Dienstag, 27. September 2016

Model S mischt Oberklasse auf Wie Tesla deutschen Autobauern zusetzt

Tesla triumphiert in der Luxusklasse: Wie Elon Musk die deutschen Autobauer vorführt
Fotos
Reuters; AP

Lange haben die Vorstände von Deutschlands großen Autoherstellern den kalifornischen Elektroauto-Pionier Tesla Motors Börsen-Chart zeigen auf die leichte Schulter genommen. Dessen erstes Modell, der Tesla Roadster, zog seine Energie aus tausenden Laptopbatterien, die samt Elektronik in der simplen Karosserie eines Lotus-Sportwagens steckten. Diese wilde Mischung, so urteilten detailverliebte Ingenieure in Niedersachsen und Bayern, würde ihren Präzisions-Fahrzeugen kaum gefährlich werden.

Doch Mitte 2012 haben die Kalifornier das Model S nachgelegt - ein Elektroauto mit Oberklasse-Optik, Riesen-Touchscreen und Beschleunigung auf Sportwagen-Niveau. Und nun zeigen neue Zahlen, dass sich amerikanische Emporkömmling Tesla tatsächlich zum ernstzunehmenden Oberklasse-Konkurrenten für Mercedes, BMW, Audi und Porsche mausert - nicht nur in den USA, sondern auch in Europa.


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Etwa in der Schweiz, ein zwar kleiner, für Oberklasse-Autos aber interessanter und lukrativer Markt. Dort schlug Tesla im ersten Halbjahr 2015 die direkten deutschen Oberklasse-Mitbewerber deutlich, zeigen Zahlen des Importeurs-Verbands Auto Schweiz: Das Model S hielt von Januar bis Juni bei 638 Neuzulassungen, Mercedes S-Klasse lag bei 415 Neuzulassungen. Audis A8, der 7er-BMW und Porsches Panamera kamen bei den Eidgenossen im vergangenen Halbjahr auf nur zweistellige Zulassungszahlen, BMWs 6er und der Audi A7 waren knapp dreistellig.

Dabei gibt es in der Schweiz - wie auch in Deutschland - kaum staatliche Zuschüsse beim Kauf eines Elektroautos. Wie stark Elektroauto-Subventionen den Absatz ankurbeln können, zeigt sich bei Deutschlands nördlichem Nachbarn Dänemark.

Dudenhöffer: Tesla Model S auf Platz 3 der deutschen Oberklasse-Zulassungen

Die Dänen fördern Elektroautos, indem sie die Zulassungssteuer beim Kauf von Stromern komplett erlassen - und die ist üblicherweise saftig. Denn bei der Zulassung werden bis zu 180 Prozent auf den Neuwagenpreis als Abgabe fällig. So ist auch zu erklären, dass Teslas Model S im ersten Halbjahr auf 511 Neuzulassungen kam - während Oberklasse-Fabrikate deutscher Hersteller Mühen hatten, auf zweistellige Zulassungszahlen zu kommen.

Die Geschwindigkeit, mit der Tesla in die Spitzengruppe der Oberklasse-Modelle vorfährt, muss deutschen Konzernstrategen zu denken geben. Bald will Tesla mit einem SUV angreifen - und in spätestens zwei Jahren auch in der Mittelklasse präsent sein.

Auch in Deutschland ist Tesla mit seinem Model S nach anfänglichen Startschwierigkeiten auf dem Vormarsch. Im ersten Halbjahr wurden 696 Model S-Limousinen zugelassen, zeigen die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) - ein Plus von 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit liegt Tesla zwar im Oberklasse-Segment deutlich hinter deutschen Fabrikaten wie der S-Klasse (3884 Stück) oder dem Audi A7 (2657 Stück) und insgesamt nur auf Rang neun.

Allerdings hat Tesla im Oberklasse-Segment den höchsten Anteil an Privatkunden. Und das lässt Tesla nach einer Marktdefinition des Branchenkenners Ferdinand Dudenhöffer, Professor für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen, in Deutschland wesentlich besser dastehen, als es die nackten Zulassungszahlen ausdrücken: In seiner neuen Studie bereinigt Dudenhöffer die KBA-Zahlen um taktische Zulassungen und Leasingverkäufe und platziert Tesla so auf Rang drei. Zum Vergleich: Andere Import-Marken wie die Top-Modelle von Toyotas Luxusmarke Lexus oder GMs Cadillac kommen jährlich nur mit Mühen auf dreistellige Zulassungszahlen.

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