Montag, 11. Dezember 2017

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Verkaufsgespräche mit Peugeot GM-Chefin Barra: Opel bleibt auch nach Verkauf erhalten

Mittendrin: GM-Chefin Mary Barra zwischen US-Präsident Donald Trump (l.) und dessen Wirtschaftsberater, Ex-Goldman-Sachs-Vize Gary Cohn

Der Autohersteller Opel soll auch nach einem möglichen Verkauf an den französischen Konkurrenten PSA Peugeot Citroën als eigenes Unternehmen geführt werden. Das habe Mary Barra, die Chefin der amerikanischen Opel-Mutter GM, am Mittwoch bei ihrem Besuch in Rüsselsheim zugesagt, erfuhr manager-magazin.de aus Verhandlungskreisen. Danach habe Barra versichert, der PSA-Lenker Carlos Tavares wolle zunächst auf Kontinuität setzen. So solle der Opel-Vorstand im Amt bleiben. Das beinhalte auch den aktuellen Opel-Chef Karl-Thomas Neumann.

Für Barra sei der Verkauf der deutschen Tochter das klare Ziel der Gespräche, berichten Beteiligte. Für PSA sei dagegen auch eine Vertiefung der bereits bestehenden Kooperation der Marken vorstellbar, heißt es in Frankreich. Barra offeriere PSA-Chef Tavares unter anderem, die Franzosen könnten künftig in Europa GMs Elektroplattform nutzen. Offenbar soll PSA dafür eine Lizenzgebühr zahlen. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann will die Marke bis 2030 zu einem reinen Anbieter von Elektroautos machen, wie das manager magazin in seiner März-Ausgabe berichtet (Lesen Sie den Beitrag hier). Dieses Szenario sei auch unter PSA-Führung denkbar, heißt es in Verhandlungskreisen.

Die Franzosen entwickeln gemeinsam mit ihrem chinesischen Partner und Großaktionär Dongfeng Elektroautos. Die ersten Modelle auf Basis der neuen Architektur sollen allerdings erst 2019 fertig werden. GM bringt gerade den Chevrolet Bolt und den Opel Ampera e auf den Markt, zwei Elektro-Kleinwagen mit rund 500 Kilometer Reichweite.

Die Konzernspitzen von GM und PSA verhandeln schon seit Monaten über einen Verkauf von Opel oder eine stärkere Zusammenarbeit Opels mit den

französischen Marken Peugeot und Citroën. PSA erwarte sich von einem Kauf und den dadurch höheren Verkaufszahlen vor allem niedrigere Kosten pro Auto, berichten involvierte Manager. Die Gespräche hätten ursprünglich schon Anfang März beendet werden sollen.

Da der mögliche Verkauf aber immer mehr zum Politikum werde, könnten sich die Verhandlungen jetzt etwas länger hinziehen. Die Opel-Spitze geht nach den Gesprächen mit Barra und angesichts der massiven Einmischung der Politik auch davon aus, dass PSA-Chef Tavares nicht so schnell restrukturieren kann, wie es viele im Top-Management für sinnvoll hielten.

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