Samstag, 18. November 2017

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Investoren strafen Elektroauto-Pionier ab Tesla verliert mit jedem Model S rund 4000 Dollar

Muss seinen Investoren gerade einige auch weniger erfreuliche Dinge erklären: Tesla-Chef Elon Musk

Lange Zeit war der Hype um Tesla Börsen-Chart zeigen so groß, dass der Börsenkurs des Elektroautopioniers gegen schlechte Nachrichten beinahe immun schien. Das war in den vergangenen Tagen nicht mehr der Fall. Die jüngsten Meldungen aus Kalifornien haben Investoren beunruhigt - und daran ist längst nicht nur der gestiegene Verlust im vergangenen Quartal verantwortlich.

Von April bis Juni hat Tesla zwar seinen Umsatz um ein Viertel gesteigert, unter dem Strich steht jedoch ein Minus von 184 Millionen Dollar in den Büchern. Die Nachrichtenagentur Reuters hat nun nochmal im Detail nachgerechnet. Mit jedem im vergangenen Quartal verkauften Model S hat Tesla 4000 Dollar verloren, heißt es in einer Reuters-Analyse. Insgesamt verbrannte Tesla im vergangenen Vierteljahr 359 Millionen Dollar.

Der hohe Kapitalverbrauch ist durchaus erklärbar: Denn Tesla investiert gerade viel Zeit und Geld in die Produktion eines Elektro-SUVs und einer Riesen-Batteriefertigung in der Wüste Nevadas - und plant längst schon ein drittes, deutlich günstigeres Modell. Das alles kostet viel Geld. Verunsichert haben Investoren nicht die Summen, sondern ein paar unangenehme Eingeständnisse.

So erklärte Tesla-Chef Elon Musk bei der Präsentation der Quartalszahlen am Mittwoch, dass der Produktionsstart des ohnedies mehrfach verschobenen Model X zu Verzögerungen und Produktionsausfällen kommen könne. Zulieferer haben laut Musk Probleme, die benötigten Komponenten herzustellen, weil die Konstruktion des Autos mit den mächtigen Flügeltüren komplex ist. En passant hat Musk auch die bisherige Verkaufsprognose von 55.000 Autos zurückgefahren, nun will Tesla in diesem Jahr zwischen 50.000 und 55.000 Autos verkaufen.

In diesem Jahr will Tesla 1,5 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Produktion und seiner Modellpalette stecken. Doch Musk hat auch immer wieder angedeutet, dass der Kapitalbedarf im kommenden Jahr sinken soll. Analysten zweifeln gegenüber Reuters, dass dies wirklich der Fall ist.

Der Grund ist einfach: Im Jahr 2017 soll das Model III soll auf den Markt kommen, zusätzlich investiert Tesla Geld in seine Batteriefabrik. Damit dürfte der Kapitalbedarf 2016 und 2017 eher steigen als sinken. Musk hatte zuletzt darüber gesprochen, dass durchaus Wert darin läge, neues Kapital "als Maßnahme zur Risikoreduktion" aufzustellen. Analysten halten das für höchst wahrscheinlich - und zwar wegen des steigenden Investitionsbedarfs.

Dazu kam dann noch die Nachricht, dass Hacker ein Model S während der Fahrt ausschalten konnten. Zwar war das Auto bei dem Angriff zweier IT-Experten gewollt nur mit gerade mal 10 km/h unterwegs. Anders als viele Konkurrenten geht Tesla vergleichsweise offen mit IT-Manipulationsversuchen um: Tesla hat schon mal auf einer Hacker-Konferenz um Mitarbeiter geworben, erfolgreiche Auto-IT-Knacker bekommen sogar einen Eintrag auf einer speziellen Seite im Tesla-Blog.

Andererseits ermöglicht Tesla seinen Kunden, Updates für die Autos drahtlos via Internet einzuspielen. Das öffnet laut IT-Experten ein mögliches Einfallstor für Manipulationsversuche. Autofahrer müssen darüber aber bisher nicht allzu besorgt sein: Noch erfordert Car Hacking viel Spezialistenwissen und einiges an Aufwand - und bisher gibt es noch keinen Hinweis, dass das Kapern eines Autos während der Fahrt auch außerhalb von Laborbedingungen gelungen ist.

All das hat in den vergangenen Tagen Teslas Aktienkurs absacken lassen: Am vergangenen Mittwoch notierten die Tesla-Papiere noch bei über 245 Euro, am Freitag kamen sie zeitweise nur mehr auf 221 Euro. Immerhin: Im heutigen Tagesverlauf hat die Aktie im Xetra-Handel gut 2 Prozent dazugewonnen und lag zum Mittag bei rund 224 Euro.

Nach der Unruhe der letzten Tage würden Tesla nun ein paar richtig gute Nachrichten helfen - man kann nur hoffen, dass Musk nicht noch weitere seiner zahlreichen Ankündigungen und Versprechen brechen muss.

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