Montag, 30. Mai 2016

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Neuer VW-USA-Chef Woebcken VWs neuer US-Problemlöser braucht ein richtig dickes Fell

Neuer VW-USA-Chef Hinrich Woebcken: Er muss erstmal die US-Händler besänftigen - und die Justiz
Knorr-Bremse
Neuer VW-USA-Chef Hinrich Woebcken: Er muss erstmal die US-Händler besänftigen - und die Justiz

Er trat vor zwei Jahren als Aufräumer an, um VWs siechendes US-Geschäft wieder auf Kurs zu bringen. Doch die Wucht des VW-Abgasskandals ließ ihm zuletzt kaum eine Chance dazu. Sechs Monate, nachdem Volkswagens Manipulation von Dieselmotoren in den USA aufflog, gibt der Chef von Volkswagen Börsen-Chart zeigen in den USA, Michael Horn, seinen Job auf.

Ebenso schnell präsentieren die Wolfsburger nun einen Nachfolger: Ab April übernimmt Hinrich Woebcken interimistisch als oberster US-Problemlöser. Neben dem Job als VW-USA-Chef wird Woebcken wie vorgesehen auch Leiter der Region Nordamerika, ist also für die Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko zuständig.

Der 55-jährige Wirtschaftsingenieur übernimmt damit einen der härtesten Posten, den der Autohersteller zu vergeben hat - und er muss sich in seinem neuen Job auf heftigen Gegenwind einstellen.

Denn der Druck der Öffentlichkeit und der Behörden gegen Volkswagen ist Nordamerika enorm. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht eine weitere Klage auf den Konzern einprasselt. Zuletzt wurden die Ermittlungen noch in Richtung Steuerverstöße und Bankbetrug ausgeweitet. Wegen der Verpestung der Umwelt drohen dem Konzern Milliardenstrafen. Noch immer gibt es in den USA keine technische Rückruflösung für die rund 580.000 manipulierten Dieselautos, mit der die US-Umweltbehörden zufrieden wären. Dafür hat jener US-Richter, der über die Zulassung der Sammelklagen entscheidet, den Wolfsburgern eine Art Ultimatum gestellt.

Enge Verbindung zum VW-Markenchef

Wie viel Erfahrung Woebcken mit dieser Art der öffentlichen Zurschaustellung von Unzufriedenheit hat, lässt sich aus seinen bisherigen beruflichen Stationen nicht ablesen. Volkswagen selbst hebt die "umfassende internationale Erfahrung" Woebckens bei Produktion und Vertrieb hervor. Die sammelte er in Führungspositionen bei Kraus-Maffei, zudem war er sechs Jahre lang Geschäftsführer des Vertriebs bei dem Maschinenbauer Dürr. Längere Zeit im Ausland hat Woebcken dabei allerdings nicht verbracht.

Klar ist jedoch, dass er in Wolfsburg einen mächtigen Fürsprecher hat: VW-Markenchef Herbert Diess. Als Woebcken im Jahr 2004 bei BMW anheuerte, leitete er zunächst den technischen Einkauf und später den Gesamteinkauf. Sein Chef war der damalige BMW-Einkaufsvorstand Diess, der im Juli 2015 in den Volkswagen-Konzern wechselte. Diess soll es persönlich gewesen sein, der Woebcken den Job als Nordamerika-Leiter der Wolfsburger beschaffte.

Bei seinem letzten Job fehlte Woebcken wohl die richtige Hausmacht. Auf seinem Posten als Nutzfahrzeug-Vorstand bei Knorr-Bremse, den er im April 2014 antrat, hielt es ihn nur ein Jahr. Das hatte mit einer für Woebcken unglücklichen Fügung zu tun. Denn er war als Nachfolger von Knorr-Bremse-Chef Klaus Deller auserkoren, der zum Wälzlagerhersteller Schaeffler wechseln wollte. Das klappte aber nicht, Deller kehrte reumütig in seinen Chefsessel bei Knorr-Bremse zurück. Woebckens Aufstiegspläne waren damit passé. Solche Rankünen sind in seinem neuen als Volkswagens Nordamerika-Statthalter unwahrscheinlich.

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