Freitag, 1. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Audi "Unsere Fahrzeuge werden zu einem mobilen Endgerät"

Cockpit-Anzeige im neuen Audi TT: Audi will seine Autos künftig mit integriertem Smartphone-Betriebssystem anbieten - wahlweise mit Googles Android und Apples iOS

Wie viel Smartphone muss künftig in einem Auto stecken? Laut Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg und Technikentwickler Ricky Hudi so viel wie möglich. Im Interview erklären sie, was die Integration von Googles Smartphone-Betriebssystem Android und Apples iOS bedeutet - und warum der "Sport Quattro" in Serie gehen soll.

mm: Herr Hackenberg, Herr Hudi, Audi hat vor kurzem ein Bündnis mit Google angekündigt. Künftig sollen die Unterhaltungs- und Informationssysteme in Audi-Fahrzeugen mit dem Google-Betriebssystem Android laufen. Welchen Vorteil hat das?

Hackenberg: Wer heute einen Großteil seiner Kommunikation über Smartphones laufen lässt, möchte diese Möglichkeit natürlich auch im Auto haben. Noch lassen sich die Geräte im Auto aber nicht so einfach nutzen, die im Smartphone enthaltenen Informationen müssen anders visualisiert und fahrzeuggerecht dargestellt werden. Durch die bestmögliche Integration von Android- und auch iOS-Endgeräte machen wir unsere Fahrzeuge zu einem mobilen Endgerät. Alle Apps und alle Informationen, die sonst in der Cloud gespeichert sind, sind dann prinzipiell auch im Auto verfügbar.

mm: Und Nutzer von Apples iPhone sparen sie davon aus?

Hackenberg: Nein. Zwar ist Android das meist eingesetzte Smartphone-Betriebssystem. Doch unter den Audi-Kunden gibt es überproportional viele iPhone-Nutzer. Deshalb arbeiten wir auch mit Apple bezüglich der Integration der mobilen Endgeräte zusammen.

Hudi: Apple hat uns als führenden Partner ausgewählt - wie Google auch. In der Apple-Zentrale in Cupertino steht bereits ein modularer Infotainment-Baukasten, wie er auch in aktuellen Audi-Modellen zum Einsatz kommt. Wir haben im Silicon Valley ein eigenes Audi-Entwicklungslabor, das direkt mit Apple zusammenarbeitet. Künftig werden wir das Betriebssystem iOS ebenfalls direkt in die Audi-Modelle integrieren. Kunden können sich dann aussuchen, ob sie Android-Smartphones oder Apples iOS-Geräte im Auto verwenden wollen.

mm: Was passiert, wenn etwa der Fahrer ein Apple-Smartphone besitzt, der Beifahrer aber auf Android-Handy schwört? Kann dann nur einer von beiden sein Handy im vollen Umfang im Auto nutzen - oder könnten beide Betriebssysteme auch parallel im Audi-Unterhaltungssystem laufen?

Hudi: Wir möchten keine Kunden benachteiligen, daher können beide Plattformen verwendet werden.

mm: Dürfen Autofahrer künftig Android- oder iOS-Apps direkt im Auto installieren?

Hudi: Bisher haben wir die Anwendungen für unsere Infotainmentsysteme selbst programmiert, die Daten für Kraftstoffpreise oder Wettervorhersagen kamen von Partnern. Im Laufe des nächsten Jahres kommen die ersten Audis mit der neuen Smartphone-Integration auf den Markt. Dann läuft es etwas anders: Google oder Apple geben in Abstimmung mit den Autoherstellern einen Programmierguide vor. Apps werden von den Entwicklern dann anhand des Guides umgesetzt und von uns nach Prüfung freigeschaltet. Über ein Google-Konto oder die Apple-ID können die freigegebenen Apps dann genutzt werden.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH