Freitag, 17. August 2018

Betriebsrat fordert neue Regeln Porsche will Mails in Freizeit löschen lassen

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück: "Abends noch Mails vom Chef lesen und beantworten, ist unbezahlte Arbeitszeit"

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück will aus Sorge vor Burnout in der Belegschaft neue E-Mail-Regeln einführen. Um die Arbeitsbelastung zu senken, sollten Mailkonten von Mitarbeitern im Zeitraum zwischen 19 Uhr und 6 Uhr sowie am Wochenende und im Urlaub gesperrt werden, sagte Hück, der eine entsprechende Betriebsvereinbarung für den Autobauer anstrebt.

"Abends noch Mails vom Chef lesen und beantworten, ist unbezahlte Arbeitszeit, die den Stress erhöht - das geht gar nicht", begründete einer der bekanntesten Betriebsräte Deutschlands. Demnach sollen Mails automatisch an den Absender zurückgeschickt werden und nicht mehr in der Mailbox des Mitarbeiters vorhanden sein, also automatisch gelöscht werden. Dadurch würde die Arbeitsbelastung sinken.

Das Vorhaben wäre eine Verschärfung von Regeln des Porsche-Mutterkonzerns Volkswagen. Bei dem Wolfsburger Autobauer können Tarifbeschäftigte unter der Woche zwischen 18 Uhr und 6 Uhr sowie an Wochenenden keine Dienstmails mehr bekommen oder versenden. Gelöscht werden diese aber nicht - am Morgen ist die elektronische Post dann zu lesen. Das sei "vergleichbar mit einem Funkloch", sagt ein VW-Betriebsratssprecher.

BMW, VW und Daimler haben andere Regeln

So eine Regel geht Hück nicht weit genug. "Was nützt Dir eine Mailsperre, wenn Du ins Büro kommst und erstmal Unmengen an Mails abarbeiten musst." Allerdings soll es Ausnahmen geben. So soll die angestrebte Regel nur für Tarifmitarbeiter gelten, Führungskräfte wären außen vor. Hück hält das auch betriebswirtschaftlich für sinnvoll. "Der Fachkräftemangel wird sich verschärfen, die Suche nach Mitarbeitern wird immer schwieriger - also muss man doch die Belegschaft hegen und pflegen, damit sie möglichst lange im Unternehmen bleibt." Würde man hingegen nichts tun gegen die hohe Arbeitsbelastung, würde sich die Personalnot in der Wirtschaft verschärfen.

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Ein in Ansätzen ähnliches System gibt es beim Autobauer Daimler. Dort können Mitarbeiter ihr Mailkonto so einstellen, dass die elektronische Post im Urlaub automatisch gelöscht und der Absender informiert wird. Das beruht aber auf Freiwilligkeit - eine Pflichtvorgabe gibt es nicht. Das Löschangebot werde durchaus genutzt, so ein Daimler-Sprecher. Eine Statistik über die Nutzung gebe es aber nicht. Das sei eine individuelle Entscheidung des einzelnen Mitarbeiters, die "gefördert und respektiert" werde.

Bei BMW wiederum gibt es ein "Recht auf Nichterreichbarkeit nach Feierabend, im Urlaub und am Wochenende". Zwischendurch blockiert werden die Mailserver bei den Münchnern aber nicht.

rei/dpa

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