Montag, 20. November 2017

Türkei soll eigene Automarke bekommen So will Erdogan die Türkei zur Autonation machen

Der türkische Präsident Recep Erdogan wünscht bis 2021 eine landeseigene Automarke - ohne Verzögerungen

Ein Mann, ein Auto, je nach Einsatzort kanariengelb oder limettengrün: Um die Vorzüge vaterländischer Autohersteller anzupreisen, setzt sich Russlands Präsident Wladimir Putin schon mal persönlich hinters Steuer, solange genügend Kameras in Reichweite sind. Knapp 2500 Kilometer ratterte Putin einst im gelben Lada Kalina über Sibiriens schlaglochübersäte Straßen, begleitet von Teams des staatlichen russischen Fernsehens. In Sotchi fuhr er vor zwei Jahren im leuchtgrün lackierten Lada Vesta vor. Ein sehr gutes Auto mit guter Beschleunigung und leichter Lenkung sei der Vesta, urteilte der oberste Autotester Russlands wenig überraschend.

Ähnliche Symbolik samt einem Schwall warmer Worte darf man in einigen Jahren wohl vom starken Mann in der Türkei, Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, erwarten. Denn Erdogan macht den Industrieunternehmen seines Landes kräftig Druck bei der Umsetzung eines lange gehegten Wunsches: Ein Konsortium aus fünf türkischen Firmen soll in wenigen Jahren ein Fahrzeug entwickeln, das vollständig in der Türkei gebaut wird. Schon 2021 soll das Modell serienreif sein, einen ersten Prototypen soll es bereits 2019 geben, kündigte Erdogan Ende vergangener Woche an.

Der Präsident machte das Autoprojekt gleich zur Chefsache: "Wir wollen keine Verzögerungen bei diesem Projekt und werden keine Verspätungen dulden", betonte Erdogan. Und damit es für die beteiligten Firmen richtig lästig wird, erklärte Erdogan, dass er erster Kunde des neuen Fahrzeugs sein und dafür auch zahlen wolle.

Für viele klang das wie ein weiteres irrwitziges Projekt von Erdogan, dem ja gerne Nähe zu Megalomanie unterstellt wird. In früheren Jahrzehnten gab es bereits zwei rein türkische Automarken, die in den 1990er-Jahren vom Markt verschwanden: Die Marke "Anadol", die mit Ford kooperierte und es auf insgesamt sieben verschiedene, in der Türkei designte und produzierte Modelle brachte. Rein für den türkischen Markt bestimmt war auch der "Tofas Murat", ein leicht modifizierter Nachbau eines Fiat-Modells, dessen Verkauf im Jahr 2003 eingestellt wurde.

Viel Nutzfahrzeug-Erfahrung im Fünfer-Konsortium

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Diese "Schande", nämlich die Absenz einer echten türkischen Automarke, will Erdogan nun beseitigen. Fünf durchaus namhafte türkische Unternehmen sollen dies zuwege bringen. Drei davon haben langjährige Erfahrung mit dem Bau von Fahrzeugen: Die Anadolu-Gruppe stellt seit Jahrzehnten gemeinsam mit Isuzu-Motors Lieferwagen, Leicht-Lkw, Pickups Busse her.

Das türkisch-katarische Unternehmen BMC, das ebenfalls zum Konsortium zählt, ist einer der größten Nutzfahrzeughersteller der Türkei. Der türkische Hersteller Karsan produziert in seinen Werken aktuell vor allem Lieferwagen der Marken Peugeot, Citroen, Fiat und Hyundai. Im Konsortium vertreten ist auch der größte türkische Mobilfunker Turkcell und Vestel, das zu den führenden Elektronikunternehmen am Bosporus zählt.

Koordiniert werden sollen die Aktivitäten von der Union der Kammern und Börsen der Türkei (TOBB) - was das hohe Interesse des türkischen Staates an dem Autoprojekt nochmal verdeutlicht. Der Plan vom eigenen türkischen Auto ist keine kurzfristige, verrückte Idee Erdogans. Die Sache ist von langer Hand vorbereitet. Bereits in Erdogans Langfrist-Plan "Vision 2023" deutete vieles darauf hin, dass Erdogan die nationale Autoindustrie stärken will.

Die ist für das Land - und für Europa - durchaus bedeutend: Im vergangenen Jahr produzierten Autohersteller in der Türkei 1,5 Millionen Fahrzeuge vom Band, zeigen die Zahlen des türkischen Autoherstellerverbands OSD. Darunter waren 950.000 Pkw. Mit türkischen Jointventure-Partnern fertigt etwa Renault-Nissan Fahrzeuge in der Nähe von Bursa, Hyundai produziert 130 Kilometer östlich von Istanbul die Kleinwagen-Modelle i10 und i20, Toyota baut ein paar Kilometer weiter Kompaktwagen und SUVs.

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