Sonntag, 25. Juni 2017

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Berater erwartet knallharte Opel-Sanierung "PSA kann bei Opel locker 10.000 Arbeitsplätze wegstreichen"

Opel-Palette vom ersten Kadett (1936) bis zum neuen Astra (2016): Peugeot wird knallhart sanieren, warnt ein Frankreich-Kenner

Marc Staudenmayer hat viele Jahre als Berater in Frankreich gearbeitet und dabei auch die französischen Autobauer PSA und Renault beraten. Im Interview sagt er, warum Opel unter Peugeot eine knallharte Sanierung bevorsteht und warum der Kaufpreis symbolisch ausfallen dürfte.

manager-magazin.de: Herr Staudenmayer, Sie haben lange in Paris gelebt und kennen die französische Industrie gut. Zu größeren Wirtschafts-Deals melden sich Frankreichs Politiker und Gewerkschafter üblicherweise schnell zu Wort. Bei der geplanten Opel-Übernahme durch den französischen Autokonzern PSA (Peugeot, Citroën) ist das nicht der Fall, obwohl der französische Staat 14 Prozent der PSA-Anteile hält. Warum?

Marc Staudenmayer
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    Marc Staudenmayer, 49, ist Geschäftsführer und Senior Partner der Strategieberatung Advancy. Er hat mehr als 20 Jahre Beratungs-erfahrung, u.a. in der Automobilindustrie.

Marc Staudenmayer: Zum einen ist die französische Regierung um Präsident Francois Hollande derzeit sehr schwach. Sein Premierminister Manuel Valls trat im Dezember zurück, um in den Präsidentschaftswahlwahlkampf einzusteigen. Die Vorwahlen hat Valls verloren, er ist damit ganz raus. Und im Fall der Opel-Übernahme ist Frankreich nicht das attackierte Land und damit in der Defensive, sondern in der Offensive. Für französische Politiker ist es beinahe undenkbar, dass bei dem Zukauf eines Unternehmens im Ausland auch im Inland Arbeitsplätze wegfallen könnten.

mm.de: Dabei könnten beim Zusammengehen von PSA Börsen-Chart zeigen und Opel ja auch Jobs in Frankreich auf der Kippe stehen.

Staudenmayer: Auch wenn es betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre, wird sich PSA kaum an Stellenstreichungen im eigenen Land heranwagen. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass die Gefahren für die Opel-Gruppe viel größer sind, als viele in Deutschland annehmen.

mm.de: Branchenkenner sprechen von rund 6500 Opel-Jobs, die bei einer PSA-Übernahme gefährdet sein könnten. Das wären rund 17 Prozent der insgesamt 38.000 Stellen von GM Europe. Halten Sie das für realistisch?

Staudenmayer: Ich halte diese Zahl für stark untertrieben. Opel schreibt seit mehr als einem Jahrzehnt Verluste und wird von General Motors Börsen-Chart zeigen durchgefüttert. PSA kauft Opel nur, wenn sie das Unternehmen knallhart sanieren können. Die müssen Opel auf eine normale Rendite bringen. Ich gehe davon aus, dass PSA kein Opel-Hauptquartier mehr in Deutschland benötigt, sondern Opel als Landesgesellschaft aus der Pariser Zentrale steuert. Dann können sie locker 10.000 Arbeitsplätze bei Opel wegstreichen. Unter einen Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen wird die Marke auch nicht rentabel.

mm.de: Aktuell versuchen deutsche Politiker und Gewerkschafter ja, die Opelaner mit Meldungen über Job- und Standortgarantien zu beruhigen. Was halten sie davon?

Staudenmayer: Die Manager von General Motors werden nicht auf die Zustimmung der Bundesregierung pochen, um Opel zu verkaufen. Im aktuellen Wahlkampf tun alle deutschen Politiker so, als könnten sie hier etwas bewirken. Doch am Ende macht ein Käufer doch, was er will. Kein Politiker kann solche Versprechungen über die Sicherung von Arbeitsplätzen einhalten. Das ist auch gar nicht ihre ordnungspolitische Aufgabe, schon gar nicht in einem Land, in dem von ein paar Ausnahmen abgesehen Vollbeschäftigung herrscht.

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