Sonntag, 19. November 2017

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Neuer Treibstoff soll Verbrennungsmotor retten Norweger bauen gigantische Fabrik für Wunder-Diesel

Power-to-Liquids: So entsteht der wundersame Ölersatz
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Sunfire

2. Teil: Wie der Wundersprit wirtschaftlich werden soll

  • Die Konvertierung reduziert mithilfe des erzeugten Wasserstoffs zugeführtes Kohlendioxid (CO2) zu Kohlenmonoxid. Der Clou: Das CO2 kommt nicht wie üblich aus Brennstoffen wie Kohle oder Holz - sondern aus der Luft. Dazu baut Sunfire eine Art überdimensionalen Staubsauger der Schweizer Firma Climeworks ein.
  • Das Kohlenmonoxid plus wiederum Wasserstoff werden per Fischer-Tropsch-Synthese in einem Reaktor verflüssigt. Dies ist ein altes Verfahren, zu dem spätere Sunfire-Mitarbeiter bereits in der DDR forschten. Ursprünglich ermöglichten Franz Fischer und Hans Tropsch in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit der Synthese die Verflüssigung von Kohle.

In der Anlage in Südnorwegen (energetischer Wirkungsgrad: 60 Prozent) sollen ab 2020 pro Jahr zunächst zehn Millionen Liter synthetischer Diesel aus Kohlendioxid, Wasserstoff und Elektrizität entstehen. Die Menge reicht aus, um etwa 13.000 Autos mit Sprit zu versorgen. Später soll die Kapazität der Fabrik verzehnfacht werden, sagt Holen. "Als nächsten Schritt planen wir zehn derartige Fabriken in Norwegen." Eine Milliarde Liter soll dann die Produktionsstätten im Jahr verlassen.

"Läuft die erste Anlage in Norwegen reibungslos, können die nächsten Anlagen größer und günstiger gebaut werden, so dass sich die Kapitalkosten pro Liter halbieren", sagt Sunfire-Chef Nils Aldag gegenüber manager-magazin.de. Sunfire liefert den Elektrolyseur für die Anlage und will Teile seines bisherigen Wunderdiesel-Know-hows dauerhaft an die Norweger verkaufen.

Bei Flugbenzin ist die Umstellung besonders schwer

Tatsächlich sind die Kosten bisher einer der wesentlichen Knackpunkte bei dem Konzept. Die norwegischen Investoren wollen den Preis für das Rohprodukt aus der neuen Anlage zunächst "auf unter zwei Euro pro Liter drücken".

Dabei handelt es sich um einen Mischpreis für verschiedene Ölersatz-Produkte aus der Fabrik. Für Wachse würden Kunden möglicherweise mehr zahlen, den Diesel könnte sie daher möglicherweise günstiger anbieten.

Ein Vergleich zeigt aber, wie weit der Weg zur unsubventionierten Wirtschaftlichkeit ist: Ohne Steuern und Abgaben kostet ein Liter herkömmlicher Diesel etwa 45 Cent. Ein Liter Biosprit aus Pflanzen kommt auf 75 Cent. Mittelfristig wollen die Investoren ihren Wunderdiesel als Biokraftstoff-Ersatz normalem Auto- oder Flugkraftstoff beimischen. Die vollen gesetzlichen Voraussetzungen dafür stehen allerdings noch aus.

Beim Flugbenzin, das traditionell von Steuern und Abgaben befreit ist, sehen Fachleute besonders geringe Chancen für einen Durchbruch. "Wenn sich der Preis für Flugbenzin weiter in dem langjährig beobachteten Bereich bewegt, wird ein deutlicher Unterschied zu sythetischem Kraftstoff bestehen bleiben, der mit erneuerbaren Energien erzeugt wird", urteilt etwa das Umweltbundesamt.

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