Dienstag, 27. September 2016

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Interview mit Abgasexperte Peter Mock Dieser Mann hat aus Versehen VW ins Wanken gebracht

Jettas für den nordamerikanischen Markt: Volkswagen erlebt ein Waterloo - eine kleine Non-Profit-Organisation deckte den Abgas-Skandal auf

Peter Mock vom International Council on Clean Transportation (ICCT) regte an, deutsche Diesel-Autos in den USA zu untersuchen. Eigentlich wollte er nachweisen, dass die Wagen sauber sind. Stattdessen deckten die Tests einen der größten Skandale in der Geschichte der Automobilindustrie auf.

mm.de: Herr Mock, die Untersuchungen Ihres Instituts haben gerade zur Folge, dass der Volkswagen-Konzern in eine echte Existenzkrise gerät. Verwundert Sie die Dimension des Falls?

Peter Mock, Managing Director der Organisation ICCT in Deutschland: "Ziel war es zu zeigen, dass die deutschen Autos in den USA sauberer sind als in Europa, weil die Normen in den Vereinigten Staaten strenger sind"
Mock: Ich bin nicht wirklich überrascht. Wir haben unsere Studie vor gut einem Jahr vorgelegt und die Auffälligkeiten bei den Fahrzeugen klar benannt.

mm.de: Warum platzt die Bombe erst jetzt?

Mock: In der Studie sind die Fahrzeugmodelle nicht genannt. Dann hat die US-Umweltbehörde den Faden aufgenommen, und die Sache nahm ihren Lauf. Erst am Freitag war für die Öffentlichkeit klar, um welche Fahrzeuge es geht.

mm.de: Sie und ihre Kollegen haben angeregt, deutsche Dieselfahrzeuge genauer zu untersuchen. War Ihnen am Anfang der Tests klar, dass Sie damit einen Weltkonzern ins Wanken bringen?

Mock: Nein. Ursprünglich wollten wir Fahrzeuge von drei deutschen Herstellern prüfen. Ziel war es zu zeigen, dass die deutschen Autos in den USA sauberer sind als in Europa, weil die Normen in den Vereinigten Staaten strenger sind.

mm.de: Welche Wagen haben Sie getestet?

Mock: Einen VW Jetta, einen VW Passat und einen BMW X5. Wir wollten auch einen Mercedes untersuchen, doch wir haben keinen bekommen. (Lesen Sie dazu auch den Nachtrag von Peter Mock am Ende des zweiten Teils, Anmerkung der Redaktion.)

mm.de: Der Jetta und der Passat haben bei den Tests offensichtlich versagt. Was war mit dem BMW?

Mock: Der Wagen hat gute Ergebnisse erzielt. Es hat sich offenbar ausgezahlt, dass BMW zwei verschiedene Abgasfiltersysteme kombiniert.

m m.de: Und Volkswagen?

Mock: In den VW-Modellen hat der Hersteller jeweils nur ein Reinigungssystem eingebaut. Beim Passat handelt es sich um ein SCR-System, bei dem Harnstoff - auch "Ad Blue" genannt - zugefügt wird. Beim Jetta ist es ein LNT-System, bei dem der Filter regelmäßig gereinigt werden muss.

mm.de: Und beides hat nur auf dem Prüfstand richtig funktioniert...

Mock: Richtig. Auf der Straße hat die Passat-Abgasreinigung offenbar zu wenig Harnstoff bekommen und das System des Jetta wurde zu selten gereinigt.

mm.de: Beim Passat wollte Volkswagen den Kunden offenbar nicht zumuten, häufig stinkenden Harnstoff nachzufüllen. Und was war beim Jetta los?

Mock: Je häufiger der Abgasfilter gereinigt wird, desto mehr Sprit verbraucht der Wagen. Hersteller können in solchen Fällen aber auch einen größeren Filter einbauen. Der kostet nur 100 bis 200 Euro mehr.

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