Dienstag, 30. Mai 2017

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Renault setzt legendären Dacia-Vordenker auf Elektroauto an Renault plant Elektroauto für 8000 Dollar - mit diesem Mann

Gérard Detourbet: Der Mathematiker senkte bei Dacia kräftig Kosten - indem er weniger Teile verbauen ließ

"Diese Branche steckt voller Überraschungen", erklärte Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn vor wenigen Wochen auf dem Pariser Autosalon. So entwickle sich China derzeit zum größten Markt für Elektroautos, obwohl er das eher für Nordamerika angenommen habe. Chinesische Hersteller würden auf ihrem Heimatmarkt mit kleinen, billigen Elektroautos punkten. Deshalb entwickeln Ingenieure von Renault und Nissan nun laut Ghosn ein "leistbares Elektroauto" für China.

Nun hat Ghosn auf einer Konferenz in Paris genauer erläutert, was er sich unter "leistbar" vorstellt. Und das muss der Konkurrenz Angst machen. Seine Minimalvorstellung: Das Auto soll weniger als 8000 Dollar nach Förderungen in China kosten. Doch eigentlich will es Ghosn noch viel günstiger . "Was wir tun wollen, ist ein Elektroauto für 7000 bis 8000 Dollar ohne Förderungen zu bringen.", sagte er laut einem Bericht der Agentur Reuters. "Wenn wir diesen Durchbruch schaffen, wird er das Spiel verändern".

Dass Ghosn es ernst meint, zeigt auch seine Personalauswahl für das Elektro-Billigauto. Das plant sein bester und erfahrenster Manager für kostengünstige Vehikel: Gérard Detourbet, der von den Medien gerne als "Mr. Low Cost" bezeichnet wird. Die Involvierung des 70-jährigen Managers dürfte in der Autobranche für kräftige Unruhe sorgen. Denn eines hat Detourbet mehrfach gezeigt: Wenn er auf den Plan tritt, wird der Preiskampf richtig hart.

Der promovierte Mathematiker mit der sanften Stimme hat in der Branche einen Ruf wie Donnerhall. Detourbet widerlegte die These, dass nur große, teure Autos hohe Gewinne bringen. Er bewies, dass ein Autohersteller auch mit richtig günstigen Autos gutes Geld verdienen kann. Denn Detourbet war lange Jahre Leiter des Programms "Entry" - also jenes Teams, das Anfang der 2000er-Jahre den Dacia Logan entwickelte.

In der Branche wurde das Projekt zuerst belächelt. Ein qualitativ halbwegs ansprechendes Auto, das auch noch eine auskömmliche Marge einfahren sollte, sei zum Neupreis von 5000 Euro schlicht nicht machbar, argumentierten viele. Detourbet bewies, dass dies sogar sehr gut möglich ist. Die erste Version seines Logan war noch ein optisch eher ungelenkes, aber praktisches Auto. Der Aldi unter den Autos wurde zunächst nur in Schwellenländern verkauft. Doch weil immer mehr Leute in den Autohäusern Westeuropas nach dem Billigwagen fragten, bot Renault das Auto bald auch hierzulande an.

Weiter im Text geht es nach dem Video "Die neuen Allianzen der Autoindustrie":

Foto: REUTERS

Kostensenkung durch geringere Teile-Anzahl

Heute gewinnt Dacia auch in Europas Krisenländern kräftig Marktanteile, die Angebotspalette umfasst mittlerweile Kleinwagen, Kompaktwagen, Vans und einen SUV. Im vergangenen Jahr verkaufte die Marke weltweit 550.000 Fahrzeuge, kommt also auf ein knappes Viertel der Renault-Absatzzahlen. Im Jahr 2010 waren es noch 350.000 Dacia-Fahrzeuge weltweit. Renault veröffentlicht keine Gewinn-Kennzahlen zu seiner rumänischen Billigtochter. Doch die Gewinnmarge, heißt es in der Branche seit langem, soll sehr auskömmlich sein.

Sein Rezept zur Kostensenkung, so erklärte Detourbet einmal, sei das Weglassen: Er senke die Anzahl der Teile, die in einem Auto verbaut werden. Damit bekomme man ein Auto, das schon beim Entwerfen weniger koste, leichter zusammenzubauen sei und bei dem einfach weniger schiefgehen könne. Ingenieure würden eine Menge Dinge kreieren, die nie von Kunden benutzt werden. Das Geheimnis sei, nur das zu tun, was die Kunden erwarten - und eben nicht mehr als das.

Der große Vereinfacher Detourbet hat aber nicht nur der als hoffnungslos veraltet verschrienen Marke Dacia neues Leben eingehaucht. Er hat Renault zuletzt auch einen beachtlichen Erfolg in Indien beschert - jenem Land, das bei Neuwagenpreisen als das weltweit härteste Pflaster gilt. Renaults Kwid, ein Kompakt-SUV mit einem Neupreis ab 3500 Euro, ist ebenfalls unter Detourbets Leitung entstanden.

Klein-SUV Renault Kwid

Der äußerlich durchaus ansehnliche Wagen rollt gerade den indischen Markt auf. Seit September 2015 wird das Fahrzeug in Indien verkauft. Innerhalb des vergangenen Jahres konnte Renault seinen Marktanteil im Land auf 5 Prozent verdoppeln, wegen des großen Erfolges wird das Kwid-Werk im indischen Chennai bald eine dritte Schicht einführen. Der Günstigst-SUV soll künftig auch in Brasilien und vielen Schwellenländern angeboten werden, erklärte Ghosn jüngst in Paris.

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