Samstag, 10. Dezember 2016

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Abgasprobleme beim Zafira Mysteriöses "Service-Update" stürzt Opel in Erklärungsnot

Familienkutsche in der Kritik: Der Opel Zafira stößt in einer Dieselversion laut Umweltschützern zu viel Stickstoffdioxid aus - mit tödlichen Folgen
Jürgen Pander
Familienkutsche in der Kritik: Der Opel Zafira stößt in einer Dieselversion laut Umweltschützern zu viel Stickstoffdioxid aus - mit tödlichen Folgen

Opel Zafira und kein Ende: Dass die Familienkutsche in einer Dieselversion viel zu viele giftige Gase ausstößt, ist länger bekannt. Bekannt ist auch, dass sowohl Opel selbst als auch das Bundesverkehrsministerium die auffälligen Testergebnisse einträchtig herunterspielen.

Doch nun deutet eine Recherche des belgischen Staatsfernsehens darauf hin, dass die General-Motors-Tochter selbst in höchster Aufregung angesichts der katastrophalen Abgaswerte ist. Den Reportern zufolge hat Opel in Belgien Zafiras für ein "Service-Update" in die Werkstatt gerufen, nach dem sich die Abgaswerte auf wundersame Weise verbesserten.

Im Anschluss an den Werkstattbesuch stießen die Fahrzeuge demnach plötzlich dreimal weniger Stickstoffdioxid aus als zuvor. Das TV-Team hatte unabhängige Tester damit beauftragt, die Werte vor und nach dem Update zu untersuchen.

"Es besteht der Verdacht, dass Opel heimlich das Emissionsverhalten seiner Autos verbessert", sagte Abgasexperte Thomas More von der britischen Firma Emissions Analytics gegenüber der "Financial Times" (FT). Das Unternehmen war an den Tests für das belgische Fernsehen beteiligt.

Opel: Keine modifizierte Software aufgespielt

Opel stellt klar, die Monteure hätten jedenfalls nicht die Motorsoftware der Zafiras erneuert. "Es ist nicht zutreffend, dass Opel-Händler beim Zafira Tourer mit 1.6-Liter-Dieselmotor eine modifizierte Software aufgespielt haben, die das Abgasverhalten des Fahrzeugs verändert", teilte das Unternehmen mit. Konkurrent Volkswagen hatte im Herbst eingestanden, die Motorsoftware verschiedener Dieselautos jahrelang manipuliert zu haben.

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Dies habe Opel nicht getan, betont das Unternehmen. Betroffen seien in Belgien zudem nur 309 Fahrzeuge von dem Service-Update, mit dem das ungewünschte Aufflackern einer Kontrolllampe beseitigt werden solle. Ob und wie viele Zafira in Deutschland dem Service Update unterzogen wurden, konnte ein Opel-Sprecher gegenüber manager-magazin.de zunächst nicht sagen.

Eine Erklärung für die wundersame Abgasreduktion lieferte das Unternehmen jedoch nicht. "Abgastests an Fahrzeugen sind ein komplexes Thema", heißt es in der Opel-Stellungnahme lediglich. Die genannten Daten, die von Emissions Analytics veröffentlicht wurden, reichten nicht aus, um die Ergebnisse zu interpretieren.

EU-Agentur: Jährlich 10.400 Tote durch Stickoxide allein in Deutschland

Die Rüsselsheimer stehen beim Thema Abgas unter Druck. Im Herbst hatte die Deutsche Umwelthilfe beim Zafira mit 1,6-Liter-Dieselmotor einen extrem hohen Ausstoß von Stickoxiden nachgewiesen.

Im Alltagsverkehr stößt er demnach bis zu 17-mal mehr von der Substanz aus als auf dem Prüfstand erlaubt. Damit schneidet der Wagen schlechter ab als manches Modell aus dem vom Abgasskandal gebeutelten VW-Konzern. Offiziell erfüllt der Zafira dagegen die Euro-6-Abgasnorm, nach der ein Fahrzeug maximal 80 Milligramm Stickoxid je Kilometer ausstoßen darf.

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Die Europäische Umweltagentur macht Stickoxide für jährlich 10.400 vorzeitige Todesfälle allein in Deutschland verantwortlich. Zudem verursachen die Gase Lungenödeme und Impotenz bei Männern. Ein Großteil dieser Abgase entsteht in den Motoren von Dieselfahrzeugen. Autohersteller und Bundesregierung haben sich aus Kostengründen jedoch wiederholt für lasche Grenzwerte stark gemacht, die zudem nur auf dem Rollenprüfstand und nicht auf der Straße unterschritten werden müssen.


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