Montag, 15. Oktober 2018

Übertarifliche Bezahlung in Frage gestellt Opel-Chef pocht auf Zugeständnisse

Michael Lohscheller stellt übertarifliche Gehälter in Frage

Im Streit um die Sanierung bei Opel pocht Konzernchef Michael Lohscheller weiter auf Zugeständnisse der Mitarbeiter. Sonst gebe es keine Chance, die deutschen Werke wettbewerbsfähig zu machen, sagte Lohscheller den Zeitungen der Verlagsgruppe Rhein Main (VRM). "Ich tue mich schwer damit, dass ein Unternehmen in solch einer wirtschaftlichen Schieflage in vielen Bereichen noch übertariflich zahlt", sagte Lohscheller.

Lohscheller wehrte sich erneut gegen Vorwürfe, gemachte Zusagen nicht einzuhalten und Tarifbruch zu begehen. Der französische Eigentümer PSA und Opel erfüllten die Tarifverträge. Opel versucht derzeit unter dem Druck von PSA, seine Kosten massiv zu senken.

Am Donnerstag gab es an den drei Produktionsstandorten in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach Betriebsversammlungen, auf denen die Mitarbeiter über den aktuellen Stand der Verhandlungen über das Sanierungskonzept des Autobauers informiert wurden. In Rüsselsheim und Eisenach stehen möglicherweise mehrere hundert Jobs auf dem Spiel.

Nach Informationen des Betriebsrates plant PSA bis zum Ende des Jahrzehnts 3700 der rund 19.000 Stellen zu streichen. "Die haben uns einen Abbauplan vorgelegt bis 2020, dass sie 3700 Arbeitsplätze abbauen wollen", sagte Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug am Freitag in Frankfurt. Allein das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim solle 1200 Jobs verlieren. Bisher hätten aber schon 2000 Mitarbeiter die Programme zum freiwilligen Ausscheiden, etwa über einen Vorruhestand, angenommen. Nach Einschätzung des Betriebsrates kämen bis 2020 noch 2000 Abgänge hinzu. Damit wäre der von PSA geforderte Personalkostenabbau schon erfüllt und kein Grund für Lohnkürzungen der verbleibenden Beschäftigten.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann äußerte indes Unmut über das Management des neuen Opel-Mutterkonzerns PSA. Er forderte in der "Augsburger Allgemeinen" Klarheit über die deutschen Standorte. Das PSA-Management müsse "endlich deutlich machen, wie es mit neuen Produkten der Marke Opel Marktanteile erobern will", sagte Hoffmann demnach. "Doch auf all unsere Fragen bekommen wir aus Paris keine Antworten." Seitens PSA gebe es "Drohgebärden", jedoch keine überzeugenden Strategien. "Was wir brauchen, sind jetzt belastbare Planungen für die Auslastung der Werke", so Hofmann weiter. Schon heute sei der Vertrauensverlust "gewaltig".

afp/rtr/akn

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