Dienstag, 24. Oktober 2017

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Die Auswirkungen des Opel-PSA-Deals auf Volkswagen Wie Opel und Peugeot Volkswagen gefährlich werden können

PSA-Chef Carlos Tavares will aus PSA und Opel einen "europäischen Champion" zimmern

Opel soll noch in diesem Jahr beim Peugeot-Konzern andocken. Der Verbund aus Opel und PSA wäre Europas zweitgrößter Autohersteller. Das sollte Europas Nummer 1, dem Volkswagen-Konzern, Kopfzerbrechen bereiten - in Südeuropa, einigen Wachstumsmärkten und einem Zukunftsfeld.

PSA-Chef Carlos Tavares führt seinen Konzern am liebsten mit klaren Zielvorgaben. Der passionierte Rennfahrer liebt auch den Wettkampf. Einen "echten europäischen Champion" wolle er aus PSA und Opel formen, erklärte der gebürtige Portugiese am Montag. Für den Kauf der deutschen Traditionsmarke soll PSA 1,3 Milliarden Euro bezahlen, dazu kommen noch weitere 900 Millionen Euro für den Kauf des Finanzierungsgeschäfts von GM Europe.

Bis Ende des Jahres soll die Übernahme auch das Placet der Wettbewerbsbehörden haben, hofft Tavares. Wenn alles klappt, steigt der französische Autohersteller mit seinen bisherigen Marken Peugeot, Citroën und DS zur Nummer zwei auf dem europäischen Markt hinter VW auf.

Weltweit wären PSA und Opel/Vauxhall im vergangenen Jahr auf rund 4,1 Millionen verkaufte Pkw und leichte Nutzfahrzeuge gekommen. Das ist zwar noch einige Hausnummern entfernt vom Wolfsburger Autoriesen, der im vergangenen Jahr mit seinen zwölf Marken rund 10 Millionen Fahrzeuge auf die Straßen dieser Welt setzte. Die VW-Bandbreite von der Günstigmarke Skoda bis hin zur absoluten Luxusklasse vom Schlage eines Bentley oder Bugatti kann PSA auch künftig kaum auffahren.

Doch den Verbund aus PSA und Opel sollten die Wolfsburger dennoch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die neue Nummer zwei in Europa könnte dem VW-Konzern in einigen Märkten und Segmenten im Turbo-Tempo das Leben schwer machen - und bei einem wichtigen Zukunftsthema Wasser abgraben. Wo muss sich VW nun künftig richtig anstrengen, wo droht den Wolfsburgern vorerst wenig Gefahr?

1. Südeuropa: Je wärmer, desto kleiner

Mit dem Kauf von Opel und Vauxhall erhöht PSA seine Abhängigkeit vom europäischen Markt. Die Modelle der Rüsselsheimer werden fast ausschließlich auf ihrem Heimatkontinent verkauft, weil General Motors den Export von Opel-Modellen jahrelang kleinhielt. Bei der Modellpalette gibt es viele Überschneidungen: Opel bietet vor allem kleinere Fahrzeuge und Kompaktmodelle an, bei Peugeot und Citroën ist das ähnlich.

Diese werden besonders häufig in Südeuropa gekauft, wie Zahlen des europäischen Autoverbandes ACEA zeigen: In Italien, dem zuletzt viertgrößten Neuwagenmarkt in der EU, waren im vergangenen Jahr 80 Prozent aller verkauften Neuwagen im Bereich "Small" und "Lower Medium" angesiedelt. In Spanien, dem EU-weit fünftgrößten Markt, waren es 72 Prozent. In Deutschland lag der Anteil dieser beiden Segment bei 61 Prozent aller Fahrzeugverkäufe.

Video: Opels Betriebsrat fordert einen Zukunftsplan

Wenn PSA und Opel in Südeuropa ihre Marketingkräfte bündeln und ihr Vertriebsnetz rasch gemeinsam nützen, könnte das ziemlich unangenehm werden für die Wolfsburger. Zudem entwickeln PSA und Opel bereits seit 2012 gemeinsam kleinere Fahrzeuge: Der neue Opel-SUV Crossland X, der Citroen C3 Picasso und der Peugeot 2008 sind in weiten Teilen nahezu baugleich - und werden allesamt im Opel-Werk Saragossa gefertigt.

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