Samstag, 16. Dezember 2017

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Opels Zukunftsplan - erste Einblicke in neue Modellpalette Opel beerdigt Ampera E - und darf unter Peugeot in die Welt hinaus

Spielt bei Opel künftig keine Rolle mehr: die einstige Elektro-Hoffnung Ampera-e

Bei seinem Neustart will der Autohersteller Opel ohne betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen auskommen. Die Lohnkosten sollen über Abfindungen, innovative Arbeitszeitkonzepte und Altersteilzeit gesenkt werden, kündigte das vom französischen PSA -Konzern übernommene Unternehmen am Donnerstag in Rüsselsheim bei der Vorstellung seines Zukunftsplanes an.

Die genaue Gestaltung wie auch der Zeitraum des Kündigungsschutzes ist allerdings noch Gegenstand von Verhandlungen mit den Arbeitnehmern. (Exklusive Details des Plan lesen Sie in der mm-Geschichte "Ich bin Opel") Bis Ende 2018 sind die rund 19 000 Opel-Beschäftigten in Deutschland ohnehin vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen gemeinsam mit der britischen Schwestermarke Vauxhall rund 38.000 Menschen an zehn europäischen Standorten.

Opel will bei seinem Sanierungsprogramm "Pace" (engl. Tempo) mit einem schnellen Schwenk auf die Technologie des neuen Mutterkonzern PSA in die Gewinnzone kommen. Dafür werden auch zwei bereits geplante Modelle, die noch auf der Technik des früheren Eigners General Motors basieren, in den Werken Eisenach und Rüsselsheim durch neue Projekte auf PSA-Plattformen ersetzt.

Die Kosten pro hergestelltem Auto sollen um 700 Euro sinken, so dass bereits ab 800.000 Autos die Gewinnzone erreicht werde, kündigte Opel an.

Fahrzeuge auf GM-Basis sollen bis 2024 verschwinden

"Dies ist ein großer Tag für Opel", sagte der neue Opel-Chef Michael Lohscheller. Es seien Elektrovarianten für jede Baureihe vorgesehen. Dabei spielt der noch von GM entwickelte Ampera-E keine Rolle mehr.

Im Jahr 2020 will Opel mit PSA-Technologie bereits vier Elektro-Modelle inklusive des neuen Corsa auf dem Markt haben und vier Jahre später jedes Modell auch in einer E-Variante anbieten können. Zu diesem Zeitpunkt soll es keine Fahrzeuge auf GM-Basis mehr im Programm geben. Jeder neue Opel werde im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum geplant.

Durch eine schlankere Produktpalette, eine kostengünstigere Produktion sowie einen gemeinsamen Einkauf will Opel/Vauxhall bis 2020 jedes Jahr 1,1 Milliarden Euro Kosten einsparen. So soll ein operativer Gewinn in Höhe von 2 Prozent des Umsatzes erreicht werden. Danach sollen es sogar 1,7 Milliarden Euro jährliche Einsparungen sein, wie Lohscheller erklärte. Opel plant eine Exportoffensive, mit der bis 2022 rund 20 neue Märkte erschlossen werden sollen. Der Gang nach China und Brasilien werde darüber hinaus geprüft, kündigte der Opel-Chef an.

Der einstmals glanzvolle Autohersteller mit Stammsitz in Rüsselsheim hat unter der Ägide des bisherigen Besitzers General Motors seit 1999 keinen Jahresgewinn mehr geschafft. Zum 1. August dieses Jahres hat die Peugeot/Citroën-Mutter PSA das Unternehmen samt der britischen Schwestermarke Vauxhall übernommen. PSA-Chef Carlos Tavares hat die Opel-Fabriken als vergleichsweise ineffizient bezeichnet und das deutsche Management mit einem Sanierungsplan beauftragt.

Endlich global: Opel darf neue Märkte außerhalb Europas besetzen

Opel darf unter Führung seiner französischen Muttergesellschaft PSA Peugeot Citroen neue Märkte außerhalb Europas erobern - in der Vergangenheit hatte General Motors dies untersagt. Bis 2022 werde der Autobauer auf mehr als 20 weiteren Exportmärkten tätig sein, kündigte der Lohscheller an.

"Opel wird global werden - endlich." Die frühere amerikanische Opel-Mutter General Motors hatte die Rüsselsheimer auf Europa beschränkt und damit wichtiger Wachstumschancen beraubt.

PSA-Chef Carlos Tavares nahm bei der Analyse des seit Jahren Verluste schreibenden Unternehmens kein Blatt vor den Mund: "Opel ist in einer dramatischen Lage - es darf keine Zeit verschwendet werden." So wäre der Autobauer derzeit nicht in der Lage, das Ziel von 95 Gramm Kohlendioxidausstoß je Kilometer zu schaffen und müsste nach jetzigem Stand empfindliche Strafen zahlen. Erst am Mittwoch hatte die EU-Kommission eine weitere Absenkung der CO2-Grenzwerte um 30 Prozent bis 2030 gefordert, um die Autobauer zu mehr Klimaschutz zu zwingen.

"Wir werden jeden Stein umdrehen, um Kosten zu senken", sagte Lohscheller. Tavares kündigte auch "unpopuläre" Entscheidungen an, nannte aber keine Details.

Globale Expansion wird teuer

Bis Opel auf den Auslandsmärkten wirklich gute Geschäfte machen kann, werde es dauern, mahnte Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer. Auch die Rüsselsheimer sind vorsichtig: Bis Mitte des kommenden Jahrzehnts will Opel mindestens zehn Prozent des Absatzes mit Exporten machen. Der Aufbau eines Vertriebs in neuen Ländern kostet aber viel Geld. Und auf dem attraktiven US-Markt darf Opel wegen der früheren Mutter GM erstmal nicht tätig werden.

Die Ziele zu Kosten und Renditen sind trotz des beschleunigten Wechsels zu PSA-Technologie noch die gleichen wie im Frühjahr angekündigt: Demnach soll Opel binnen drei Jahren in die Gewinnzone geführt werden und ab 2020 eine Rendite von zwei Prozent erzielen. Bis 2026 sollen es sechs Prozent sein. Die Kosten sollen um 1,1 Milliarden Euro jährlich bis 2020 und um 1,7 Milliarden bis 2026 sinken.

luk, dpa-afx, reuters

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