Dienstag, 16. Oktober 2018

Opel-Modellentwicklung im neuen PSA-Verbund Um die Hälfte billiger

Im Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim werden gut 1000 Ingenieure nicht mehr gebraucht. Der neue Eigentümer PSA will mehr einheitliche Teile verwenden und Opel-Modelle künftig auf PSA-Plattformen fertigen lassen

Nach der Einigung mit den Beschäftigten will Opel künftig die Vorteile aus dem neuen Konzernverbund heben. Mit mehr einheitlichen Teilen wird die Entwicklung billiger - vereinzelt um bis zu 50 Prozent, behauptet Opel-Chef Michael Lohscheller. Aber wie deutsch darf Opel bleiben?

Der Autohersteller Opel kann künftige Fahrzeuge im Verbund mit der neuen Konzernmutter PSA deutlich kostengünstiger entwickeln. Opel-Chef Michael Lohscheller bezifferte am Montag die Vorteile auf 20 bis 50 Prozent im Vergleich zum jeweiligen Vorgänger für sämtliche neuen Modelle. An der Spitze stehe der für das kommende Jahr geplante Corsa, der für rund die Hälfte der Kosten entwickelt werde, die noch unter Regie des früheren Mutterkonzerns General Motors angefallen waren. Das Schwestermodell zum Peugeot 208 soll inklusive einer vollelektrischen Variante im spanischen Saragossa montiert werden.

Opel war im vergangenen August von der Peugeot-Mutter PSA übernommen worden. Ende Mai haben sich Unternehmen und Arbeitnehmer auf eine umfassende Beschäftigungssicherung bis einschließlich Juli 2023 geeinigt. Gegen Lohnzugeständnisse der verbleibenden Beschäftigten sicherte Opel zu, den Stamm in den deutschen Standorten von bislang rund 19.000 Menschen nur um 3700 zu vermindern, auf freiwilliger Basis über die verschiedenen Abfindungs- und Vorruhestandsprogramme.

Die exakte Planung zur künftigen Auslastung der Werke lag bislang nicht vor. Lohscheller kündigte weitere Investitionsentscheidungen für Rüsselsheim und Kaiserslautern in den kommenden Monaten an. In Rüsselsheim ist neben dem Spitzenmodell Insignia ein weiterer großer Wagen geplant, der dann bereits auf der PSA-Plattform stehen wird.

Tavares will Opel als deutsche Marke erhalten

PSA-Chef Carlos Tavares hatte angekündigt, Opel als deutsche Marke zu erhalten. Das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim soll dabei eine wichtige Rolle spielen und den markenspezifischen Charakter von Opel erhalten.

Die neuen Modelle sollen bis 2024 sämtlich auf den beiden PSA-Konzern-Plattformen stehen, die jeweils rund 60 Prozent der Materialkosten eines Autos beinhalten. Rundum werden Antriebe und Komponenten kombiniert. "Hardware, Software, die Wahl der Module, verschiedene Abstimmungen, Kalibrierungen - all das hilft uns auch, jedem Auto einen markenspezifischen Charakter mitzugeben und unsere DNA sicherzustellen", erklärte Entwicklungschef Christian Müller.

Allein im Entwicklungszentrum fallen 1000 Jobs weg

Im Entwicklungszentrum fallen im Sanierungsprozess rund 1000 Stellen weg, erklärte Lohscheller. Er lobte die konzernweite Verantwortlichkeit des Opel-Zentrums unter anderem für eine neue Benzinmotoren-Familie, die Brennstoffzelle oder die Sitze. "Die Verantwortung für das Segment der leichten Nutzfahrzeuge ist sehr wichtig für uns und wird bislang von vielen unterschätzt. Der PSA-Konzern ist dort bereits jetzt europäischer Marktführer. Wir bei Opel wollen dieses Geschäft ausbauen."

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer warnt hingegen vor dem eingeschlagenen Sanierungskurs. Opel "degeneriert zu einer PSA-Hülle", fasste er seine Kritik kürzlich in einer Studie zusammen. Die Werke Eisenach und Kaiserslautern sowie der Stammsitz Rüsselsheim würden nach seiner Interpretation der Pläne künftig nicht mehr im heutigen Umfang gebraucht.

Auch reichten die vom PSA-Konzern zugesicherten Entwicklungskompetenzen für eine Auslastung des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums mit mehr als 7000 Ingenieuren nicht aus. Leichte Nutzfahrzeuge würden aus klassischen Pkw-Plattformen abgeleitet und die an den Opel-Stammsitz vergebene Brennstoffzelle werde auf Jahre kaum eine Rolle spielen, widersprach er schon
Ende Mai der Argumenation des Managements.

Unter Regie von GM entwickelte Autos verkauften sich besser

Auf dem deutschen Markt verkauften sich die noch unter der Regie des Alt-Eigentümers General Motors entwickelten Autos besser. Opel müsse zudem auch die neuen Modelle mit rund 40 Prozent Eigenzulassungen stützen, was den Gewinn pro Auto schmälere. Diesen Effekt herausgerechnet, werde Opel im kommenden Jahr einen "wahren" Marktanteil von unter 5 Prozent in Deutschland erreichen. Derzeit liegt die Marke mit dem Blitz bei 6,5 Prozent.

Rei/dpa

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