Mittwoch, 29. Juni 2016

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Teure Pickup-Importe in die USA VW verzweifelt an Hühnersteuer

VW Amarok: Der Pickup wird in Argentinien gebaut - in den USA aber wegen der schrägen Einfuhrsteuer erst gar nicht angeboten

Die Amerikaner lieben Pickup-Trucks, den lukrativen Markt teilen sich aber drei US-Hersteller auf. Mit dem brachialen Amarok hätte VW einen potenziellen Angreifer im Programm. Doch die Wolfsburger wagen sich damit nicht auf den US-Markt - wegen einer jahrzehntealten Steuer.

Hamburg - Er ist über fünf Meter lang, zwei Meter breit und fast ebenso hoch: Schon im Stehen wirkt VWs hauseigender Pickup mit dem ungewöhnlichen Namen Amarok eher furchteinflößend. Für Cowboys, die ihre Lasten auf breiten Highways transportieren wollen, wäre das Fahrzeug hingegen wie geschaffen. Doch in den USA bietet Volkswagen Börsen-Chart zeigen seinen martialischen Pritschenwagen erst gar nicht an.

Dabei verkaufen sich Pickups in den USA bestens: Fords F150, General Motors' Modell Chevrolet Silverado und die Dodge Ram-Serie von Chrysler zählen zu der Fahrzeugkategorie - und waren 2014 die drei meistverkauften Neuwagen-Modelle in den USA. Bei Limousinen haben japanische und koreanische Hersteller längst den "Big Three" große Marktanteile abgejagt. Doch im Segment für leichte Nutzfahrzeuge, zu denen die Pickup-Trucks offiziell zählen, dominieren US-Hersteller weiterhin klar: Ford Börsen-Chart zeigen, General Motors Börsen-Chart zeigen und Chrysler Börsen-Chart zeigen kommen zusammen auf über 80 Prozent Marktanteil.

Das hat weniger mit dem Patriotismus der Pickup-Käufer zu tun, sondern mit einem Handelskrieg zwischen Europa und den USA in den 1960er-Jahren. Damals ging es um den Import von billigem US-Geflügel, dem Deutschland und Frankreich im Jahr 1962 mit hohen Zöllen einen Riegel vorschoben. Die USA revanchierten sich mit einer 25-prozentigen Einfuhrsteuer auf landwirtschaftliche Produkte aus Europa. Zu denen zählten nach damaliger US-Auffassung neben Kartoffelstärke und Brandy auch leichte Nutzfahrzeuge. Die sogenannte "chicken tax", also "Hühnersteuer", wurde seither zu großen Teilen aufgehoben - für die Leicht-Lkws gilt sie auch nach über 50 Jahren.

Toyota und Nissan setzen auf Pickup-Produktion in USA

Und sie gilt nicht nur für Fahrzeuge, die in Europa produziert werden. Denn VW fertigt seinen Amarok in Argentinien, müsste aber bei Einfuhr in die USA dennoch die Einfuhrsteuer zahlen. Wozu sie führt, hat das MagazinBloomberg Businessweek vorgerechnet. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines Ford F 150 liegt bei rund 42.000 Dollar. Um dieselbe Summe umzusetzen, müsste VW jedoch 56.000 Dollar verlangen - für den Massenmarkt ist das ein Preis, den nur wenige Kunden zahlen würden.

Eine Handvoll japanischer Autohersteller umgeht das Zoll-Problem durch die Produktion der Fahrzeuge in den USA. Toyota Börsen-Chart zeigen fertigt seine Pickups Tacoma und Tundra in Werken in Texas und Mexiko, Nissans Börsen-Chart zeigen Modelle Frontier und Titan rollen in einem Werk in Mississippi von den Bändern. Toyota hatte mit seinen etwas kleineren Pickups den größten Erfolg und kommt nun auf einen Marktanteil von 12 Prozent. Nissan hält bei mageren vier Prozent.

VW erwägt dennoch US-Nutzfahrzeug-Offensive

Auf der Detroiter Automesse haben Toyota und Nissan nun komplett neue Versionen ihrer Bestseller vorgestellt - und rüsten sich so für die Schlacht um Marktanteile.

VW könnte im US-Markt zusätzliche Absatzmöglichkeiten gut gebrauchen. Doch der Amarok wird erst über US-Highways rollen, wenn die Amerikaner ihre anachronistische Hühnersteuer aufheben. Dass sie dies bald tun, ist unwahrscheinlich. Liberale Thinktanks wie das Cato Institute machen sich seit einem Jahrzehnt für die Abschaffung des Einfuhrhemmnisses stark, bislang jedoch ohne Erfolg.

Dass VW großes Interesse am US-Nutzfahrzeugmarkt hat, deutete ein VW-Manager im September an. "Wir haben den Markt soweit verstanden. Unser weiteres Vorgehen beim Thema USA diskutieren wir derzeit sehr, sehr ernsthaft", sagte der Vorstandschef der Marke Volkswagen-Nutzfahrzeuge, Eckhard Scholz, damals in einem Interview. In den USA gebe es eine Veränderung in Richtung europäischer Konzepte für leichte Nutzfahrzeuge, etwa bei Stadtlieferwagen oder mittelgroßen Transportern. Konkrete Pläne oder mögliche Fahrzeuge für den US-Markt haben die Wolfsburger bislang nicht vorgestellt.

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