Mittwoch, 21. November 2018

Zulieferstreit mit VW Prevent-Tochter schließt Leipziger Werk

Arbeiter der Neuen Halberg-Guss

Rund 800 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden: Eine Tochterfirma des VW-Zulieferers Prevent will ihre Leipziger Gießerei schließen. Die Unternehmen machen sich gegenseitig Vorwürfe.

Der Streit zwischen dem Autozulieferer Prevent und Volkswagen trifft nun auch die Beschäftigten. Das Prevent-Unternehmen Neue Halberg Guss (NHG) will den Standort Leipzig voraussichtlich bis Ende 2019 schließen.

Für die rund 800 Mitarbeiter will das Unternehmen mit den Betriebsräten einen Sozialplan aushandeln, sagte Werksleiter Thomas Pregel. NHG warf Volkswagen vor, die Abnahmemenge reduziert zu haben, gleichzeitig sollten Kosten gesenkt werden. Volkswagen teilte mit, unternehmerische Entscheidungen der Lieferanten nicht zu kommentieren.

In der VW-Stellungnahme hieß es aber auch: "Fakt ist: Wir haben mit der Neuen Halberg Guss gültige und ungekündigte Lieferverträge und bereits mehrfach einen Beitrag zur Sanierung der NHG" und zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze geleistet.

Langjähriger Konflikt zwischen Prevent und VW

Derzeit würden Chancen für eine längerfristige Lösung ausgelotet, die für beide Seiten tragfähig sei und mit der erneut ein Beitrag zum Erhalt der Arbeitsplätze geleistet werde. Der Restrukturierungsbedarf der NHG sei seit Langem bekannt und "nicht VW anzulasten". Über die Schließung des Werks in Leipzig hatte zunächst der Saarländische Rundfunk berichtet.

Der Konflikt zwischen dem Wolfsburger Konzern und der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor mit deren Zulieferkonzern Prevent schwelt schon lange. 2015 hatte Prevent in Brasilien den Sitzbezughersteller Keiper übernommen. Es folgten Lieferstopp, Preiserhöhungen und schließlich die Kündigung durch VW. Der Zwischenfall brachte Volkswagen 160 Tage Produktionsstopp, ein Minus von 140.000 Fahrzeugen und Zwangsurlaub für rund 18.000 Beschäftigte ein. Auch Daimler liegt mit der Zulieferergruppe im Clinch.

2016 ließ ein Lieferstopp bei den Prevent-Ablegern ES Automobilguss und Car Trim wegen geplatzter Liefervereinbarungen Bänder in mehreren VW-Fabriken still stehen. Die Gießerei NHG hatte Prevent erst vor wenigen Monaten übernommen, und zwar über die zu Prevent gehörende Castanea Rubra Assets GmbH.

IG Metall droht mit Streik

NHG teilte nun mit, die Schließung des Leipziger Werks sei "unumgänglich, da sonst das Unternehmen als Ganzes in seiner Existenz gefährdet wäre". Der Betrieb in Saarbrücken mit derzeit rund 1300 Beschäftigten geht dagegen weiter.

Die IG Metall in Saarbrücken droht mit Streik: Die Belegschaften in Leipzig und Saarbrücken werden "um ihre Arbeitsplätze kämpfen". Die Beschäftigten seien nicht bereit, sich ihrem Schicksal kampflos hinzugeben. Die Metaller beschlossen Forderungen für einen Sozialtarifvertrag.

NHG stellt Kurbelgehäuse, Zylinderköpfe und Kurbelwellen her, vor allem für Grauguss-Dieselmotoren. Allerdings sinkt die Nachfrage nach Autos mit Dieselmotoren in Deutschland seit Monaten als Folge von "Dieselgate" und angesichts drohender Dieselfahrverbote deutlich. Grauguss ist zudem in Zeiten von Leichtbau weniger gefragt.

Anfang April hatte Volkswagen fristlos die Lieferverträge mit ES Automobilguss, Car Trim und einer weiteren Prevent-Tochter gekündigt. Prevent drohte mit einer Klage auf Schadensersatz. Schon damals teilte VW mit: "Volkswagen ist auf eine jederzeit planbare und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit seinen Lieferanten angewiesen." Daher würden bestehende Geschäftsbeziehungen regelmäßig überprüft.

la/dpa/reuters

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