Samstag, 19. Januar 2019

Ex-Porsche-Chef investiert in Motorverbesserer-Startup Wendelin Wiedeking kehrt in die Autobranche zurück - als Investor

Wendelin Wiedeking (Archivbild)

Er hat sein Geld in eine Pizza-Restaurantkette gesteckt, in eine Maßschuh-Manufaktur, in Immobilienunternehmen oder sogar in ein Mode-Startup. Bloß um die Autobranche machte Wendelin Wiedeking einen großen Bogen nach seinem Abgang als Porsche-Chef im Juli 2009. "Ich halte mich da raus", erklärte er noch vor gut einem Jahr, als er sich anlässlich seines 65. Geburtstags zum Abgasskandal und den Problemen der deutschen Autobranche äußerte.

Nun wagt sich der promovierte Maschinenbauer doch ein Stück weit auf sein altes Terrain zurück - nicht als Manager, sondern als Geldgeber und Unterstützer: Wie Bloomberg berichtet, zählt Wiedeking zu den Aktionären des deutschen Motorenentwickler-Startups MWI Micro Wave Ignition AG.

Das in Empfingen in Baden-Württemberg ansässige Unternehmen entwickelt eine Technologie, die Verbrennungsmotoren sparsamer und abgasärmer machen soll. Bei den MWI-Motoren wird das Treibstoff-Luft-Gemisch in den Zylindern mit Mikrowellen statt Zündkerzen entzündet. Das sorgt für eine niedrigere Verbrennungstemperatur. Damit lässt sich der Verbrauch um bis zu 30 Prozent reduzieren, die Emissionen sinken um bis zu 80 Prozent, behauptet MWI.

Noch ist die Mikrowellenzündung nicht serienreif fertigentwickelt. Und manche Forscher bezweifeln, dass das neue Zündverfahren reibungslos funktioniert, wenn ein Fahrzeug beschleunigt. Doch MWI hat bereits die australische Investmentbank Macquarie Capital beauftragt, Investoren und internationale Partner zu suchen, um den neuen Motor bekannt zu machen. Laut Bloomberg soll MWI erste Gespräche mit Autoherstellern aus Südkorea und China führen.

Wiedeking soll zusammen mit anderen privaten Investoren rund 20 Prozent an MWI besitzen,berichtet Bloomberg - und auch seinen guten Namen für das Startup einsetzen. Laut Bloomberg wird Wiedeking in einem MWI-Dokument mit folgenden Worten zitiert: "Ich bin überzeugt, dass MWI eine disruptive Innovation mit riesigem Marktpotenzial ist".

Solche Worte dürften bei potenziellen Investoren Eindruck machen. Denn Wiedekings Verdienst ist es, Porsche vom Pleitekandidaten zur Gewinnmaschine verwandelt zu haben. Als er Anfang der 1990er-Jahre Porsche-Chef wurde, war das Unternehmen tief in der Krise. Wiedeking baute Stellen ab, stellte Produktionsprozesse um und erweiterte die Modellpalette früh um sportliche SUVs. Der Porsche-Aktienkurs stieg unter Wiedeking um das 22-fache, er wurde zum mit Abstand bestverdienenden angestellten Manager Deutschlands.

Unternehmer Wiedeking ist an über 20 Firmen beteiligt

Mit dem gewagten Übernahmeversuch des deutlich größeren Volkswagen-Konzerns verhob sich Wiedeking jedoch. Porsche häufte einen riesigen Schuldenberg an, Wiedeking musste im Juli 2009 gehen. Vom Vorwurf, dabei auch Börsenkurse manipuliert zu haben, wurde Wiedeking im März 2016 freigesprochen.

Einen Chefposten hatte Wiedeking nach seinem Rauswurf bei Porsche nicht mehr inne. Statt Angestellter zu sein, investierte der gebürtige Westfale seither lieber sein bei Porsche verdientes Vermögen in verschiedenste Unternehmungen. Vor gut einem Jahr gab er an, an rund 20 Firmen beteiligt zu sein. Dazu zählt etwa die Pizzakette tialini, die er ab 2012 mit aufbaute und die mit einigen Startschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Anteile hält Wiedeking etwa an der Ferienhausvermietung e-domizil und an der Kreuzfahrt-Plattform e-hoi.

Seinen 30-Prozent-Anteil am Maßschuh-Hersteller Heinrich Dinkelacker hat Wiedeking in eine Beteiligung am Lederschuhhändler Shoepassion umgewandelt, als das Berliner Startup die schwäbische Schuhmanufaktur übernahm. Zuletzt investierte Wiedeking in das Mode-Startup Inspora. Ausgestiegen ist Wiedeking dagegen beim Karstadt-Eigentümer Signa: Seine Anteile an einer Signa-Immobilientochter verkaufte er im Frühjahr 2017.

Eine große Rückkehr in der Autobranche strebt Wiedeking mit seinem MWI-Investment kaum an - aber doch etwas Annäherung. Wie manager magazin Ende Juli berichtete, arbeitet Wiedeking auch wieder für Porsche: Er ist Kuratoriumsmitglied der Ferry-Porsche-Stiftung, die Bildungs- und Sozialprojekte unterstützen soll.

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