Sonntag, 20. Januar 2019

Olympia-Sponsoring als Sprungbrett Nissans große Wette auf das Krisenland Brasilien

Vorstellung unter Ringen und Palmen: Nissans neu entwickelter Kompakt-SUV Kicks ist bei den Olympischen Spielen omnipräsent

Um zu sehen, wie finster deutsche Automanager dreinschauen können, reicht derzeit ein einziger Satz: Die Frage "Wie läuft es für Sie auf dem brasilianischen Automarkt?" sorgt in der deutschen Autobranche verlässlich für schlagartige Stimmungseinbrüche und Sorgenfalten auf der Stirn.

Im Jahr 2012 haben die Brasilianer noch 3,6 Millionen Pkw und Lkw gekauft, zeigen die Zahlen von IHS Global Insight. In diesem Jahr sollen es gerade mal 1,9 Millionen Fahrzeuge werden. Denn auch die Austragung der Olympischen Sommerspiele reißt das Land nicht aus seiner wirtschaftlichen Lethargie, die den Automarkt schon länger dämpft.

Deutsche Nobelmarken haben zwar in den vergangenen Monaten neue Fabriken im Land eröffnet oder die Produktion in den bestehenden Werken um neue Modelle erweitert. Doch so richtig Freude dürften sie an ihren Investments derzeit kaum haben. Der japanische Autohersteller Honda zieht bereits die Reißleine - und schiebt die Eröffnung seines neuen Montagewerks erstmal auf, bis sich Brasiliens Wirtschaft erholt. VW hat seinen Brasilien-Bestseller Gol vor kurzem nur halbherzig und sehr kostensparend erneuert. Größere Investments in neue Modelle, so das Kalkül der Wolfsburger, lohnen sich derzeit einfach nicht.

Nur ein großer Autohersteller stimmt nicht in den Brasilien-Blues der Branche ein, sondern nimmt gerade zur Olympiade kräftig Geld in die Hand: Die japanische Automarke Nissan.

Mit 250 Millionen Dollar, so heißt es in einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, soll Nissan die Spiele sponsern. Einen kompakten und günstigen SUV mit dem Modellnamen Kicks haben die Japaner noch vor den Spielen vorgestellt. Den werden sie künftig auch im neu eröffneten Werk in Resede rund 100 Kilometer nördlich von Rio fertigen. Als erster Autokonzern haben sie ein komplett neues Modell, das weltweit verkauft werden soll, zuerst in Brasilien gezeigt - und nicht auf einer der großen Automessen.

Natürlich hatte auch Carlos Ghosn, der Nissan und Renault in Personalunion führt, bei den Eröffnungsfeierlichkeiten einen großen Auftritt. Der gebürtige Brasilianer Ghosn war einer der Fackelläufer für das olympische Feuer.

Sein Lauf verlief laut Bloomberg zwar anders als geplant. Doch nach der ehrenvollen Aufgabe diktierte Ghosn den Reportern ein wenig Optimismus in die Mikrophone: "Wenn wir noch nicht bei der Talsohle sind, sind wir zumindest nicht mehr weit von ihr entfernt", erklärte Ghosn. "Jetzt ist die Zeit, in der man seine Aktivitäten verstärken und kommunizieren muss - besonders, wenn es eine Produktoffensive gibt". Sein Ziel: Renault und Nissan sollen ihren gemeinsamen Marktanteil um 50 Prozent steigern, wenn die Wirtschaft wieder anzieht.

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