Donnerstag, 26. April 2018

Druck auf Opel steigt, Kurzarbeit für 6 Monate Opel stemmt sich mit allen Mitteln gegen Entlassungen

Opel in Rüsselsheim: Am Stammsitz ist auch die Verwaltung und Entwicklung von Kurzarbeit betroffen

Weniger Leiharbeiter, früherer Renteneintritt und jetzt noch sechs Monate Kurzarbeit - Opel versucht alles, um die Kosten zu senken. Die Mitarbeiter sind zwar bis Ende 2018 geschützt, doch dann läuft auch für sie die Schonfrist ab. Und PSA-Chef Carlos Tavares kennt kein Pardon: In Großbritannien streicht der französische Mutterkonzern weiter Jobs.

Noch in dieser Woche beginnt im Opel-Werk in Rüsselsheim eine voraussichtlich sechsmonatige Kurzarbeit. Die Bundesagentur für Arbeit habe dies bewilligt, erklärte ein Unternehmenssprecher. Geschäftsleitung und Betriebsrat hatten in Abstimmung mit der IG Metall die Kurzarbeit im Stammsitz des Unternehmens vereinbart. Betroffen sind sowohl die Produktentwicklung als auch Verwaltungsbereiche.

Die Kurzarbeit war bereits im Dezember vereinbart worden, um das Arbeitsvolumen an den deutschen Standorten mit derzeit noch rund 19.000 zu verringern. Dadurch sollen bei dem vom französischen PSA -Konzern übernommenen Autobauer Entlassungen vermieden werden.

In den britischen Vauxhall-Werken hingegen streicht der Mutterkonzern weitere 250 Stellen. In Ellesmere Port werde es ab April nur noch eine Schicht geben, hatte PSA Montag mitgeteilt. Bereits im Oktober hatte der Konzern den Abbau von 400 Stellen dort angekündigt. Das entsprach in etwa einem Viertel der Belegschaft. In der Fertigungsstätte wird das Modell Astra gebaut.

Weniger Leiharbeiter, früherer Renteneintritt

Nicht nur mit Kurzarbeit will Opel-Chef Michael Lohscheller die Lage entschärfen. Im vergangenen Dezember hatte er angekündigt, das Altersteilzeitprogramm bis auf den Geburtsjahrgang 1960 auszuweiten. Es gebe auch Vorruhestandsregeln für Mitarbeiter, die 36 Monate vor dem frühestmöglichen Renteneintritt sind. Die Vereinbarung zwischen Management und Betriebsrat sieht zudem eine deutliche Verringerung der Zahl der Leiharbeiter in den Produktionswerken Rüsselsheim und Kaiserslautern vor.

Peugeot-Chef Tavares: Opel-Turnaround könnte länger dauern

Nach der Übernahme durch den PSA-Konzern sind die Opel-Mitarbeiter in Deutschland bis Ende 2018 vor betriebsbedingten Entlassungen geschützt. Auch Werkschließungen sind zunächst nicht vorgesehen.

Was ab 2019 passiert, ist unklar. Das Sanierungsprogramm "Pace" soll Opel wieder in die Gewinnzone bringen. Dabei wird auch auf neue Technologien und Ideen gesetzt. In Rüsselsheim sollen globale Kompetenzzentren für die gesamte PSA-Gruppe entstehen. Als erste Aufgabenfelder sind die Entwicklung von Brennstoffzellen, ausgewählten Assistenzsystemen und Technologien zum automatisierten Fahren vorgesehen.

"Wenn wir unseren Plan rigoros umsetzen, wird es jede Menge Arbeit geben. Wenn nicht, haben wir alle massive Probleme, ganz klar", sagte PSA-Chef Tavares zuletzt im Interview mit manager magazin. Tavares stellte klar, dass die Arbeitskosten bei Opel weiter gesenkt werden müssten, widersprach aber entschieden Spekulationen, dass er in den nächsten drei bis vier Jahren bis zu 4500 Arbeitsplätze bei Opel streichen wolle.

rei/dpa/Reuters

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