Mittwoch, 12. Dezember 2018

Investitionen sollen jetzt für alle Werke fließen Sanierungspakt bei Opel steht

Ope-Chef Michael Lohscheller sagt nach der Einigung mit dem Betriebsrat Investitionen auch für andere Werke zu

Die Opel-Geschäftsführung und der Betriebsrat haben sich auf einen Sanierungspakt geeinigt. 3700 der etwa 18.000 Stellen in Deutschland fallen weg, auch verzichten die Mitarbeiter zeitweise auf Lohnbestandteile. Opel-Chef Michael Lohscheller kündigt nun Investitionen für alle Werke in Deutschland an. Konkrete Summen nennt der Manager aber nicht.

Nach der Einigung auf den Abbau Tausender Stellen bei Opel will der Autobauer bald konkrete Investitionspläne für seine Standorte in Deutschland vorlegen. "Wir investieren in alle deutschen Werke", bekräftigte Opel-Chef Michael Lohscheller am Mittwoch in der Firmenzentrale in Rüsselsheim.

Nach der Zusage des Modells Grandland für das Werk Eisenach werde es auch für das Stammwerk Rüsselsheim und das Motorenwerk in Kaiserslautern in naher Zukunft Detailpläne geben. Die Zugeständnisse der Belegschaft seien dafür die Voraussetzung. "Wir behalten alle Werke in Deutschland und Europa und machen alle Werke wettbewerbsfähig." In einer Videobotschaft betonte Lohscheller: "Opel bleibt deutsch."

Betriebsrat und Management von Opel hatten sich am späten Dienstagabend auf Eckpunkte für den Erhalt aller Werke in Deutschland geeinigt. Es sieht den Abbau von 3700 der gut 18.000 Stellen in Deutschland vor. Die Mitarbeiter verzichten auf künftige Zulagen, Lohnerhöhungen werden verschoben. Im Gegenzug gilt für die verbleibenden Beschäftigten Kündigungsschutz bis Mitte 2023.

Betriebsratschef: "Aus diesem Eckpunktepapier kommt keiner mehr raus"

Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug sagte, an der Vereinbarung werde nicht mehr gerüttelt. "Aus diesem Eckpunktepapier kommt keiner mehr raus." Die Zugeständnisse seien für die Arbeitnehmer akzeptabel. Der Betriebsrat sei daher sehr zufrieden mit dem Kompromiss und "ein Stück erleichtert".

Der Stellenabbau solle ausschließlich auf freiwilliger Basis über Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen erfolgen. Von den geplanten 3700 Mitarbeitern, die freiwillig über Altersteilzeit oder Abfindungen ausscheiden sollen, hätten schon 3600 Vereinbarungen dazu unterschrieben. "Die Restrukturierung von Opel ist damit nahezu abgeschlossen", sagte Schäfer-Klug. Für alle anderen der insgesamt mehr als 18.000 Beschäftigten in Deutschland wurde ein Kündigungsschutz bis Juli 2023 vereinbart.

Die Beschlüsse seien ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, Opel wettbewerbsfähig zu machen, erklärte Lohscheller weiter. Darin peilt der Rüsselsheimer Autobauer eine operative Marge von 2 Prozent bis 2020 und 6 Prozent bis 2026 an. Ähnliche Vereinbarungen mit den Arbeitnehmern gibt es bereits in Spanien, Großbritannien, Österreich und Osteuropa.

Im Gegenzug gab PSA die Investitionen in das kleinste Opel-Werk Eisenach frei, um dessen Fortbestehen die Arbeitnehmer gerungen hatten. Dort soll ab Mitte nächsten Jahres der Geländewagen Grandland X in zwei Schichten gebaut werden. Ab 2020 soll dort auch eine Hybridversion dieses Modells vom Band laufen.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat zurückhaltend auf die Einigung reagiert. Er hätte sich eine bessere Auslastung und breitere Aufstellung des Werks in Eisenach gewünscht, erklärte Tiefensee am Mittwoch. Schmerzhaft sei die Verringerung der Belegschaft um bis zu 450 Stellen. Daran ändere auch nicht, dass die Mitarbeiter auf freiwilliger Basis ausscheiden könnten.

Zugeständnisse auch bei den Löhnen

Als Teil der Vereinbarung verzichtet die Belegschaft auf bestimmte Bestandteile des in der Metall- und Elektrobrauche im Frühjahr vereinbarten Tarifabschlusses. Nach Gewerkschaftsangaben wird das ab 2019 in der Branche geltende tarifliche Zusatzgeld ausgesetzt - laut Opel entfallen diese Zahlungen - und die Tariferhöhungen werden ab 2020 später ausgezahlt.

Die Details des Sanierungsplans sollen nun in Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen zwischen der Gewerkschaft und der Unternehmensleitung ausgehandelt werden.

Die IG Metall hatte mit einer Zuspitzung des Konflikts gedroht, sollte die Beschäftigung in den drei deutschen Werken in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach nicht über das Jahr 2020 hinaus abgesichert werden. Peugeot hatte Zugeständnisse der Belegschaft zur Voraussetzung für neue Modelle und Produkte gemacht. PSA-Chef Carlos Tavares will die chronisch defizitäre Marke mit dem Blitz und ihre britische Schwester Vauxhall bis 2020 aus den roten Zahlen führen.

PSA hatte Opel im vergangenen Jahr von General Motors übernommen. Dabei hat der Konzern zugesagt, keine Werke in Deutschland zu schließen und auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Bereits unter dem amerikanischen Mutterkonzern waren Tausende Stellen abgebaut und die Fahrzeugwerke in Bochum und Antwerpen geschlossen worden. Opel steckt seit fast 20 Jahren in den roten Zahlen.

rei/Reuters

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