29.07.2017

Abgasbetrug

Porsche ruft 21.500 Cayenne zurück

rei mit dpa

DPA

Cayenne-Modelle im Porsche-Werk Leipzig (Archivfoto)

Getty Images

VW-Chef Matthias Müller galt lange als unverdächtig im Skandal um die Abgas-Schummeleien bei Diesel-Motoren. Schließlich leitete Müller jahrelang den Sportwagenbauer Porsche und kam als studierter Informatiker nie in die Nähe der Motorenentwicklung. Doch nun holt auch ihn die Dieselkrise ein. Wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigte, ermittelt sie gegen Müller wegen Verdachts auf Marktmanipulation, weil er im September 2015 im Vorstand der Porsche SE saß. Ermittlungen laufen gegen zahlreiche hochrangige VW-Manager. Einige kostete die Dieselkrise bereits ihre gutdotierten Jobs, wie unser Überblick zeigt.

AFP

Matthias MÜller, Volkswagen-Konzernchef seit 24.09.2016

was gegen ihn läuft: strafrechtliche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts auf Marktmanipulation
Begründung: Müller ist seit 2010 Vorstandsmitglied der Porsche-Holding Porsche SE; Volkswagen und auch die VW-Dachgesellschaft Porsche SE hat möglicherweise bewusst verspätet über die Folgen der millionenfachen Abgasmanipulationen informiert

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Martin Winterkorn, Volkswagen-Konzernchef bis 23.09.2016

was gegen ihn läuft: Untersuchungsausschuss des Bundestags befragte ihn zur Dieselkrise, strafrechtliche Ermittlungen der Staatsanwaltschaften Braunschweig und Stuttgart wegen des Verdachts auf Marktmanipulation
Begründung: Volkswagen hat möglicherweise bewusst verspätet über die Folgen der millionenfachen Abgasmanipulationen informiert
seit wann: Untersuchungsausschuss seit Juli 2016, staatsanwaltliche Ermittlungen seit Juni 2016 nach Strafanzeige der Finanzaufsicht BaFin

DPA

Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Volkswagen AG seit 07.10.2015, davor Finanzvorstand des Volkwagen-Konzerns

was gegen ihn läuft: strafrechtliche Ermittlungen der Staatsanwaltschaften Braunschweig und Stuttgart wegen Verdachts auf Marktmanipulation
Begründung: Volkswagen hat möglicherweise bewusst verspätet über die Folgen der millionenfachen Abgasmanipulationen informiert
seit wann: seit November 2016, Anfangsverdacht hat sich durch Ermittlungen gegen Winterkorn und Diess ergeben

REUTERS

Herbert Diess, VW-Markenchef seit 01.09.2015

was gegen ihn läuft: strafrechtliche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig, wegen des Verdachts auf Marktmanipulation
Begründung: Volkswagen hat möglicherweise bewusst verspätet über die Folgen der millionenfachen Abgasmanipulationen informiert
seit wann: seit Juni 2016, nach Strafanzeige der Finanzaufsicht BaFin

DPA

Gesamter Vorstand der Volkswagen AG im September 2015, von links nach rechts: Jochem Heizmann, Vorstand China; Christian Klingler, damals Vorstand Vertrieb; Andreas Renschler, Vorstand Nutzfahrzeugsparte; Rupert Stadler, Audi-Chef; Matthias Müller, damals noch Porsche-Vorstand; Ex-VW-Chef Martin Winterkorn; Hans Dieter Pötsch, damals Finanzvorstand, jetzt Chef des Aufsichtsrats; Horst Neumann, damals Vorstand Personal; Francisco Javier Garcia Sanz, Vorstand Beschaffung

was gegen sie läuft: Anzeige der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, wegen des Verdachts der vorsätzlichen Marktmanipulation
Begründung: Die BaFin verdächtigt VW, dass der Konzern im September 2015 möglicherweise bewusst verspätet über die finanziellen Folgen des Diesel-Skandals informierte. Bisher laufen aufgrund der Anzeige aber nur staatsanwaltliche Ermittlungen gegen Ex-Konzernchef Winterkorn, VW-Markenchef Diess und seit November 2016 auch gegen VW-Aufsichtsratschef Pötsch
seit wann: Mitte Juni 2016

DPA

Thomas Kuehl, Chef Volkswagen Korea und Johannes Thammer (im Bild), Chef Audi Volkswagen Korea

was gegen sie läuft: Ermittlungen der Bezirksstaatsanwaltschaft Seoul, Südkorea
Begründung: die koreanischen Staatsanwälte ermitteln unter anderem wegen Vorwürfen, dass VW Unterlagen über Abgaswerte geschönt und Teile illegal ausgewechselt habe. Gerüchten zufolge dürfen beide Manager das Land nicht jeweils gemeinsam mit ihren Ehefrauen verlassen.
seit wann: Januar 2016, nach Strafanzeige durch das koreanische Umweltministerium

Volkswagen

Heinz-Jacob Neußer, Entwicklungschef VW-Konzern bis September 2015

was gegen ihn lief: beurlaubt durch den Volkswagen-Konzern im Herbst 2015
Begründung: mögliche Verantwortung im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselmotoren des VW-Konzerns
seit wann: am 28.09.2015 bekanntgeworden

REUTERS

Ulrich Hackenberg, Entwicklungschef Audi bis September 2015

was gegen ihn lief: im Herbst 2015 suspendiert durch die Volkswagen-Konzernführung, per Ende des Jahres ausgeschieden
Begründung: mögliche Verantwortung im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselmotoren des VW-Konzerns
seit wann: vorläufige Suspendierung am 28.09.2015 bekanntgeworden, am 04.12.2015 wurde Hackenberg offiziell verabschiedet und sein Nachfolger Stefan Knirsch benannt

DPA

Stefan Knirsch, Audi-Entwicklungsvorstand Januar bis September 2016

was gegen ihn lief: einvernehmliche Vertragsauflösung mit Audi-Aufsichtsrat
Begründung: Knirsch soll früh von den Manipulationen an Audis 3,0-Liter-Dieselmotoren gewusst haben. Die internen Ermittler der US-Kanzlei Jones Day sollen ihn schwer belastet haben
seit wann: offizielle Audi-Bestätigung der Trennung von Knirsch am 26.09.2016

Porsche

Wolfgang Hatz, Porsche-Entwicklungschef bis September 2015

was gegen ihn lief: im Herbst 2015 suspendiert durch die Volkswagen-Konzernführung, per Mai 2016 ausgeschieden
Begründung: mögliche Verantwortung im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselmotoren des VW-Konzerns.
seit wann: vorläufige Suspendierung am 28.09.2015 bekanntgeworden, Trennung am 03.05.2016 vermeldet, bislang laut Porsche keine Hinweise auf eine Mitverantwortung von Hatz bei der Abgasaffäre

Im Dieselskandal ruft der Autokonzern Porsche europaweit rund 21.500 Fahrzeuge vom Typ Cayenne Diesel mit 3-Liter-Motor zurück. Geplant sei ein Software-Update, teilte Porsche mit. Den Rückruf hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) angeordnet. Zudem verhängte Dobrindt ein Zulassungsverbot für dieses Fahrzeug.

Es sei eine Technik festgestellt worden, die erkenne, dass ein Fahrzeug auf einem Abgasprüfstand stehe, hatte der Minister erläutert. In Tests springe dann eine "Aufwärmstrategie" an, die im realen Verkehr nicht aktiviert werde. "Wir stufen das als unzulässige Abschalteinrichtung ein."

Porsche soll den Einsatz einer illegalen Abschalteinrichtung beim Geländewagen Cayenne nach eigenen Angaben selbst dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gemeldet haben.

AFP

Was nun, Audi? Abgasskandal und interne Querelen setzen Chef Rupert Stadler unter Druck. In diesen unsicheren Zeiten stellt der Hersteller auch technologisch die Weichen für die Zukunft - und in dieser soll der Verbrennungsmotor weiter eine große Rolle spielen.

Audi

Plugin-Hybride: Elektro-Diesel-Zwitter wie der Audi Q7 sind laut den Ingolstädter Entwicklern nur eine Übergangstechnologie - überraschenderweise aber nicht nur zu reinen Batterieautos. Vielmehr sollen sie auch eine Renaissance des Verbrennungsmotors einleiten.

Audi

Mild-Hybride mit 48-Volt-Bordnetz: Eine Lithium-Ionen-Batterie ergänzt die klassische Starter-Batterie und nimmt Energie auf, die ein so genannter Riemen-Starter-Generator beim Bremsen gewinnt. Auf kurzen Strecken wird emissionsfreies Fahren möglich, und auch in anderen Situationen schaltet sich der Motor häufiger mal ab.

AP

Die Mild-Hybrid-Technik soll den Verbrauch spürbar senken und wird im neuen Audi A8 ab Ende 2017 ausgerollt. Sie erhält in Benzin- sowie Diesel-Autos Einzug.

Audi

Erdgasmotoren: Die von Experten vielgelobte, aber vom Kunden verschmähte Technik bekommen eine neue Chance. Zunächst erhalten A4 und A5 den vergleichsweise sauberen Antrieb als Alternative zu Benzin und Diesel.

Audi

Audi selbst stellt dazu Öko-Methan aus erneuerbarem Strom, Wasserstoff und Kohlendioxid im niedersächsischen Werlte her. Mit der neuen Offensive und zusätzlichen Tankstellen soll sich das ändern.

Audi

Künstlicher hergestellter, klimaneutraler Diesel: Der Treibstoff aus dem Labor soll dem Verbrennungsmotor langfristig eine Zukunft ermöglichen. Audi kooperiert dazu mit dem Unternehmen Joule aus den USA.

Audi

Joule entwickelt ein Verfahren, bei dem Sonnenlicht aus genetisch veränderten Mikroorganismen Kohlenwasserstoffe herstellt.

Sunfire

Auch die Dresdner Firma Sunfire arbeitet an Audis Traum klimaneutraler Brennstoffe für den Verbrennungsmotor. Der Treibstoff entsteht aus Ökostrom, Wasserstoff und Kohlendioxid.

DPA

Reine Elektroautos wie der E-tron Quattro (Foto) kommen in Audis Zukunftsstrategie durchaus auch vor. Doch viele Entwickler sehen auch langfristig kein Szenario, dass die Batteriefahrzeuge Wagen mit Verbrennungsmotor komplett ersetzen können.

Audi

Eine wage Wette auf die Zukunft bleibt Wasserstoff: Unter der Bezeichnung H-tron hat Audi einen A7 präsentiert. Doch die weiterhin geringe Dichte des Wasserstoff-Tankstellennetzes, Umwandlungsverluste bei der Treibstoffproduktion und hohe Kosten verhindern bisher einen Durchbruch der Technik.

Audi

Und so soll die Verbrenner-Technik als Audi-Kernkompetenz dem Unternehmen noch lange erhalten bleiben - idealerweise mit klimaneutralen Brennstoffen.

Der Sportwagenhersteller verwendet für die Diesel-Variante des Cayenne Motoren der anderen VW-Tochter Audi. Dort hatten Tests ebenfalls eine unzulässige Abgaseinrichtung bei einigen Modellen ans Licht gebracht. Die Software bewirkt, dass erkannt wurde, wenn das Auto auf einem Prüfstand war. Dann wurden die Abgas-Reinigungssysteme angeschaltet, wie Dobrindt Anfang Juni mitgeteilt hatte. "Der Spiegel" hatte den Fall mit eigenen Tests aufgedeckt.

Audi fürchtete schon 2013 aufzufliegen

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