte zunächst vor dem Landgericht München, verschaffte ihm nun aber vor dem Oberlandesgericht zumindest wieder die Freiheit.

Anfang Oktober hatte sich sein ehemaliger Arbeitgeber, der Volkswagen-Konzern, von Stadler getrennt. Der Schritt sei einvernehmlich beschlossen und eine Vereinbarung unterzeichnet worden. Als Grund führte das Unternehmen die andauernde Untersuchungshaft an.

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Audi-Interimschef Abraham Schot: "Ich stünde langfristig als Audi-Chef bereit"Mit der Vereinbarung seien theoretische Zahlungsansprüche Stadlers in zweistelliger Millionenhöhe ausgeschlossen worden, hieß es aus VW-Kreisen. Er bekomme als Sofortzahlung deutlich weniger als eine Million Euro. Der Rest zur Abwicklung künftiger Ansprüche für die verbleibende Laufzeit der Dienstverträge werde erst ausgezahlt, wenn die Strafverfahren in Deutschland ohne Verurteilung beendet seien.

Bei der VW-Tochter Audi soll es nach Erkenntnissen der Ermittler Manipulationen an der Abgas-Software von Dieselautos gegeben haben. Von dort gingen auch Dieselmotoren an weitere VW-Marken wie Porsche. Der im September 2015 bekanntgewordene Abgasskandal hatte Volkswagen schwer erschüttert und die Dieselkrise mit ausgelöst.

rtr/dpa/AFP/akn

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