Dienstag, 26. März 2019

Bund ordnet Diesel-Rückruf an Zulassungsverbot wegen Betrugs-Software trifft Porsche Cayenne

Porsche Cayenne im Werk Leipzig

Auch die VW-Tochter Porsche hat nach Angaben von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine illegale Abgas-Software in einem Diesel-Fahrzeug eingesetzt. Für europaweit 22.000 Fahrzeuge, davon 7500 in Deutschland, vom Typ Cayenne 3 Liter TDI werde ein Pflicht-Rückruf angeordnet, sagte Dobrindt am Donnerstag in Berlin. Außerdem werde ein Zulassungsverbot für diese Geländewagen erlassen, so dass keine weiteren Exemplare auf die Straße kommen, bis eine andere Software zur Verfügung stehe.

Es sei eine Technik festgestellt worden, die erkenne, dass ein Fahrzeug auf einem Abgasprüfstand stehe, erläuterte Dobrindt. In Tests springe dann eine "Aufwärmstrategie" an, die im realen Verkehr nicht aktiviert werde. "Wir stufen das als unzulässige Abschalteinrichtung ein."

Porsche verwendet für die Diesel-Variante des Cayenne Motoren der anderen VW-Tochter Audi. Dort hatten Tests ebenfalls eine unzulässige Abgaseinrichtung bei einigen Modellen ans Licht gebracht. Die Software habe bewirkt, dass erkannt wurde, wenn das Auto auf einem Prüfstand war - dann wurden die Abgas-Reinigungssysteme angeschaltet, wie Dobrindt Anfang Juni mitgeteilt hatte. DER SPIEGEL hatte den Fall mit eigenen Tests aufgedeckt.

Die Nerven im Konzern liegen blank

Brisant ist dieser Betrug vor allem, weil er neue Autos betrifft, die nach der aktuell besten Schadstoffklasse Euro 6 eingestuft sind - und nach dem Auffliegen des Dieselskandals bei Volkswagen Börsen-Chart zeigen im September 2015 zugelassen wurden. Er stellt daher infrage, ob der Konzern den öffentlich bekundeten Willen zur Besserung tatsächlich ernst meint.

Audi muss deshalb 24.000 Fahrzeuge zurückrufen. Das Unternehmen bestätigte, dass die nun betroffenen Porsche Cayenne von Audi zugelieferte Motoren haben. Volkswagen kündigte an, den von Dobrindt geäußerten Verdacht mit Blick auf sein Modell Touareg zu prüfen. Für ältere Diesel-Fahrzeuge hat Volkswagen an diesem Donnerstag einen freiwilligen Rückruf angeboten, der vier Millionen Autos betreffen könnte.

Innerhalb des Konzerns liegen die Nerven blank. Am Dienstag wies Konzernchef Matthias Müller Porsche-Betriebsrat Uwe Hück zurecht, der sich zuvor über "kranke Motoren" des Schwesterunternehmens Audi beschwert hatte. Porsche erklärte nach Dobrindts Auftritt, man habe die Unregelmäßigkeiten selbst festgestellt und dem Kraftfahrtbundesamt mitgeteilt. Hück zeigte sich am Mittwoch gegenüber einem Reporter der "Bild" höchst erregt:

Porsche war im Zuge der Abgas-Affäre zuletzt auch stärker ins Visier der Stuttgarter Staatsanwaltschaft geraten. Die Behörde nahm vor rund zweieinhalb Wochen Ermittlungen wegen einer möglichen Manipulation der Abgasnachbehandlung an Diesel-Fahrzeugen auf. Sie richten sich gegen unbekannte Mitarbeiter des Autobauers und eines amerikanischen Tochterunternehmens. Es werde der Vorwurf des Betrugs und der strafbaren Werbung geprüft. Nähere Angaben machte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht. Sie hatte im April 2016 Vorermittlungen aufgenommen.

ak/dpa/afp

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