Montag, 16. Juli 2018

VWs Streit mit Krawall-Zulieferer eskaliert Prevent spielt erneut Rambo - und beschädigt Karriere eines VW-Topmanagers

Gießer bei Halberg Guss: Der neue Besitzer Prevent nutzt die Firma für seinen langen Streit mit Volkswagen

Eine neue Geschäftsführung, die im Streit um Lieferverträge Preise um bis zu 1000 Prozent erhöht. Mitarbeiter, die mit einer mehrtägigen Betriebsversammlung die Produktion kurzfristig fast lahmlegen. Ein Landtag, der sich in das Schicksal der Gießerei Neue Halberg Guss einschaltet ... Es geht hoch her im sonst eher beschaulichen Saarland. Der Grund dafür ist ein schon lange schwelender Streit zwischen dem Autoriesen Volkswagen und dem bosnischen Zulieferer Prevent; gestartet in Südamerika und inzwischen in Saarbrücken-Brebach angekommen.

Der Streit hat nach Informationen von manager-magazin.de längst auch die oberen Führungsetagen in Wolfsburg erreicht und dürfte zumindest dazu beigetragen haben, dass einem mächtigen Einkaufsmanager wohl der Aufstieg in den Konzernvorstand verwehrt bleibt. Der aktuelle Zoff hat eine lange Vorgeschichte - deshalb der Reihe nach:

Im Sommer 2016 zwang der bosnische Autozulieferer Prevent, der deutschen Öffentlichkeit bis dahin praktisch unbekannt, den mächtigen Volkswagen-Konzern in die Knie: Im Streit um geplatzte Liefervereinbarungen stoppten die deutschen Prevent-Töchter ES Automobilguss und Car Trim Lieferungen von Getriebebauteilen an Volkswagen. Prevent hatte die beiden deutschen Gießereien erst einige Monate vor dem Streit erworben.

Weil Volkswagen nicht schnell genug auf Ersatzlieferanten ausweichen konnte, standen bei dem Autoriesen mehrere Tage lang Bänder still. Der unfreiwillige Produktionsstopp soll die Wolfsburger einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag gekostet haben. Nach zähen Verhandlungen einigten sich Volkswagen und Prevent auf neue Lieferverträge, die bis Mitte 2018 laufen sollten.

VW sucht heimlich Ersatz, Prevent kauft strategisch geschickt zu

Parallel dazu begann der Volkswagen-Konzern, heimlich nach Ersatz für die nun als unzuverlässig eingestuften Gießereien zu suchen. Nach knapp zwei Jahren hatten die Wolfsburger die neuen Verträge offenbar unter Dach und Fach: Anfang April 2018 kündigten sie die Lieferverträge mit ES Automobilguss, Car Trim und einer weiteren Prevent-Tochter fristlos.

Die Kündigung bereitete Volkswagen gründlich vor: Laut Informationen von manager-magazin.de soll der Zulieferer Adient ein Jahr lang die doppelte Stückzahl gefertigt haben, um den erwarteten Lieferstopp aufzufangen. Doch die Wolfsburger gingen wohl noch etwas weiter, um etwas gegen die in Ungnade gefallenen Prevent-Töchter in der Hand zu haben: Volkswagen soll Untersuchungen über die Prevent-Gruppe in Auftrag gegeben haben - laut VW "im Rahmen des rechtlich Zulässigen", nach Prevent-Lesart eher Bespitzelung.

Prevent drohte Volkswagen wegen der Vertragskündigungen postwendend eine Schadenersatzklage im Milliardenbereich an. Allerdings hatten die streitbaren Bosnier, die in den vergangenen Jahren beim Küchenhersteller Alno für Turbulenzen sorgten, auch auf andere Art vorgebaut für ein weiteres Scharmützel mit den Wolfsburgern. Anfang des Jahres kaufte Prevent die deutsche Gießereigruppe Neue Halberg Guss (NHG) mit rund 2000 Mitarbeitern - von einem Finanzinvestor, der Halberg erst im Juli 2017 übernommen hatte.

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