Sonntag, 24. Juli 2016

Umweltschützer testen Spritverbrauch im Alltag Peugeot lässt Öko-Aktivisten an den Auspuff

Peugeot-Bestseller 308: Auch für dieses Modell sollen bald realistische Verbrauchsdaten bei Alltagsfahrten vorliegen

Europas größter Autohersteller Volkswagen quält sich durch den Abgasskandal und macht dabei keine allzu gute Figur. Die Wolfsburger versprechen zwar größtmögliche Transparenz, halten sich mit Details zu den Rückrufen aber nach wie vor zurück - was auch daran liegt, dass die zuständigen Behörden in Europa und den USA nun VWs Lösungsvorschläge für Reparaturen und Software-Updates überprüfen.

Die Folge: Autobesitzer sind nach wie vor verunsichert - und zwar nicht nur VW-Kunden, sondern auch die der Konkurrenz. Europas zweitgrößter Hersteller PSA Peugeot Citroën Börsen-Chart zeigen schlägt nun einen ungewöhnlichen Weg ein, um das Vertrauen seiner Kunden zu heben: Die Franzosen holen die Gegenseite ins Boot.

Denn PSA lässt die belgische Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) die Verbrauchs- und Abgaswerte von Peugeot-Fahrzeugen prüfen. Getestet werden die Autos nicht am Prüfstand, sondern unter Alltagsbedingungen. Die ersten Ergebnisse über den Spritverbrauch von PSA- Fahrzeugen soll T&E bereits im Frühjahr 2016 veröffentlichen, ein Jahr später sollen auch Werte über den Stickoxid-Ausstoß vorliegen.

Die Zusammenarbeit der Franzosen mit T&A ist aus Sicht eines Autoherstellers durchaus gewagt, da die Umweltorganisation seit Jahren zu den scharfen Kritikern der derzeitigen Abgas- und Verbrauchstests auf den Prüfständen zählt. Regelmäßig veröffentlicht T&E Studien, die zeigen, wie weit die Alltags-Verbrauchswerte der einzelnen Hersteller von den offiziellen Verbrauch- und Emissionsangaben abweichen. Über die T&E-Studien hat manager-magazin.de regelmäßig berichtet.

Öffentliche Straßen als Testgebiet

Getestet werden dabei alle wichtigen Modelle des Konzerns, erklärt PSA in einer Pressemitteilung. Ermittelt werden die Alltags-Verbräuche und Emissionen bei Fahrten auf öffentlichen Straßen in der Nähe von Paris - und zwar im Stadtgebiet, auf Überlandstraßen und auf Autobahnen. Um Schummeleien auszuschließen, werden der Testprozess, seine Durchführung und die Messungen von einer unabhängigen, dritten Partei überprüft. PSA will dafür Bureau Veritas beauftragen, ein auf Konformitätsprüfungen und Zertifizierungen spezialisiertes Unternehmen.

Die Initiative zeige, dass ein Autohersteller und eine unabhängige Umweltorganisation eine Übereinkunft zum Wohle der Verbraucherinformation finden können, meint PSA-Chef Carlos Tavares. Und er weist gleich darauf hin, dass die Tests auch die "fortschrittlichen Technologien" zeigen werden, die PSA zur Senkung der Spritverbräuche entwickle.

T&E hofft darauf, dass Autokäufer mit den Testergebnissen leichter die effizientesten Autos wählen können. Die Messungen mit PSA sollen transparente Resultate bringen, auf die sich jeder verlassen kann.

Folgen Sie Wilfried Eckl-Dorna auf twitter
Für PSA könnte die Veröffentlichung der Messwerte jedoch durchaus unangenehme Überraschungen bringen. Denn in der jüngste Studie von T&E von Ende September schnitt ein PSA nicht gerade überragend ab: Der Autohersteller zählte mit Daimler und General Motors zu jenen Konzernen, bei denen die offiziellen Spritverbrauchsangaben am stärksten von den tatsächlichen Verbräuchen im Alltag abwichen - und zwar im Schnitt um fast 40 Prozent. Beim in Europa populären Peugeot 308 stellte die Umweltorganisation sogar einen Unterschied von beinahe 50 Prozent zwischen den offiziellen Spritangaben dem im Alltag gemessenen Verbrauch fest.


Alle relevanten News des Tages gratis auf Ihr Smartphone. Sichern Sie sich jetzt die neue kostenlose App von manager-magazin.de. Für Apple-Geräte hier und für Android-Geräte hier.

Newsletter von Wilfried Eckl-Dorna
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH