Mittwoch, 27. Juli 2016

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Beweisaufnahme wieder eröffnet Ex-Porsche-Chef Wiedeking muss in die Verlängerung

Zwei weitere Verhandlungstermine: Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking steht zusammen mit dem ehemaligen Porsche-Finanzvorstand Holger Härter wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation vor Gericht

Der Prozess gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking geht überraschend in die Verlängerung. Das Landgericht Stuttgart hat die Beweisaufnahme wieder eröffnet. Zusätzlich zu den beiden noch ausstehenden Prozesstagen sollten zwei weitere Verhandlungstermine festgesetzt werden, teilte das Landgericht am Mittwoch mit.

Das ursprünglich für 4. März geplante Urteil dürfte sich damit verschieben. Die Entscheidung des Gerichts ist ungewöhnlich, da es die Beweisaufnahme vor dem Plädoyer der Staatanwaltschaft bereits abgeschlossen hatte.

Zu den Gründen für die erneute Beweisaufnahme wollte sich das Gericht am Mittwoch zunächst nicht äußern. Die Deutsche Presseagentur dpa berichtet hingegen, Ausschlag für die Umplanung habe das Plädoyer der Staatsanwaltschaft vergangene Woche gegeben, in der sie die Vorwürfe gegen die früheren Topmanager teils anders begründet hatte.

Wiedeking und Ex-Finanzchef Holger Härter stehen seit Oktober wegen Marktmanipulation vor Gericht. Die Strafverfolger sehen es als erwiesen an, dass die Beschuldigten mit Pressemitteilungen zwischen März und Oktober 2008 den Plan einer Übernahme des viel größeren VW-Konzerns zunächst wahrheitswidrig abgestritten hätten, um Anleger in die Irre zu führen. Mit der Bekanntgabe des Plans am 26. Oktober 2008 hätten sie den VW-Aktienkurs nach oben treiben wollen, um Verlust aus milliardenschweren Optionsgeschäften zu vermeiden.

Wiedeking und Härter hatten die Vorwürfe der Anklage zurückgewiesen. Vergangene Woche hatte die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe für Wiedeking und Ex-Finanzchef Holger Härter sowie Geldbußen für die beiden und den VW-Großaktionär Porsche SE gefordert.

Ein Sprecher der Wiedeking-Verteidiger Hanns Feigen und Walther Graf erklärte, eine erneute Beweisaufnahme sei hilfreich, weil damit auch jüngste, neu erhobene Vorwürfe ausgeräumt werden könnten. So könne ein zügiges Ende des Prozesses mit einem Freispruch erreicht werden.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte dagegen, mit dem Plädoyer keine neue Hypothese aufgestellt zu haben. "Wir halten den Sachverhalt nach den bisher eingeführten Beweismitteln für aufgeklärt." Die Porsche SE lehnte eine Stellungnahme ab.

rei/Reuters/dpa

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