Freitag, 15. Dezember 2017

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"Erst mal besser machen und Erfolge zeigen" Ex-Opel-Chef Neumann wehrt sich gegen "arrogante" Tavares-Kritik

Karl-Thomas Neumann
imago/ onemorepicture
Karl-Thomas Neumann

Die heftige Kritik von Peugeot-Chef Carlos Tavares an veralteten Strukturen bei der neuen Tochter Opel hat ein bissiges Echo von Ex-Opel-Chef Karl-Thomas Neumann sowie dem Betriebsrat der Rüsselsheimer ausgelöst. "Erst mal besser machen und Erfolge zeigen", twitterte Neumann und nannte dabei ein Interview, das Tavares der Zeitung "Die Welt" gegeben hat, "arrogant".

Tavares hatte dem Blatt gesagt, viele Strukturen bei Opel seien nicht schlank genug. "Mein Eindruck ist, viele Probleme rühren daher, dass Dinge bei Opel überdimensioniert sind, dass sie zu viel Energie verbrauchen, dass Abläufe nicht effizient genug sind", sagte der PSA-Chef.

Der Gesamtbetriebsratschef des Autobauers, Wolfgang Schäfer-Klug, hat derweil der früheren Konzernmutter General Motors (GM) die Schuld an den von Tavares beklagten Missständen gegeben. "Ursache sind insbesondere die überkomplexen GM-Plattformen, auf denen die Fahrzeuge stehen, und die überzogenen GM-Prozessvorgaben für die Werke", teilte Wolfgang Schäfer-Klug der Nachrichtenagentur dpa mit. "Die Beschäftigten von Opel tragen dafür nicht die Verantwortung. Gleiches gilt für andere Probleme bei Opel, die seit langem bekannt sind."

Schäfer-Klug betonte, der US-Autobauer GM habe mehr als 80 Prozent der Entscheidungen bei Opel am Konzernsitz in Detroit getroffen. "Das ist ein wesentlicher Unterschied zwischen Opel und PSA", so der Gesamtbetriebsratsvorsitzende. Er kritisierte aber erneut auch die Führungskräfte in Rüsselsheim. Ein Teil der Opel-Manager habe "auf allen Ebenen in den letzten 20 Jahren den Kurs der Mutter GM kritiklos" mitgetragen.

Der französische Hersteller hatte Opel zum 1. August übernommen. Ein erster Sanierungsplan soll nach 100 Tagen im November vorgestellt werden.

Autoexperte Dudenhöffer errechnet Personalüberhang bei Opel

Berechnungen des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer zeigen, dass die Rüsselsheimer zusammen mit der britischen Schwester Vauxhall dem neuen Mutterkonzern PSA in manchen Bereichen hinterherhinken. Als Maßstab nimmt er unter anderem die Mitarbeiter-Effizienz: PSA habe 2016 je Beschäftigtem 35 Fahrzeuge verkauft, Opel sowie die britische Schwester Vauxhall nur 30,4.

"Hätte Opel-Vauxhall die gleiche Arbeitsproduktivität wie PSA im Automotive-Bereich, hätten die (2016 hergestellten) 1,162 Millionen Fahrzeuge mit 33.205 Mitarbeitern produziert werden können - das wären 4965 Mitarbeiter weniger", schreibt Dudenhöffer in einer aktuellen Studie. Zudem lägen etwa im Entwicklungsbereich zahlreiche Doppelfunktionen bei Opel und PSA vor, so dass es hier ebenfalls mögliche Synergieeffekte gebe.

Opel-Beschäftigte in den deutschen Werken sind über einen Tarifvertrag bis Ende 2018 vor Entlassungen geschützt. Eine Verlängerung der Jobgarantie darüber hinaus hatte Tavares abgelehnt.

nis/dpa

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