Freitag, 30. September 2016

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Manipulationsverdacht - Aktie bricht ein Nach Razzia: Minister springt Renault bei

Razzia bei Renault: Wie jetzt bekannt wurde, durchsuchten Ermittler vergangene Woche Geschäftsräume des Autobauers. Anleger zeigten sich heute schockiert und verbrannten fünf Milliarden Euro an Börsenwert - das entspricht in etwa 370.000 Neuwagen des Modells Clio

Eine Razzia der französischen Behörden hat Renault Börsen-Chart zeigen am Donnerstag den größten Kurssturz der Firmengeschichte eingebrockt. Die Aktien des französischen Autobauers fielen zeitweise um knapp 23 Prozent auf ein Dreieinhalb-Monts-Tief von 67 Euro. Damit büßte das Unternehmen binnen eines Tages rund fünf Milliarden Euro an Börsenwert ein. Das entspricht in etwa 370.000 Neuwagen des Modells Clio.

Auslöser der Verkaufswelle war Händlern zufolge ein Bericht der Nachrichtenagentur AFP, demzufolge Geschäftsräume des Unternehmens im Nachklang des VW-Abgasskandals vergangene Woche durchsucht wurden.

Renault bestätigte die Durchsuchungen und erklärte, bei den Ermittlungen zu kooperieren. Es gehe um Abgaswerte. Die zuständige Untersuchungskommission habe "keinen Hinweis auf die Existenz von Manipulationssoftware in den Fahrzeugen von Renault" gefunden, teilte der Autobauer mit.

Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron sagte, Renault stehe wegen seiner Abgaswerte nicht speziell im Visier der Behörden. "Es gibt nichts Besonderes in Hinblick auf Renault", sagte Macron. Es sei lediglich bekannt geworden, dass seine Behörden bei Renault wie auch bei anderen Autoherstellern die Informationspolitik gegenüber den Kunden prüfe. "Das ist eine normale Arbeit unserer Behörden", sagte Macron.

Laut einem Vertreter der französischen Gewerkschaft CTG sollen die Ermittler im Auftrag der Antibetrugs- und Wettbewerbsbehörde DGCCRF des Wirtschaftsministeriums gehandelt haben.

Der deutsche Kooperationspartner Daimler teilte mit, die bei Mercedes eingesetzten Diesel-Motoren von Renault enthielten keine Software zur Abgasmanipulation. "Wir haben keinen Anlass, von unseren bisherigen Aussagen abzurücken: Wir setzen keine Defeat Devices ein", sagte ein Daimler-Sprecher. "Renault hat uns versichert, dies ebenfalls nicht zu tun." Mercedes nutzt in einigen Fahrzeugen Motoren von Renault.

Renault-Rivale Peugeot erklärte, nicht von Betrugsermittlern durchsucht worden zu sein. Die Abgastests des Energieministeriums wiesen keine Anomalitäten auf.

Im Sog des Renault-Kurssturzes bauten die anderen europäischen Autobauer ihre Kursverluste aus. Volkswagen Börsen-Chart zeigen verloren 5,3 Prozent, BMW Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen büßten bis zu 5,6 Prozent ein. Fiat Börsen-Chart zeigen rutschten um bis zu elf Prozent ab. Letztere litten zusätzlich unter dem Bericht über eine Klage in den USA. Der Fachzeitschrift "Automotive News" zufolge werfen zwei Händler dem Konzern die Manipulation von Absatzzahlen vor.

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ts/Reuters/dpa

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